Dienstag | 01. Oktober 2013  |  10:32 Uhr

Österreichische Holding übernimmt die Kontrolle bei Karstadt Sports

Wien. Nicolas Berggruen, Inhaber von Karstadt, trennt sich von maßgeblichen Bestandteilen des Essener Warenhaus-Konzerns.

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Die Sport- und Premiumhäuser werden mehrheitlich von der Wiener Signa Holding des österreichischen Star-Unternehmers René Benko übernommen.

Der Deal sieht vor, dass René Benko die Premiumhäuser KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg ebenso zu 75,1% übernimmt wie alle 28 Sportfilialen. Die restlichen Anteile verbleiben bei Nicolas Berggruen. Über Details des Handels wurde Stillschweigen vereinbart, doch die beiden neuen Partner haben zugesagt, in diesen Geschäftsbereich etwa 300 Mio. EUR investieren zu wollen – mit der Signa Holding als Hauptsponsor. Alle übrigen 86 Warenhäuser des Essener Händlers sollen bei Berggruen verbleiben.

Es bleibt abzuwarten, mit welchen konkreten Maßnahmen die Machthaber im Kaufhaus-Universum die drei Geschäftsbereiche, von denen nunmehr zwei maßgeblich von Signa Holding dirigiert werden, in eine bessere Zukunft führen möchten. In diesem Zusammenhang wollen verschiedene Medien gleich von mehreren Gedankengängen erfahren haben. Die Wirtschaftswoche hat aus ihren Quellen gehört, dass Benko insbesondere über die Premiumhäuser nachdenkt. Hier sieht der Österreicher Potenzial für Expansion, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und anderen europäischen Ländern. Angedacht sei demnach ein europäisches Netzwerk von Luxus-Kaufhäusern mit den drei Karstadt-Flaggschiffen gewissermaßen als Epizen-trum solcher blühenden Landschaften. Neu ist diese Idee keineswegs, sie wurde schon vom vormaligen Karstadt-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff ventiliert, freilich ohne konkrete Ergebnisse.

Was passiert mit dem Geld?

Wenn schon eine Ziffer wie 300 Mio. EUR als Investitions-Volumen im Raum steht, dürfte es von großem Interesse sein, wie das Geld angebaut werden soll. Hier nennt Der Spiegel konkrete Zahlen, die er der Karstadt-Führung entlockt haben will: So sollen rund 100 Mio. EUR für die Modernisierung der drei Vorzeige-Tempel in Hamburg, Berlin und München aufgebracht werden. Für die 28 Sporthäuser stehen in den nächsten eineinhalb Jahren 50 Mio. EUR zur Verfügung. Deutlich weniger üppig schaut es für die „restlichen“ Warenhäuser aus, für die in den nächsten fünf Jahren gerade mal 15 Mio. EUR für Investitionen veranschlagt sind, wie Der Spiegel schreibt.

Zunächst stehen aber auch Entscheidungen an, die kurzfristig zu treffen sind: Das Manager Magazin berichtet, dass der bisherige Aufsichtsrats-Vorsitzende Jared Bluestein sein Amt zugunsten des früheren Rewe-Vorstands Stephan Fanderl abgeben soll. Auch der Posten des Vorstands-Vorsitzenden, den Andrew Jennings bis zum Jahresende räumen will, ist neu zu besetzen.

Signa Holding war bereits in den letzten Jahren zum bedeutenden Vermieter für Karstadt geworden, da sich Benko nach und nach die Immobilien von 21 Karstadt-Häusern, darunter auch der Premium-Tempel, einverleibte. Der 36-jährige Benko war bislang weniger als Einzelhändler, sondern vornehmlich als Investor in Immobilien in Österreich und in Deutschland aufgetreten. Sein Portfolio soll rund 5,5 Mrd. EUR schwer sein. Zu seinen Besitztümern gehören verschiedene lukrative Objekte in Wien sowie das Kaufhaus Tirol in Innsbruck. mh

Autor: Selma Özakin

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