Freitag | 23. November 2012  |  12:21 Uhr

Greenpeace bohrt erneut in Branchenwunden

Hamburg. Die Umwelt-Organisation Greenpeace reizt einmal mehr die Outdoor-Hersteller mit Hausaufgaben, die von der Branche noch zu erledigen sind, um wirklich ökologisch einwandfreie Produkte am Markt zu haben.

Die jüngste Denksport-Aufgabe: perfluorierte und polyfluorierte Chemikalien (PFC), die bei der Herstellung von Outdoor-Produkten zur Verwendung kommen. Eine wichtige PFC ist etwa die Perfluoroktansäure (PFOA), die sich im Trinkwasser und damit auch in der Nahrung ansammelt und sich toxisch bzw. krebserregend auf den menschlichen Körper auswirken kann.

Greenpeace-Untersuchungen in Kooperation mit zwei unabhängigen Labors haben nun auffällige Konzentrationen von PFOA in verschiedenen Produkten festgestellt, darunter von The North Face, Patagonia, Jack Wolfskin, der Globetrotter-Eigenmarke Kaikkialla, Vaude und Marmot. Nach Angaben der Organisation wurden PFC in allen 14 getesteten Damen- und Kindermodellen gefunden, vor allen Dingen in Beschichtungen oder Membranen wie etwa aus dem Hause Gore-Tex. Für Greenpeace lautet die Schlussfolgerung: Textilhersteller müssen bei ihrer Öko-Bilanz kräftig nachbessern, um ihrem Nachhaltigkeits-Etikett gerecht zu werden.

Die Reaktionen aus der Branche auf die jüngste Greenpeace-Kampagne sind durchaus gespalten: Die wichtigste Stellungnahme zu der Untersuchung kommt vermutlich aus dem Hause Öko-Tex und transportiert eine zentrale Botschaft, die den Handel interessieren dürfte. Greenpeace hebt nicht klipp und klar hervor, dass eine Gesundheitsschädigung durch PFC gar nicht durch die ordnungsgemäße Verwendung der Outdoor-Produkte an sich entsteht, sondern durch die Herstellung und Entsorgung derselben. Außerdem hätten die Greenpeace-Labore Chemikalien wie Methanol zum Test verwendet, die dafür beschaffen sind, die PFC aus den Textilien zu lösen, was Öko-Tex nicht als praxisnah ansieht.

Die Hersteller selbst, darunter beispielsweise Vaude und Patagonia, kommunizieren mit Nachdruck, dass PFC-freie Produkte wünschenswert sind, aber derzeit noch nicht vollständig realisierbar sind (SFH Ausgabe 19.20/2012, S. 10). Jede Reduktion auf ein Minimum wird daher als Zwischenschritt empfunden, der zum eigentlichen Ziel, der gänzlichen Eliminierung von PFC bei der Textilherstellung, führen soll. Jack Wolfskin hat bereits vor Wochen den mittelfristigen Ausstieg aus der Verwendung von PFOA angekündigt. mh

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 21-22 / 2012