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Erst die Schweiz, dann der Rest der Welt

  • Markus Huber
  • Montag | 16. Januar 2012  |  12:26 Uhr
Wels/Malans. Wo Österreich ist, ist vorne. Nach dem Ausscheiden von Eybl aus dem Intersport-Verbund trat die Kette bei der Vermarktung von eigenen Marken wie Seven Summits für das Outdoor-Sortiment kräftig aufs Gas.

Nun soll die Eigenmarke ­exportiert werden – zunächst in die Schweiz. Deutschland und Italien sollen folgen.

Für die Expansion ins Ausland hat sich Eybl zunächst die Schweiz ausgesucht. Mit der Wintersaison 2012/13 wollen die Österreicher Seven Summits beim westlichen Nachbarn vermarkten. Den Vertrieb in der Eidgenossenschaft übernimmt ein alter Bekannter: Mit seiner neu gegründeten Firma PurBenefit will Rico Dürst, der mehr als 20 Jahre Branchen-Erfahrung mitbringt, das Eybl-Label in der Schweiz an den Start bringen.

Und Rico Dürst ist wahrlich ein Urgestein der schweizerischen Sportbranche: Er diente zunächst Burton als Geschäftsführer im Lande und betrieb später die Import-Firma New Sunsport Goods, die verschiedene Marken, u.a. New Balance, in den Schweizer Handel brachte. Parallel baute er seine eigene Outdoor-Bekleidungsmarke, Storm, auf, die allerdings scheiterte. Davon unbeeindruckt rief Dürst 2006 ein neues Outdoor-Label ins Leben: ­Out­lyne. Dürst stand der neuen Unternehmung seit Gründung bis zum April 2011 vor, als er die Leitung an Mona Meier abgab.

Die Ambitionen von Eybl bezüglich der eigenen Outdoor-Marke sind durchaus bemerkenswert: 2007 an den Start gebracht, erwirtschaftet ­Seven Summits bereits einen Umsatz von 16 Mio. EUR und ist damit nach Angaben von Eybl-Chef Peter Wahle die „erfolgreichste und beliebteste Marke in unseren Sportgeschäften“. Seven Summit wird in der Schweiz über Dürsts Firma PurBenefit gesteuert, die erst im letzten Dezember gegründet wurde. Neben den Österreichern hat PurBenefit auch Amerikaner im Gepäck: Für die Freeski-Marke Icelantic baut das junge Unternehmen derzeit ein Europa-Büro auf.

„Neues Zeitalter der ­Distribution“

Den Dienst an Seven Summit sieht Dürst weniger als reinen Agentur-Job, da es um weit mehr gehe als um Verkauf und Provisionen. Vielmehr agiert PurBenefit als Sub-Unternehmer von Intersport Eybl, der sich neben dem Verkauf auch um Marketing und strategische Aspekte kümmert. Dürst sieht seine neue Firma als Schritt in „ein neues Zeitalter der Distribution“, dabei gehe es darum, Marken zu begleiten und aufzubauen. Als ein Instrument des Markenaufbaus stehen Shop-in-Shops und Softshop-Module, die bereits für den österreichischen Markt voll entwickelt worden sind.

Mittelfristig ist in Planung, 60 bis 100 Shops in der Schweiz mit Seven Summits zu beliefern. Politische Probleme – insbesondere mit verbandsgebundenen Händlern, denen die Eigenmarken der Verbände zur Verfügung stehen – befürchtet der Anbieter allerdings nicht: „Seven Summits ist eine freie Marke, und unser Angebot wird den Handel überzeugen.“ Auf die Frage, ob es nicht der falsche Zeitpunkt sei, angesichts des teuren Franken in der Schweiz zu starten, reagiert Dürst gelassen: „In den 22 Jahren, die ich in der Branche arbeite, gab es noch nie den richtigen Zeitpunkt.“ Bei dem Sprung in die Schweiz will Eybl allerdings nicht stehen bleiben. Ganz oben auf dem Zettel stehen auch Deutschland und Norditalien, wobei – so eine Unternehmenssprecherin – nichts spruchreif oder gar in trockenen Tüchern sei. Der Plan, auch diese Länder zu erreichen, steht aber. Das Vorgehen von Eybl hat eine recht pikante Note: Im Lauf von 2007 und 2008 schied die Sport Eybl & Sports Experts AG (EAG) aus dem österreichischen Intersport-Verbund als ordentliches Mitglied und Einkaufspartner aus. Eybl steht in Österreich für Qualitätsgeschäfte, während Sports Experts das preisorientierte Segment vertritt. Im Gegenzug zum formellen Ausstieg aus der Intersport sicherte sich Eybl allerdings den Lizenznamen „Intersport Eybl“, ein Deal, der keinen gemeinsamen Einkauf vorsieht, aber dem Händler einen Markennamen sichert und der Verbundgruppe eine starke Sichtbarkeit der rot-blauen Marke in der Alpenrepublik. Abzuwarten bleibt allerdings, inwieweit Seven Summits im Handel Fuß fassen kann, wenn der Fachhandel überwiegend in Einkaufsgruppen organisiert ist wie beispielsweise in der Schweiz. Die dortige Intersport, aber auch Fair Play und die Sport 2000 werden es wohl kaum schätzen, wenn die angeschlossenen Händler auf importierte Exklusivmarken eher zurückgreifen als auf die von den jeweiligen Verbandszentralen angebotenen. mh

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01-02 / 2012