Freitag | 13. Juli 2012  |  07:35 Uhr

Sport 2000 kritisiert Online-Plattformen und frühe Vororder-Deadlines

Friedrichshafen. Auf der OutDoor zog Sport 2000 zunächst eine durchaus positive Bilanz für das erste Halbjahr 2012: Die Rede ist von einem Umsatz-Plus von insgesamt 7,5% (Vorjahr: -0,9%).

Vor allem profitierten die Verbandsmitglieder in den Bereichen Teamsport (+19,8%) und Running/Walking (+14%) während der Wintersport (-24,3%) aufgrund des späten Saisonbeginns deutlich abrutschte. Speziell in der Warengruppe Outdoor zeigten sich die dem Mainhausener Verband angeschlossenen Händler mit einem aufgelaufenem Gesamtumsatz von -0,1% (Vorjahr: -1,1%) relativ gut in Form. Besonders Outdoor-Schuhe, die auch in der Freizeit getragen würden, brachten diesem Segment ein Plus von 6,2%. Die in der Sport 2000 spezialisierten Outdoor-Profis erwirtschafteten im Durchschnitt ein Wachstum von 1,2%.

Outdoor-Umsätze relativ stabil

Dabei nimmt das Outdoor-Geschäft der Sport 2000-Händler mit einem Anteil von 22% (-1,5 Prozentpunkte) am Gesamtumsatz weiterhin einen hohen Stellenwert ein. „Die zweistelligen Zuwachsraten der letzten Jahre wird es jedoch nicht mehr geben“, dämpfte Deutschland-Geschäftsführer

Andreas Rudolf, eine Marktsättigung sei bereits eingetreten. Allerdings würde keineswegs der Outdoor-Markt generell schwächeln. Das größte Potenzial liege im Freizeit-Bereich: Wandern und „Draußen-Sein“ sei angesagt, weniger im hochalpinen Gelände, eher auf Routen unter 1500 Metern. „Alles was im Urlaub und in der Stadt getragen werden kann“, so Rudolf, „verspricht Zuwächse“. Neben den Schuhen würden Jacken bei Outdoor-Textilien die wichtigste Umsatzrolle spielen. Wegen des späten Wintereinbruchs war das Bekleidungsgeschäft jedoch um 2,3% rückläufig. Schlechter lief auch die Outdoor-Hartware mit einem Minus von 12,2% aufgrund der Schneelage bis in den April.

Auch wenn hohe Rest-Lagerbestände aus dem letzten Winter drücken, warnt Rudolf, dürfe es jetzt zu keiner falschen Planung für Frühjahr/Sommer 2013 kommen. Er rät: „Mehr Tiefe statt Breite, etwas mehr Mut zur Farbe, alles was vergleichbar ist weglassen und nicht zu früh ordern.“ Der Ordertermin müsse wieder näher an den Verkaufszeitpunkt gerückt werden. Deutliche Worte fand Rudolf auch zu den neuen E-Commerce-Richtlinien von Adidas, Nike & Co: „Solange nicht die Hersteller am Ende alleinige Nutznießer solcher Richtlinien sind, sagen wir „ja“ dazu. Zudem hoffen wir auf Signalwirkung für andere Lieferanten.“ Die neuen Vertriebsbedingungen könnten ein „Stop-Signal“ für den stärker werdenden Wildwuchs sein.

Der frühe Vogel kauft oft blind

Ein Dorn im Auge sind Online-Plattformen wie Amazon und eBay auch für Olaf Wittayer, Geschäftsführer der Outdoor-Profis, die nun zur Halbzeit 2012 mit 115 (Vorjahr: 105) Mitgliedern den „harten Spezialisten-Kern“ innerhalb der Sport 2000 bilden: „Der Beratungsklau in unseren Geschäften ist mittlerweile ein alltägliches Phänomen. Es kann und darf nicht sein, dass unsere Läden als Schaufenster und Anprobierhäuser missbraucht werden.“

Auch das sich immer schneller drehende Orderkarussell sieht Wittayer äußerst kritisch: „Viele unserer Händler ärgern sich massiv über die frühen Deadlines. Sie müssen zu einem Zeitpunkt ordern, zu dem die Abverkaufsquoten noch schwach sind und die Zukunftsprognosen eher dem Blick in die Kristallkugel gleichen. Sind es ein paar Punkte Early-Bird-Rabatt wert, das Budget an einem konsumigeren Must-Have-Artikel vorbei zu vergeben?“ Der frühe Vogel, so Wittayer, fange zwar den Wurm, wobei allerdings die Frage offen bleibt, ob es nicht noch deutlich bessere Würmer gegeben hätte. rs

Autor: Bernd Gutewort

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2012