• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Outdoor bleibt das Maß aller Dinge

  • Selma Özakin
  • Montag | 09. Juli 2012  |  08:09 Uhr
Nürnberg. Zum ersten Mal warfen die Marktforscher von GfK und NPD Group ihr Wissen über den Outdoor-Markt in einen Topf.

Dabei kam eine detaillierte Untersuchung des Segments auf der Ebene des Einzelhandels heraus. Zwar zeigte Outdoor in den deutschen Geschäften im vergangenen Jahr nach einer langen Zeit des steilen Aufstiegs erstmalig leicht nach unten. Doch die Kategorie ist und bleibt eine verlässliche Größe in Sachen Volumen und Stabilität. Das Jahr 2011 im detaillierten Überblick.

Umsatzentwicklung bei Vollsortimentern nach Warengruppen (Jan. - Mai 2011 gegenüber Jan. – Mai 2010)

Bei ihrer Untersuchung gehen die Forschungs-Unternehmen von einem Marktvolumen in Deutschland zwischen 1,6 und 1,7 Mrd. EUR für die Kategorie Outdoor aus. Diese Zahl beinhaltet den spezialisierten Outdoor-Fachhandel, den Sporthandel sowie Warenhäuser und branchenfremde Einzelhändler. Dieser Untersuchung liegen allerdings nur die Daten aus dem allgemeinen Sporthandel und den Warenhäusern zugrunde, so dass die Marktabdeckung der Studie bei 50 bis 60% liegen dürfte.

Wie den Händlern bestens bekannt, war das Jahr 2011 von ungünstigen Wetterbedingungen bestimmt. Die Wintersport-Sortimente rasten per Schussfahrt in den Keller, so dass der gesamte Sporthandel im letzten Jahr um durchschnittlich 5% nachgab. Auch Outdoor kam nicht ungeschoren davon: Der Rückgang lag zwar nur bei 2% gegenüber dem Vorjahr, aber die erfolgs-

verwöhnte Kategorie weiß seit langer Zeit nicht mehr, wie es sich anfühlt, überhaupt mal ein Minus zu verbuchen. Verglichen mit Kategorien wie Ski, Snowboards und Inline-Skates zeigt sich Outdoor trotz alledem als Fels in der Brandung.

In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres hat sich der Wind allerdings kräftig gedreht: Das Geschäft mit Sportartikeln konnte sich um 8% steigern, das mit Outdoor-Ausrüstung sogar um 17%. Diese Werte vergleichen die Monate Januar bis Mai für 2010 bzw. 2011.

Wertmäßige Entwicklung von Outdoor nach Monaten (2011 gegenüber 2010)

Der Vergleich einzelner Monate zum Vorjahr ist zwar kein Muster ohne Wert, muss aber bei der Interpretation der Zahlen mit Vorsicht genossen werden, denn oft geht es hier nur um Verschiebungen, die vom Wetter diktiert werden. Der Dezember 2010 war bitterkalt und beflügelte das Geschäft mit Winterjacken, -schuhen, Handschuhen usw. in einer Weise, dass dieser Monat mit kräftigen 43,2% über dem Vorjahreswert lag. Da nimmt es nicht Wunder, dass der Dezember 2011 nicht mithalten konnte und mit 17,5% hinter dem Ergebnis von zwölf Monaten davor lag oder liegen musste. Daher sagt ein strammes Minus nicht zwingend aus, dass der Monat schlecht war.

Dies zeigt sich auch an Übergangsmonaten wie März und April: Mit einem Plus von 14,3% war der April auf den ersten Blick ein guter Monat, der März hingegen nicht. Dies hängt in der Regel damit zusammen, wann der Frühling ausbricht – auch im Vergleich zum Vorjahr. Zudem kannibalisieren sich März und April innerhalb desselben Jahres: Wenn der Kauf eines Rucksacks oder einer Softshell-Jacke im März stattfindet, fällt er eben im April aus. Oder umgekehrt.

Der Outdoor-Anteil im Sporthandel verglichen mit anderen Sortimenten (2011 gegenüber 2010)

Das Schöne an der Kategorie Outdoor ist ihre Verlässlichkeit als tragende Säule des Sportgeschäfts über das ganze Jahr hinweg. Anteilsmäßig verliert das Segment im Winter naturbedingt an Bedeutung, da die Händler dem Thema Ski logischerweise in den kalten Monaten viel Fläche einräumen und entsprechenden Umsatz tätigen. Das Chart belegt, dass dies auch in schlechteren Wintern wie im vergangenen Jahr der Fall ist. Im Sommer zeigt sich Outdoor aber als dominierender Faktor im Shop: Von April bis Oktober sicherte sich das Sortiment einen Umsatzanteil von zu keinem Zeitpunkt weniger als 20%. In Spitzenmonaten wie Juli und September waren es sogar 28%.

