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Intersport Deutschland übernimmt österreichischen Partner komplett

  • Reinhard Schymura
  • Freitag | 13. September 2013  |  11:14 Uhr
Wels. Am 10. September wurde die Fusion endgültig besiegelt: Rund 50 Jahre nach der Gründung der Intersport Österreich (1964) erfolgte soeben der 100%-ige­ Zusammenschluss mit der Intersport Deutschland (1956 gegründet). Am österreichischen Firmensitz in Wels erläuterten die drei Verbandsvorstände Gabriele Fenninger, Kim Roether und Klaus Jost auf einer Pressekonferenz Hintergründe und das weitere Prozedere für die neue Sporthandels-Allianz.
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Die Intersport-Vorstände Gabriele Fenninger, Kim Roether und Klaus Jost waren sich auf der Pressekonferenz einig über die Zusammenführung der beiden Verbundgruppen.

Von „einem historischen, sehr schönen Moment“ und dem „Aufbruch in eine neue Ära“ sprach Fenninger über den erfolgreichen Abschluss der Beteiligungsgespräche, die Ende März in Sachen partnerschaftlicher Kooperation aufgenommen wurden (SFH Ausgabe 8/2013, S. 1). „Am 30. August haben 100% der Intersport-Partner diesem Zusammenschluss zugestimmt“, erklärte Fenninger. Sie sei „fasziniert und stolz von der Einheit der Händler“, für die sie über zehn Jahre gekämpft habe. Fenninger, seit Mai 2003 im Vorstand der Intersport Österreich, sei überzeugt von der Chance in einem starken Marktumfeld jetzt mit einer Stimme zu sprechen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Händler und den genossenschaftlichen Gedanken zu stärken. Im österreichischen Markt bestand Handlungsbedarf. Nachdem die Sport 2000 mit Gigasport kooperiert (Marktanteil: 28%) kommt Sport Eybl & Sports Experts (künftig: Sports Direct, siehe S. 16) auf einen Marktanteil von 25%. Intersport Österreich hält mit 21% den dritten Platz vor Hervis mit der Go Sport-Gruppe (16%).

In sechs Märkten zusammen 3,3 Mrd. EUR VK-Umsatz

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Der Eingang für eine künftig starke Einheit im Zentrum von Europa.

„Wir arbeiten Hand in Hand, um an einem Strang zu ziehen“, unterstrich Jost und betonte, dass auch die Intersport International Corporation (IIC, Bern) der Fusion auf ihrer Generalversammlung im ­slowenischen Ljubljana am 6. September zugestimmt hat. In kaum wachsenden Märkten – speziell in Europa – gebe es im Osten aber noch Nachholbedarf. Die Bündelung der Kräfte und Kompetenzen in Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn verspreche auch eine Verbesserung des Angebots für die Mitglieder (auch preislich dank größerer Mengenabnahmen) und sichere den mittelständischen Sport-Fachhandel gegenüber den großen Vertikalen (u.a. Décathlon). Der Zusammenschluss bedeutet einen gemeinsamen VK-Umsatz von rund 3,3 Mrd. EUR bei einem Potenzial von über 150 Millionen Kunden in den genannten sechs Märkten. Davon steuert der Heilbronner Verband rund 2,82 Mrd. EUR bei (Stand: 1.9.2013): mit 984 Händlern und 1477 Geschäften in Deutschland und einem Lizenz-Händler in Polen mit 31 Geschäften.

Die Intersport Österreich repräsentiert mit 153 Händlern mit 334 Geschäften ein VK-Volumen von rund 475 Mio. EUR (Stand: 1.9.2013). Im Heimatmarkt beträgt die Anzahl der Händler 115 und 255 Shops. In Tschechien sind 13 Händler mit 36 Läden angeschlossen. In der Slowakei sind es 19 Händler mit 29 Geschäften und in Ungarn 6 Händler mit 14 Verkaufsstellen.

Standort in Wels wird fortgeführt

„Wir haben Respekt vor der Aufgabe und der Herausforderungen sowie der Leistung der Kollegen“, sagte Roether. Ein Mitarbeiter-Abbau in den Zen­tralen Wels (mit rund 310 Beschäftigten) und Heilbronn (rund 340) stehe derzeit nicht im ­Fokus. Beide Standorte würden mit ihren besonderen lokalen Kenntnissen sowie Ansprechpartnern u.a. bei Ski und Fahrrad (Wels) oder Teamsport und Running (Heilbronn) weitergeführt, um die notwendigen ­Synergien auch durch den länderübergreifenden Austausch voll auszuschöpfen. „Die Intersport Austria macht weiter das operative Geschäft“, erklärte Roether. Der Zusammenschluss und der Genossenschafts-Status erforderte jedoch eine andere Rechtsform: Unter dem Dach der Intersport Deutschland eG und deren Intercontact Beteiligungs GmbH wurde die neugegründete Intercontact Austria GmbH gegründet, die 100% der Intersport Austria GmbH übernahm. Die Intersport Österreich e.Gen. wurde aufgelöst. Für die Fusion schoss die Intersport Deutschland „einen niedrigen zweistelligen Millionen-Beitrag ein“, so Roether. Er rechnet, dass alle dafür nötigen Synergie-Schritte (Logistik, Einkauf, IT, Vertrieb, Marketing und Mitgliederbetreuung) auf einem Zeitstrahl bis September 2016 erfolgreich abgeschlossen werden. Fenninger bleibt weiterhin im Amt, betonte Roether, „einen Zeitplan für ein Ausscheiden gibt es nicht“. rs

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Nur noch Nachbarn: „Die Zusammenarbeit mit der EAG endete Ende August, Stammaufträge für Herbst/Winter werden noch abgewickelt, dann ist endgültig Schluss“, sagte Fenninger.

Autor: Reinhard Schymura

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 17 / 2013