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Tabula rasa bei Eybl & Sports Experts

  • Bernd Gutewort
  • Donnerstag | 07. März 2013  |  11:25 Uhr
Wels. Bei der Sport Eybl & Sports Experts AG (EAG) rollen die Köpfe:

Soeben wurden die Hartwaren-Einkäufer Fritz Ortbauer (Ski) und Wolfgang Gaffal (Snowboard und Fahrrad) nach rund 30 Jahren Firmenzugehörigkeit in die Wüste geschickt. Auch Michael Rumerstorfer, der von Atomic Austria (Director Marketing und Sales) Anfang 2010 zu Sports Experts wechselte und seit Mitte 2012 für beide Vertriebsschienen der EAG als Head of Marketing fungierte, musste seinen Hut nehmen.Bereits auf der Ispo war die angeschlagene EAG eines der Hauptgesprächs-Themen. „Harte Sanierungsmaßnahmen: Die EAG braucht dringend Geld“, lautete die Schlagzeile bei sportFACHHANDEL (Ausgabe 3/2013, S. 14). Anfang Februar war zu lesen, dass 11% der Mitarbeiter gekündigt wird, also etwa 250 von insgesamt 2200. Auch von Standort-Schließungen war die Rede und dass die EAG mit dem Beratungsunternehmen Deloitte einen Partnersuch-Prozess zur Stärkung der Eigenkapital-Basis eingeläutet hat.

Auch auf der Ösfa war die EAG in aller Munde und die Hiobsbotschaft um die drei genannten Kündigungen nur die berühmte Spitze des Eisbergs. In der Branche wird gemunkelt, dass sogar bis zu 15% der Beschäftigten in den Filialen der blaue Brief droht. Und, dass bei der EAG vom Verkauf bis zum Konkurs alles möglich sei. Nicht nur die Expansion auf insgesamt 58 Standorte in Österreich und Deutschland (inklusive Eybl in Passau und Sports Experts in Regensburg und Erding) trotz Umsatzrückgänge von 410 auf 389,5 Mio. EUR (per 31. August 2012) hätten dem Filialisten das Genick gebrochen, sondern vor allem die Riesensummen, die der österreichische Platzhirsch (25,2% Marktanteil) in den World Store in Vösendorf (15 Mio. EUR) und den Lagerumbau (18 Mio. EUR) steckte. Von der verfehlten Betriebstypen-Differenzierung, die bekanntlich wieder in der Zusammenlegung der Einkaufsabteilungen endete (SFH Ausgabe 6/2012, S. 14), und einer offenbar misslungenen Eigenmarken-Politik ganz zu schweigen.

Schlagen die Russen zu?

Wie lange liefern die Lieferanten noch und wie soll es weitergehen? Als möglicher Übernahme-Kandidat von der EAG wird jetzt auch die russische Sportmaster Ltd. (Moskau) gehandelt, die ein Netzwerk von Sportgeschäften sowie Online-Handel und Vertrieben umfasst. Im Programm der Filialen in Russland (304), Kasachstan (10), der Ukraine (25) und Weißrussland (1) sind Dutzende von Sportmarken (u.a. Adidas, Reebok, Nike, Columbia, Asics, New Balance, Merrell, Rossignol, Roces, Tecnica, Atomic, Salomon, Völkl, Burton und Fischer). Allein von Fischer werden in Russland (da macht Sportmaster rund 60% seines Gesamtumsatzes) pro Jahr rund 350.000 Paar Langlauf-Ski verkauft. Gerüchten auf der Ösfa zufolge, verfügt Sportmaster über ein Investitionskapital von 300 Mio. EUR, das in China aber auch in Europa eingesetzt werden könnte. rs

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Wie lange kann sich Eybl solche Tiefschläge noch leisten?

Autor: Bernd Gutewort

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2013