Freitag | 07. März 2014  |  07:45 Uhr

Müller geht, Bundeli kommt, Vaucher kämpft

Ostermundigen. Der Chefwechsel an der Spitze der Intersport PSC Holding kam überraschend.

Der bisherige Finanzchef der Schweizer Intersport, Patrick Bundeli, löst Urs Michael Müller als CEO ab. Urs Müller, fünf Jahre lang für die Geschicke des Schweizer Sporthändlerverbands verantwortlich, hat das Haus bereits verlassen und Nachfolger Bundeli bereist schon die eidgenössische Händlerlandschaft.

Der abrupte Abgang Müllers nährt die Spekulationen, dass es zwischen Müller und dem britischen Mehrheits-Eigentümer von Intersport PSC, Nicholas Berry, Dissonanzen gegeben haben soll. Dabei geht es um die zukünftige Ausrichtung des Einkaufsverbands sowie die Positionierung der angeschlossenen Händler. Die in den letzten Jahren immer unsicherer werdenden Saisonverläufe speziell im Winter hinterließen schließlich Spuren auch bei den Handelspartnern.

Etwaige Unstimmigkeiten werden jedoch von beiden Seiten nicht kommentiert. Urs Müller habe den Verband auf „eigenen Wunsch“ verlassen, heißt es lediglich, während der britische Investor Berry dem scheidenden Manager zusätzlich entsprechenden Respekt zollt. „Müller konnte in schwierigen Zeiten den Marktanteil von Intersport am Schweizer Sportartikelmarkt in Höhe von 24% festigen und hat bedeutende strategische Partnerschaften mit Lieferanten und Händlern aufgebaut.“

In der Tat fädelte Müller wichtige Kooperationen wie zum Beispiel mit Swiss Snowsports oder auch mit Rent a Bike ein und konnte die Anzahl der Händler im Intersport-Verbund auf 241 Franchise- und Einkaufspartner erhöhen. Diese sind mit 353 Verkaufsstellen präsent. Zaubern allerdings, etwa Schnee, konnte Müller jedoch auch nicht. Auch der starke Franken (im Vergleich zum Euro) und die damit verbundene Kundenflucht der Schweizer ins Ausland war ihm nicht ins Zeugnis zu schreiben. So sank der Umsatz der Intersport Schweiz in den Jahren 2010 bis 2013 von etwa 270 Mio. CHF (223 Mio. EUR) auf knapp über 200 Mio. CHF (165 Mio. EUR). Trotzdem schafften es Müller und sein Team, die Verluste aus dem Geschäftsjahr 2011/12 in Höhe von 3 Mio. CHF (2,47 Mio. EUR) aufzufangen. So lag das Konzernergebnis zuletzt wieder mit etwa 1 Mio. CHF (0,83 Mio. EUR) im Plus.

Händlerkrise: erst Universal, jetzt Vaucher

Dazu gehörte auch die Abwicklung der spektakulären Pleite von Universal Sport im vergangenen Jahr. Nach einer finanziellen Schieflage des Filialisten mit acht Geschäften war nicht mehr klar, wie der Händler über den Winter kommen sollte. Auch die Verbandsmutter konnte nichts mehr auffangen, obwohl „wir alles versucht haben“, wie Müller immer wieder betonte.

Neu-CEO Bundeli droht übrigens schon ein ähnliches Szenario. Aktuell kämpft Intersport-Gründungsmitglied Vaucher Sport aus Bern ebenfalls ums Überleben. Die Chefin des traditionsreichen Sportartikelhändlers, Annamarie Vaucher, kündigte bereits an, drei von vier Geschäften schließen zu wollen, voraussichtlich 41 von fast 100 Mitarbeitern müssten dann gehen. Darunter fällt auch das Aus für die bekannteste Filiale an der Marktgasse in Bern. npk

Autor: Bernd Gutewort

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