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Intersport-Genossen wagen den Sprung ins Netz

  • Freitag | 30. März 2012  |  07:57 Uhr
Heilbronn. Die Vollversammlung der Intersport Deutschland eG am 19. März brachte eine mehrheitliche Entscheidung, das Projekt eines gemeinsamen Internet-Handels voranzutreiben.

Mehr als 80% der anwesenden Mitglieder stimmten diesem Vorschlag zu. Insgesamt sieht der Plan vor, eine Multi-Channel-Strategie aufzulegen, die stationären Einzelhandel ebenso umfasst wie Internet-Handel, das Katalog-Geschäft sowie mobiles Shopping via Smartphones.

Die rot-blauen Truppen sind bei diesem Vorstoß, der im Frühjahr 2013 ans Netz gehen soll, von verschiedenen Motivationen angetrieben: Zum einen geht es darum, die weltweit agierende Marke Intersport auch im Internet zu stärken. Zum anderen soll bei dem künftigen Online-Geschäft der lokale Händler in den Vordergrund gestellt werden. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Händler-Gemeinschaft nicht mehr die Augen davor verschließen will, dass Internet-Umsätze über Amazon, Zalando und andere einfach stattfinden – mit oder ohne die Genossen. Verbandsführung und Mitglieder scheinen sich allerdings darüber einig zu sein, dass es bei dem Versand-Angebot keinen Preis-Verhau geben wird, sondern die unverbindlichen Preisempfehlungen als Leitlinie gelten sollen. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass dieses Projekt wohl keine Milliarden scheffeln wird. Im Plan liegen eher Umsätze im zweistelligen Millionen-Bereich.

Der lokale Händler soll profitieren

Zu diesem Zeitpunkt will die Verbandsführung gegenüber der Öffentlichkeit keine Details bezüglich des Online-Auftritts herauslassen, aber klar ist, dass die lokalen Händler in das Konzept eingebunden werden sollen. Das bedeutet konkret, dass der Kunde zwar seinen bevorzugten Händler (zum Beispiel per Postleitzahl) auf der Webseite anklickt, die Ausführung der Bestellung aber auf verschiedene Wege von statten gehen kann.

Demnach soll der Kunde wählen können, ob er die bestellte Ware selbst im stationären Laden abholt oder lieber eine Zustellung per Versand bevorzugt. In diesem Fall springt eine noch zu gründende Gesellschaft ein, die den Versand abwickelt. Dabei ist für den vom Konsumenten gewählten Händler eine Provision von 3 bis 5% vorgesehen. Im Gegenzug ist der Händler, der die Provision einzieht, gegebenenfalls bei der Abwicklung von Retouren und Reklamationen gefordert.

Konzernumsatz von mehr als einer ­Milliarde

Die Generalversammlung stimmte zudem dem vorgelegten Geschäftsbericht für das Jahr 2010/11 (Ende September) zu und entlastete entsprechend Vorstand und Aufsichtsrat. Genaue Zahlen werden außerhalb der Gruppe nicht kommuniziert, aber es ist zu hören, dass der konsolidierte Umsatz der Intersport eG auf über 1 Mrd. EUR gestiegen ist. Unter „konsolidiert“ ist zu verstehen, dass hier nicht die vollständigen Umsätze angeschlossener Unternehmen verbucht sind. Dazu gehören unter anderen die Intersport Systempartner, die Firma Intercontact, die formal als Inhaber der Kette Voswinkel fungiert, sowie Intersport Polen, an der die deutschen Genossen eine Minderheits-Beteiligung halten. Das positive Ergebnis ist auch dem Umstand geschuldet, dass Intersport ihre Bücher zum 30. September schließt, was bedeutet, dass der ausgehende schwache Winter logischerweise nicht verbucht ist.

Auf der Vollversammlung gab es übrigens auch Wahlen, in denen drei Mitglieder des Aufsichtsrats turnusmäßig zur Wahl standen und bestätigt wurden: Marc Michel, Martin Kupfer und Werner Holzmayer. mh

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2012