Donnerstag | 05. Mai 2011  |  10:21 Uhr

Die Tatze wird fürs erste nicht verkauft

Idstein. Quadriga Capital und Barclays Private Equity, Mehrheitseigentümer der Marke Jack Wolfskin, haben nach Meldung der Nachrichtenagentur Reuters die Verhandlungen über den Verkauf der „Tatze“ mit verschiedenen Interessenten gestoppt.

Ursprünglich war der Verkauf für Ende April geplant, und die Liste der Interessenten, die gerne durch die Zeitung Financial Times Deutschland ventiliert wurden, geriet in letzter Zeit lang und länger. Wie es heißt, boten die potenziellen Käufer zu wenig Geld. Man hört und liest, dass Kaufangebote von über 600 Mio. EUR bei den Investment-firmen eingegangen sein sollen, die sich aber eher einen Preis von mehr als 800 Mio. EUR vorgestellt hätten.

Gemessen an dem zuletzt gemeldeten Jahresumsatz von 304 Mio. EUR wäre dies in der Tat ein stolzer Preis, zumal es unterschiedliche Spekulationen über den operativen Gewinn des Unternehmens gibt: Financial Times Deutschland will gehört haben, dass der Profit zuletzt bei etwa 80 Mio. EUR gelegen haben soll. Das klingt nach ziemlich viel, wenn man berücksichtigt, dass Jack Wolfskin nicht nur heftig in den zügigen Ausbau seines Franchise-Systems investiert, sondern auch in ambitionierte Sponsoring-Aktivitäten und die dynamische Expansion in ausländische Märkte. Zur Begründung für den Schritt, den Verkauf des Unternehmens auszusetzen, lassen die Investmentfirmen wissen, die Tatze sollte die Gelegenheit bekommen, „die Nachhaltigkeit der dynamischen Entwicklung zu belegen und insbesondere die bestehenden Wachstumspotenziale auf den Auslandsmärkten intensiv zu nutzen“.

Kein Verkaufsdruck dank blendender Geschäfte

Das bedeutet im Klartext: Solange die Geschäfte erfreulich laufen, gibt es keinen Druck, sich von dem Investitionsobjekt zu trennen. Wie es heißt, soll das Vororder-Volumen aus dem Handel im Februar um circa 47% über den Vorjahres-Zahlen gelegen haben. In jedem Fall dürften Barclays und Quadriga schon jetzt ihr Geschäft gemacht haben: Vor sechs Jahren erwarben sie die Mehrheit für gerade mal 93 Mio. EUR – bei einem Umsatz von 80 Mio. EUR. In den letzten Wochen und Monaten wurde eine lange Reihe von tatsächlichen und angeblichen Interessenten an Jack Wolfskin durch die Medien getrieben, darunter Puma, Adidas, VF Corporation (The North Face), die Otto-Gruppe sowie Günter Herz, einer der Erben von Tchibo und zwischenzeitlicher Großaktionär bei Puma. mh

Autor: Markus Huber

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2011