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Sport 2000: Outdoor-Umsätze legten zur Halbzeit etwas zu

  • Reinhard Schymura
  • Donnerstag | 11. Juli 2013  |  11:52 Uhr
Friedrichshafen. Auf der gestrigen Pressekonferenz gab die Sport 2000 einen Überblick über die Entwicklung im ersten Halbjahr 2013: Die schlechte Nachricht: Der Gesamtumsatz lag mit aufgelaufenen 3,1% hinter dem starken Vorjahres-Plus von 7,5%. Gut hingegen kam der Bereich Outdoor mit einem Wachstum von 2,1% über die erste Halbzeit, der somit einen Anteil von 22,7% (Vorjahres-Zeitraum: 22%) zum Gesamtumsatz beiträgt.

„Das erste Halbjahr 2013 wurde durch starke Wetter- und damit auch Umsatzsprünge geprägt“, sagte Geschäftsführer Andreas Rudolf: „Nach einem verhaltenen Start ins Jahr und einem unbefriedigendem ersten Quartal konnten unsere Partner vor allem in den Monaten April und Mai die aufgelaufene Jahres-Statistik verbessern.“ Der Bereich Running, vor allem Natural Running, wuchs um 5,2%. Absoluter Umsatzrenner waren Jacken, die dem Bereich Textil zu einem Umsatzanteil von 57% verhalfen. Damit stiegen Textilien um 4%. Die Wetterkapriolen machten vor allem Bade/Beach (-8,9%) und dem Teamsport (-3,9%) zu schaffen. Auch Schuhe (-1,5%) und Hartwaren (-3,5%) waren rückläufig. Zunehmend schwieriger verlief das Geschäft mit dem einstigen Kassenschlager Softshell-Jacke, so Rudolf: „Hier ist vor allem ein angebrachtes Preisniveau verloren gegangen.“ Dagegen zeichne sich ein Trend zur multifunktionalen, leichten Hardshell-Jacke ab, ergänzte Hans ­Allmendinger, Bereichsleiter Marketing: „Nach wie vor werden Outdoor-Jacken auch zum Einsatz in der Freizeit gekauft. Allerdings ist der modische Trend nicht mehr der Wachstums-treiber. Vielmehr lässt sich eine Verlagerung der Nachfrage auf eher sportliche, performance-orientierte Styles beobachten.“ Es seien die Outdoor-Sportler, die diesen Trend forcieren und vorranging im stationären Handel kaufen, der über die Beratung punkten kann. „Die Wachstumskurve im Online-Handel flacht in einzelnen Segmenten merklich ab. Einzelne Marken, speziell aus dem Outdoor-Bereich, versuchen in der Zwischenzeit, sich hier wieder zurückzuziehen“, so Allmendinger. „Gerade die oft sehr hochwertigen und auf Funktionalität ausgelegten Outdoor-Produkte brauchen kompetente Beratung und möchten ausprobiert werden.“ Dazu Rudolf: „Wir erzielen dann Wettbewerbsvorteile, wenn wir den Kunden auf der Fläche etwas Besonderes bieten, besondere Persönlichkeit, besondere Individualität, Fachkompetenz oder Qualität im Service.“

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v.l.n.r.: Wolfgang Schnellbügel (Geschäftsführer Sport 2000 International), Andreas Rudolf (Geschäftsführer Sport 2000 Deutschland), Hans Allmendinger (Bereichsleiter Marketing Sport 2000 Deutschland)

An die Lieferanten richtet sich Rudolf mit dem Wunsch, den Markt mit echten Innovationen anzukurbeln, an denen es leider oft noch fehle, um Impulse zu setzen und die Potenziale weiter auszuschöpfen. Das gelte auch in Punkto Nachhaltigkeit, welche die Sport 2000 mit ihrer Initiative Green & Fair weiter vorantreibe, da besonders Outdoor-Sportler in ihrem Konsumverhalten auf umweltfreundliche und sozialverantwortlich hergestellte Produkte großen Wert legen.

Deutlich zu viel Ware im Markt

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Olaf Wittayer
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Tim Wahnel

Am Nachmittag diskutierten dann Olaf Wittayer (Geschäftsleiter der Outdoor-Profis sowie Inhaber des Limburger Biwak-Ladens) sowie Tim Wahnel (Biwak-Prokurist und ebenfalls Outdoor-Profis-Geschäftsleiter) bei einem Round-Table-Gespräch im Übergang Ost über drängende Branchen-Probleme. „Es ist deutlich zu viel Ware im Markt“, erklärte Wittayer. Die Wachstumsprognosen bzw. Business-Pläne der Lieferanten würden an den Realitäten vorbeigehen, was dazu führe, dass die produzierten Mengen oft schon vor dem Saison-Zenit entweder über Sonderposten-Listen in den Handel gedrückt oder über eigene B2C-Kanäle oder nicht marktgerechte Absatzschienen verkauft würden. Diese nicht marktkonforme Absatz- und Produktionsplanung, getrieben durch Wachstumsphantasien, treffen eine Outdoor-Branche, die auf einem hohen Niveau stagniere und Wachstum im Wesentlichen über die Preiserhöhung der Produkte realisiere. Außerdem gäbe es sowohl auf Seite der Lieferanten, als auch auf Seite der Händler zu viele kurzfristig orientierte Marktteilnehmer, die mit bisher nicht bekannter und vor allem auch unnötiger Preis-Aggressivität reagieren. Damit würden völlig neue Spielregeln (bzw. keine mehr) gelten, die einem Fachhandels-Ansatz zuwider laufen und für den qualifizierten Einzelhandel auch nicht umsetzbar sind. rs

Autor: Reinhard Schymura

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2013