Freitag | 04. November 2011  |  13:05 Uhr

Konsens bei der FIS-Materialreform

Wien. Die Materialreform der FIS wurde nach einer Intervention der Ski-Industrie nun entschärft. Der Radius der Riesentorlauf-Ski für Herren wird nun 35 m betragen und nicht wie ursprünglich angekündigt 40 m. Aktuell liegt der Radius bei 27 m.

Die am 18. Juli veröffentlichte FIS-Materialreform sollte die Antwort auf eine Reihe von schweren Verletzungen in den vergangenen Jahren sein. Tatsächlich löste sie sowohl bei Herstellern als auch bei Sportlern großen Widerspruch aus. Beide Seiten klagten, vom FIS nicht ausreichend informiert und übergangen worden zu sein. In einer Forderung der „Ski Racing Supplier Association” SRS (SFH Ausgabe 18/2011, S. 18), warnte man davor, „neben der ­Sicherheit nicht die Attraktivität des Sports zu vergessen”. Zwar wurde dem Forderungskatalog der Skihersteller letztendlich nur in einem Punkt stattgegeben, aber wie Michael Schineis, GF der ­Atomic Austria und Präsident der SRS anmerkt, sei dies der entscheidende Punkt gewesen: „Es ging in erster ­Linie um die Änderung des Riesentorlauf-Ski (RTL-Ski). Wir wollten uns nicht so sehr vom Publikums-Carver entfernen. Der hat einen Radius von acht bis 20 Metern. 40 Meter für den Weltcup-RTL-Ski für Herren, das wäre zu weit gegangen. Aber bei dem ­Radius von 35 m sieht man den Unterschied im ­Fernsehen nicht mehr.“ Trotz anhaltender Proteste von Seiten der Athleten, ist, erklärt Schineis, für die Ski-Industrie „die Entscheidung faktisch gefallen”. Diese arbeite schon an Modellen für den neuen RTL-Ski.

Erst der Anfang

Die Breite des RTL-Ski (für Herren) wird vor der ­Bindung um 4 mm auf 95 mm reduziert. Die Länge wird von aktuell 185 auf 195 cm aufgestockt. Der neue, längere, schmalere und weniger taillierte RTL-Ski soll die Zahl der Knieverletzungen senken. Zuletzt ­trugen 25% der Athleten mindestens einmal im Jahr ­eine Knieverletzung davon. Die Reform tritt zu Ende der aktuellen Rennsaison im März 2012 in Kraft.

Wie Schineis erklärt, soll das aber erst der Anfang einer Reihe von Sicherheitsreformen sein. So denke die FIS auch über eine Entschärfung der Fliehkräfte beim Abfahrtsski nach. Eine Reduktion der Standhöhe ab der Rennsaison 2012/13 sei aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Auch wenn diese mit weitreichenden technischen Veränderungen verbunden sei. Bei Helmen wurde bereits für die laufende Rennsaison ein erhöhter Sicherheitsstandard durchgesetzt. Gleichzeitig verweist Schineis auf die Tatsache, dass die Verletzungsrate auch mit anderen Faktoren zusammenhänge, wie etwa der Pistenpräparierung und der Kurssetzung.

Mitspracherecht für Sportler

Die Entschärfung der Risikofaktoren Pistenpräparierung und Kurssetzung wird auch explizit in der eingangs genannten Sportlerpetition gefordert, die von 200 Sportlern aus 16 Nationen unterzeichnet wurde. Ihr Sprecher, der Vorarlberger Ex-Skirennläufer Kilian Albrecht, fordert auf der Website skiers.pro zudem eine Reform der Rennanzüge. In seltener Einigkeit geht es den Sportlern jedoch primär um ein generelles Mitspracherecht in ­Sicherheitsfragen. Zunächst wollen sie die Untersuchungsergebnisse vorgestellt bekommen, die zur aktuellen Materialreform geführt haben und sich dazu auch äußern dürfen.

Zumindest über eine Bekleidungsreform denkt man offenbar auch schon im ÖSV laut nach. Toni Giger, Leiter der 2010 neu im ÖSV geschaffenen Abteilung für Entwicklung, Forschung und Innovation, äußerte unlängst im österreichischen Fernsehen die Idee, Anzüge im Stil der Ski-Crosser einzusetzen und damit eine Temporeduktion von 10 km/h zu erreichen. Hans Knaus, ehemaliger Rennfahrer, merkt in diesem Zusammenhang an, dass der „aktuelle“ Standard bereits seit 30 Jahren gültig ist. Das entscheidende Kriterium: 30 Liter Luftdurchlässigkeit pro Sekunde. su

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Autor: Hildegard Suntinger

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 24 / 2011