Outdoor im Vergleich zu Sport insgesamt nach Hauptsortimenten

Der Blick auf die Hauptsortimente ist mehr als aufschlussreich, denn er zeigt ein ungewohntes Bild: Für das Minus von 2% zeichnen insbesondere die Outdoor-Schuhe verantwortlich, die 2011 um ganze 9% schwächer als noch ein Jahr zuvor abschlossen. Die Bekleidung hielt sich stabil und die Hartware erreichte sogar ein leichtes Plus von 2%.

Noch bemerkenswerter ist dabei der Vergleich zwischen dem Sortiment Outdoor und der generellen Entwicklung im Sporthandel: In der Warengruppe Outdoor gab der Anteil der Schuhe um 2 Prozentpunkte auf 25% nach, während im Sporthandel insgesamt das Schuhwerk um einen Zähler auf 26% zulegte. Die Kategorien Bekleidung und Hartware blieben in beiden Gruppen verhältnismäßig stabil. Dieser Befund wirkt paradox, und wir können hier keine plausible Erklärung abliefern. Zu bedenken geben wir allemal ein Zuordnungs-Problem: In Erfolgszeiten modischer Sneakers oder von Trail Running-Schuhen wäre es erst mal zu prüfen, was ein Outdoor-Schuh und was ein „normaler“ Sportschuh ist. Willkommen im Reich der Hybride.

Die Hauptsortimente in ihrer Entwicklung nach Monaten (2011, in Mio. EUR)

Die Umsatzentwicklung der drei Hauptkategorien Bekleidung, Schuhe und Equipment im Jahresverlauf weist eine Überraschung auf: Während Hartware und Schuhe ihre Umsätze über die zwölf Monate des Jahres 2011 hinweg mit einem leichten Plus im Sommer einigermaßen gleichmäßig erwirtschafteten, tanzten die Textilien aus der Reihe: Nicht zu erkennen ist ein eigentlich zu erwartender Ausschlag in den Frühjahrs-Monaten. Stattdessen verlief das Bekleidungs-Geschäft ab Februar bis zum Höhepunkt im Oktober halbwegs stetig nach oben.

Die Verteilung der Umsätze mit Outdoor-Hartware nach Monaten (2011)

Die Marktforscher von GfK und NPD haben sehr viel Mühe darauf verwandt, die Outdoor-Hartware in Unter-Kategorien herunter zu brechen. Hier müssen wir mit der Problematik leben, dass das Handels-Panel die Warenhäuser und allgemeinen Sporthändler berücksichtigt, aber nicht die spezialisierten Outdoor-Händler. Während wir bei Schuhen und Bekleidung einen gewissen „Gleichschritt“ zwischen Sport- und Outdoor-Handel vermuten dürfen, sieht es beim Equipment doch ein wenig anders aus.

Das Chart zeigt die Umsatzverteilung der einzelnen Hartware-Segmente für den generellen Sport-Fachhandel, und wir können wohl davon ausgehen, dass es signifikant anders aussähe, wären die „Outdoor-Spezis“ mit eingerechnet. Die Dominanz der Rucksäcke mit mehr als einem Drittel des Umsatzes mag vielleicht noch für beide Vertriebsschienen zutreffen. Wir dürfen aber wohl doch mit Verschiebungen rechnen, wenn es um sehr spezielle Warengruppen geht wie etwa Zelte oder Kletterseile. Hier sind wir in der Domäne der Spezialisten angekommen, die in der Grafik wahrscheinlich unterrepräsentiert sind. Umgekehrt ist es vorstellbar, dass bei den Vollsortimentern die Wanderstöcke tatsächlich einen höheren Umsatzanteil ausmachen als bei den Spezialisten.

Dies sind jedoch eher gefühlte als validierte Vermutungen. GfK und NPD sind sich dieser Problematik allerdings bewusst und haben bereits angekündigt, in den nächsten Jahren den Spezialhandel in die Forschungen stärker einzubinden. Für den ersten Wurf stellt die Untersuchung aber in jedem Fall eine wertvolle Grundlage zur Markteinschätzung dar. Die Studie, die käuflich erworben kann, bietet eine ganze Reihe weiterer wichtiger Informationen, wie die Marktverteilung nach Marken und vieles mehr. mh

gfk_1

Autor: Selma Özakin

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2012