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Die Lage in Ostasiens Fabriken spitzt sich zu

  • Bernd Gutewort
  • Montag | 10. Juni 2013  |  09:35 Uhr
München. Die einstürzenden Fabriken in Bangladesch und Kambodscha sind nicht allein Schauplätze menschlicher Tragödien, sondern inzwischen auch der Zündstoff für flächendeckende soziale Unruhen in Südostasien, einem der Zentren der Herstellung von Sportartikeln.

Auf die Marken als Kunden der betroffenen Produzenten kommt die Aufgabe zu, ihren Anteil an der Verantwortung für die dortige Situation zu definieren und zu tragen. In den letzten Wochen überschlugen sich in Südostasien die Ereignisse: Zunächst die große Katastrophe mit über 1000 Toten in Bangladesch, bei der unseres Wissens Sportartikel-Marken nicht tangiert waren, gefolgt von dem partiellen Einsturz einer Fertigung in Kambodscha, in der unter anderem auch Schuhe der Marke Asics vom Band laufen und in der zwei Arbeiter den Tod fanden. Kurz darauf, abermals in Kambodscha, kam es nur wenige Tage später zu einem vergleichbaren Zwischenfall in einer Fertigung des Unternehmens Sabrina (Cambodia) Garment Manufacturing, in dem Bekleidung für Nike hergestellt wird. Der Unmut unter den örtlichen Arbeitern hat nun einen kritischen Punkt erreicht. Dabei geht es allerdings nicht nur um die Sicherheit am Arbeitsplatz, sondern auch um die Frage nach der angemessenen Bezahlung. Auf den Unfall beim Nike-Produzenten folgten laut Zeitungsberichten Demonstrationen vor den Toren der Fabrik, die zur Intervention von Polizeikräften führten. Dabei sollen 23 der geschätzten 3000 demonstrierenden Arbeiter verletzt worden sein. Gegenstand der Auseinandersetzungen war die Forderung nach mehr Geld: 14 USD monatlich für Sozialfürsorge, Transport und Miete zusätzlich zum Mindestlohn von 74 USD sollen die Arbeiter verlangt haben. Der taiwanische Hersteller, der im Auftrag von Asics produziert, soll bereits reagiert haben und den Hinterbliebenen der Getöteten eine Zahlung von 5000 USD zugesagt haben; die Verletzten sollen jeweils 1000 USD erhalten. Die Marken reagieren auf die Krise In einer offiziellen Stellungnahme von Seiten Nikes bringt das Unternehmen seine „tiefe Besorgnis“ zum Ausdruck und bekräftigt, die Versammlungsfreiheit von Arbeitern zu respektieren. Die Marke arbeite mit Better Factories Cambodia, einer Initiative der Welt-Arbeitsorganisation (ILO), zusammen. Nike unterstreicht, dass die Bezahlung in einer externen Lohnfertigung in der Verantwortung des produzierenden Unternehmens liege. Dort werde aber seit 1. Mai überdurchschnittlich bezahlt und die Arbeitsverhältnisse würden von Nike überwacht. Gleichwohl wird abzuwarten bleiben, ob diese Maßnahmen ausreichen, um einen sozialen Flächenbrand in einem Land zu stoppen, in dem Streiks inzwischen zur Normalität geworden sind. Laut Internationalem Währungsfond stehen Textilien inzwischen für mehr als drei Viertel aller Exporte des Landes.

Autor: Bernd Gutewort

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 12 / 2013