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EOG legt erste aussagekräftige Outdoor-Studie vor

  • Markus Huber
  • Montag | 16. Januar 2012  |  12:27 Uhr
Zug. Die European Outdoor Group hat es geschafft: Erstmalig präsentiert die europäische Vereinigung der Outdoor-Industrie eine Marktstudie, die nach eigenen Angaben die bislang aussagefähigste ist, die es je gegeben hat.

Das Werk beschreibt Deutschland als mit Abstand größten Outdoor-Markt auf dem Kontinent.

Der Presse wurden nur wenige Auszüge aus dem Werk zugänglich gemacht, da die Studie nur den teilnehmenden Unternehmen vorbehalten ist. Die Untersuchung basiert auf den Angaben von 80 Unternehmen, die bei weitem nicht alle Mitglieder der EOG sind. Die neuesten Zahlen beziehen sich auf 2010. Wichtig war den Initiatoren, dass die Teilnehmer bedeutend genug sind, um eine repräsentative Aussage machen zu können. Mark Held, Generalsekretär der EOG betont, „dass es sich nicht um Extrapolationen von Verbraucher- und anderen Gruppen“ handele, sondern ausschließlich um Informationen aus der Branche selbst. Die Datenbasis sei „statistisch ausreichend für uns, so dass wir unsere Schlussfolgerungen mit einem hohen Grad von Zuverlässigkeit, was die Exaktheit der Zahlen anbelangt, treffen konnten.“

Deutschland und Großbritannien vorne

Was wir von der Untersuchung zu sehen bekamen, ist vielleicht nicht überraschend in den großen Überschriften wie beispielsweise die, dass Deutschland der größte Markt Europas ist. Interessanter sind hingegen die Aussagen, die über kleinere Märkte wie zum Beispiel in Osteuropa getroffen werden, die bisher nur in Ansätzen quantifiziert wurden. Mit einem Anteil von 23% deckt Deutschland fast ein Viertel des europäischen Outdoor-Geschäfts ab, gefolgt von den britischen Inseln (inklusive der Republik Irland) mit 15%. Dicht dahinter steht Frankreich mit 14%. Bereits mit großem Abstand folgen Italien und die Schweiz (je 6%) und Österreich (5%). Auf jeweils 4% kommen die Benelux-Länder, Spanien, Norwegen, Schweden und Russland, gefolgt von Finnland (3%), der Tschechischen Republik, Dänemark und Polen mit jeweils 2%.

Diese Zahlen machen allerdings nur Sinn, wenn sie in Beziehung zur Bevölkerung der jeweiligen Länder in Beziehung gesetzt werden. Auf den ersten Blick scheint das Gewicht des deutschen Marktes verblüffend. Dabei ist die Dominanz wenig dramatisch, wenn man eine Population von 80 + X Millionen Menschen berücksichtigt. Österreichs 5%-Anteil ist dann doch wieder bärenstark, wenn man bedenkt, dass der nördliche Nachbar etwa zehnmal größer ist. Die Schweiz ist kleiner als Österreich, hat aber dennoch einen größeren Marktanteil – was teilweise auf ein anderes Preisgefüge schließen lässt. Slowenien schafft es auf einen Anteil von 1%. Das ist gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass dieses Volumen von nur 2 Millionen potentiellen oder tatsächlichen Verbrauchern gestemmt wird.

Schuhe ein Viertel, Bekleidung die Hälfte

Nicht neu ist die Erkenntnis der Studie, dass die Bekleidung 50% des Outdoor-Marktes ausmacht. Entscheidender sind die Ergebnisse über die

kleineren Warengruppen: Schuhe steuern 25% zum Geschäft mit Outdoor-Artikeln bei. Mit deutlichem Abstand folgen die Rucksäcke, die es auf 6%

bringen. Zelte erreichen immerhin noch einen Anteil von 4%. Daran schließen sich Kletterartikel mit 3% und Schlafsäcke mit 2% an. Damit bleibt für die große Zahl von Accessoires und anderer Produkte ein Anteil von 10%. Nach eigenen Angaben hat die European Outdoor Group auch eine absolute Zahl für den Gesamtmarkt errechnet, will diese aber den Teilnehmern der Studie exklusiv zur Verfügung stellen. Noch vor Fertigstellung der Untersuchung nannte die EOG im letzten Juli eine Zahl von knapp 9,7 Mrd. EUR zu Einzelhandelspreisen nach Mehrwertsteuer. Von der EOG ist allerdings zu hören, dass sich diese Angabe von den Ergebnissen der aktuellen Studie durchaus unterscheidet.

Auch wenn die Branche nun um eine aussagekräftige Studie bereichert worden ist, steht eine solche Forschungsarbeit vor gewissen Unwägbarkeiten. Dazu gehört die Teilnehmer-Struktur von führenden Marken, die den Outdoor-Markt im engeren Sinne abdecken. Nicht vertreten sind allerdings andere große Marktteilnehmer wie beispielsweise C&A, H&M, Marks & Spencer oder Zara, die selbstverständlich auch Outdoor- bzw. Outdoor-inspirierte Bekleidungsteile führen. Das ist Definitionssache und führt dazu, dass andere Untersuchungen zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Beispielsweise NPD (das ist keine zwielichtige Partei, sondern ein seriöses Marktforschungs-Unternehmen) rechnet einen europäischen Outdoor-Markt vor, der es auf imposante 15,2 Mrd. EUR bringt (bei einem Plus von 3% gegenüber 2009). Das bedeutet, dass der NPD-Markt um mehr als 50% größer ist als der EOG-Markt. Dies hängt sicherlich mit der breiteren Definition von Outdoor und der damit verbundenen Vertriebskanäle zusammen. Zudem untersucht NPD 36 europäische Länder, während die EOG sich auf 19 Länder beschränkt. Die unterschiedliche Zahl der untersuchten Märkte ist dabei kein schwerwiegender Faktor, da die von der EOG nicht berücksichtigten Länder sehr klein sind. mh

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01-02 / 2012