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Die Schweiz schwächelt unter starkem Franken

  • Markus Huber
  • Freitag | 09. September 2011  |  07:11 Uhr
München. Die Stärke des Schweizer Franken gegenüber dem Euro und anderen wichtigen Währungen bringt die Sportartikel-Branche in der Eidgenossenschaft in helle Aufregung – insbesondere in grenznahen Gebieten, da die Schweiz gewissermaßen vom Euro umzingelt ist.

Die Importeure in dem kleinen, attraktiven Nicht-Euro-Land leiten Preissenkungen ein, um die Endkunden von der Abwanderung abzuhalten.

Einer der letzten Aufrufe von Schweizer Anbietern kam unlängst vom Kjus-Vermarkter LK International, nachdem schon im Juli der Einkaufsverbund Fair Play in die Debatte eingegriffen und versucht hatte, die Verhandlungen zwischen Groß- und Einzelhandel auf eine faire Basis bei einem arrangierten Wechselkurs zu stellen. Kjus stellt sich der Herausforderung des starken Franken und schlägt für die anbrechende Herbst-/Wintersaison 2011/12 neue Verkaufspreise vor, die etwa 15 bis 20% unter der zu veranschlagten Summe lägen. Der Bekleider tut dies, obwohl seine Exportquote ohnehin bei 80% anzusiedeln ist. Das Ziel der Aktion besteht darin, die Schweizer Händler weiterhin im Wettbewerb zu halten, nachdem das Shopping der Eidgenossen in umliegenden Ländern extrem attraktiv geworden ist. Gleichzeitig nennt Kjus das Projekt „vorbehaltlich“: Es könne bei einer Normalisierung der Wechselkurse oder bei einem Anziehen der Herstellungskosten wieder ausgesetzt werden.

LK International weist darauf hin, dass die Senkung der empfohlenen Verkaufspreise auf die eigene Marge des Unternehmens gehe und eine Verpflichtung gegenüber den Schweizer Händlern sei, die das Premium-Label bislang erfolgreich verkauft haben.

Die Option auf das kleinere Übel

Das Fachmagazin Schweizer Sport & Mode stellt die Branche vor die unbequeme Wahl zwischen Kundenflucht und Margenverzicht – und rät zu ­letzterem: „Das Ziel ist, die Preisdifferenz zum Ausland bereits in der anstehenden Wintersaison auf ein normales Niveau zu bringen. Normal bedeutet etwa 15% höhere ­Lis­tenpreise (ohne MwSt). Eine solche Preisdifferenz lässt sich gegenüber den Konsumenten mit den höheren Kosten bzw. dem umfangreicheren Leistungsangebot in der Schweiz sowie mit der kaufkraftorientierten Preispolitik der Hersteller erklären und wird von den Konsumenten auch akzeptiert.“

Schweizer Sport & Mode präsentiert folgerichtig einen Aufgalopp von ­Marken, die für die anstehende ­Wintersaison ihre Preise signifikant senken werden, darunter K2 mit einer Senkung des EK um 15% mit der Empfehlung an den Handel, diesen Rabatt in etwa an den Konsumenten weiter­zugeben. Sollte der Schweizer Franken dem Euro weiterhin davonlaufen (jenseits des Kurses 1 EUR = 1,25 CHF), behält sich K2 eine Neuorientierung vor. Laut der Publikation denken andere Unternehmen in die gleiche ­Richtung, darunter Löffler und Columbia. mh

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 20 / 2011