Freitag | 11. Mai 2012  |  07:50 Uhr

Klaus Lenhart stirbt bei tragischem Flugzeug-Absturz

Kirchheim/Teck. Gemeinsame Wanderungen mit Klaus Lenhart hatten stets ihren besonderen Reiz.

Der Geschäftsführer und Inhaber von ­Leki hielt gerne entgegenkommende Wanderer mit Produkten aus seinem Hause auf, um ­deren falsch eingestellten Teleskop-Stöcke neu zu justieren. Manchmal sprach er auch Passanten an, um zu erfahren, wann sie denn ihren Leki-Stock gekauft hätten und ob sie damit zufrieden wären. Es konnte dem unwissenden Wanderer dann gerne auch passieren, dass er berichtigt wurde, wenn er sich im Jahr des Kaufs vertan hatte, denn Lenhart wusste immer genau, wann ein Produkt seine Fa­brik verließ. Qualität der Produkte und Zufriedenheit der Kunden waren immer das Herzensanliegen von Klaus Lenhart. Diese sehr persönliche Form der Leidenschaft für die Produkte, für die er mit seinem Namen einstand, gibt es seit Montag vergangener Woche nicht mehr. Lenhart verunglückte am 30. April tödlich.

Die Vision vom Stock und der Traum vom Fliegen

Der Leki-Macher, der die schwäbische Firma von seinem Vater Karl und seinem Bruder Rainer übernommen

hatte, dachte in anderen Kategorien als nur der, den bestmöglichen Stock für Ski, Trekking oder Nordic Walking zu bauen. Er dachte weiter und glaubte an eine Einheit von Hand, Schlaufe und Stock. Für die Verbindung dieser Elemente entwickelte er das revolutionäre Trigger-System, das erlaubt, die Schlaufe an der Hand zu lassen und den Stock zu lösen. Zeitweise investierte Lenhart in die Handschuh-Firma Reusch als Minderheits-Gesellschafter, bevor er sich entschloss, eine eigene erfolgreiche Handschuh-Linie mit der Marke Leki an den Start zu bringen.

Zielstrebig baute Lenhart das Unternehmen – beheimatet in Kirchheim unter Teck am Fuße der Schwäbischen Alb – in seinen vielen Jahren als Geschäftsführer zum Weltmarkt-Führer auf. Er verlegte schon vor rund zwölf Jahren die eigene Produktion ins tschechische Tachov, während das Hauptquartier in Kirchheim verblieben ist. Das Werk in Böhmen produziert jährlich – abhängig vom Verlauf der Wintersaison – rund 1 Million Paar Stöcke.

Lenhart hatte noch eine andere Leidenschaft: das Fliegen, das ihm am Ende zum Verhängnis wurde. Wie es heißt, war er nicht selbst am Steuer seines Flugzeuges, sondern wies einen 24-Jährigen ein. Nach Zeitungsberichten sagten Augenzeugen, dass das Flugzeug bereits nach dem Start in Kirchheim Motorprobleme hatte und kurz darauf in einen Wald stürzte, wo das Flugzeug ausbrannte. Demnach konnte sich der junge Pilot retten und kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus, während Lenhart in seinem Flieger verblieb.

Klaus Lenhart starb am 30. April, nur einen Tag vor seinem 57. Geburtstag. Er hinterlässt seine Ehefrau Waltraud, seine zwei erwachsenen Kinder, rund 250 Mitarbeiter sowie ein unternehmerisches Erbe, dem Respekt und Anerkennung in der gesamten Sportbranche gebührt. mh

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Leki-Chef Klaus Lenhart war nicht irgendein Flieger. Seine Leidenschaft führte ihn bis zum Titel der deutschen Meisterschaft im Motor-Kunstflug.

Autor: Selma Özakin

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 09 / 2012