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Spielstand – Outdoor ist in, Jammern bleibt out

  • Montag | 30. Juli 2012  |  10:06 Uhr
Keine Frage: Die jüngste OutDoor in Friedrichshafen war für die gesamte Branche, die sich dort üblicherweise trifft, eine besondere Messe.

Man kann gerne von einem verwöhnten Erwerbszweig sprechen, die seit so langer Zeit gar nicht viel anderes kennt als strammen einstelligen oder gerne auch mal ordentlichen zweistelligen Zuwachs. Das war schon immer so und sollte doch auch bitte für die nächsten vielen schönen Jahre so bleiben. Willkommen in der Wirklichkeit: Die OutDoor-Messe war von einer gewissen Ernüchterung gekennzeichnet, die von einigen Marktteilnehmern nicht mal negativ aufgenommen wurde. Man müsse auch mal in der Realität der Gesamtwirtschaft ankommen, fordern die einen; andere sehen die Vorzüge in einem eher schwierigen Geschäftsverlauf darin, dass die branchenfremden Quereinsteiger, die auf den Megatrend Outdoor mit großem Optimismus aufgesprungen sind, nun auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Wenn’s einfach ist, können es alle. Wenn’s schwierig wird, bestehen die, die schon so lange geübt haben. Und das ist gut so. Die OutDoor in diesem Juli war nicht von Jammern und Zähneklappern geprägt, sondern von einem neuen Maß an Ernsthaftigkeit: Denn es gibt ein paar Probleme, die völlig ungefragt gleichzeitig vor der Tür standen und die es zu lösen gilt, soweit dies den Marktteilnehmern überhaupt möglich ist. Dazu gehören der letzte schlechte Winter, ein nie gekannter Warenüberhang vor allem bei der Bekleidung, das Auftreten von selbstbewussten Internet-Händlern, die offenbar nicht rechnen können müssen, sowie die Unwägbarkeiten des Euro. Einige dieser Faktoren kann die Branche aus eigener Kraft nicht in den Griff bekommen, das steht außer Frage. Das Bedenken, das über allen anderen Sorgen thront, ist doch die grundsätzliche Überlegung, dass Outdoor gar nicht mehr in sein könnte und der seit vielen Jahren Umsatz-verdächtige Outdoor-Trend Marktanteile an andere Lifestyle-Strömungen abgeben müsste. Die Zeichen stehen auf Entwarnung, denn hier ist ein Missverständnis im Umlauf. Wer behauptet denn, bitte, Outdoor-Ware lasse sich nicht mehr so gut verkaufen wie in den letzten Jahren? Falsch. Das Problem liegt nicht an der Nachfrage, sondern an einem Überangebot, das vom Wetter und Schwierigkeiten in der Lieferkette erzeugt wurde. Das geht dem Händler natürlich auf den Ertrag, meint aber nicht dasselbe wie eine Lustlosigkeit des Verbrauchers. Und das ist das Entscheidende: Outdoor ist weiterhin die gefragteste Kategorie in deutschen Sportgeschäften – und weit über diesen Vertriebskanal hinaus. Daher liegt die schwere Aufgabe nun bei den Lieferanten, die enorme Anstrengungen unternehmen müssen, ihre Wertschöpfungs-Kette wieder in normale Bahnen zu lenken und den wertigen Produkten das angedeihen zu lassen, was sie wirklich verdienen: angemessene Preise für gute Ware. Dies geschieht auch über die langfristig überlegte Auswahl von Handelskunden, die sich ihrer Verantwortung um ein intelligentes Preis/Leistungs-Verhältnis bewusst sind. Markus Huber

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… mit den in diesem Artikel genannten Firmen und Personen liegen derzeit nicht vor.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 15 / 2012