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Die Grenzen der Gemeinsamkeiten

  • Bernd Gutewort
  • Montag | 25. Februar 2013  |  10:47 Uhr
Als vor bald 15 Jahren die Euro Family aus der Taufe gehoben wurde, war das Zähneklappern bei tangierten Marktteilnehmern groß. Seinerzeit befanden sich die großen Einkaufsverbände, Intersport und Sport 2000, in der finalen Phase, den Kuchen endgültig unter sich aufzuteilen, und die verbliebenen „freien“ Händler zu absorbieren und ihre Eigenmarken an die neuen wie die alten Mitglieder zu verkaufen, um einer sicheren Einnahmequelle habhaft zu werden. Im Sinne der angeschlossenen Händler, versteht sich.

Zum Entsetzen der Verbands-Strategen standen einige von Europas Vorzeige-Händlern auf, um ihr eigenes Ding durchzuziehen. Die Idee von Blackbear war geboren, und die beteiligten Händler krempelten die Ärmel hoch, um ihr Baby, den schwarzen Bären, nach eigenen Vorstellungen hochzupäppeln. Exklusivmarken der Verbände? Nein danke, brauchen wir nicht. Machen wir selber. Ein Schlag ins Gesicht von Intersport und Sport 2000 war nicht allein die Tatsache, dass einige der feinsten Outdoor-Häuser Europas, die sich stur jeder Verbands-Zugehörigkeit enthielten, zu den Drahtziehern dieser Initiative gehörten: Die Transa aus der Schweiz war mit dabei, der Hamburger Filialist Globetrotter sowieso und seinerzeit auch Bever, der dicke Fisch im niederländischen Outdoor-Aquarium. Schlimmer noch: Große Häuser aus den eigenen Reihen zeigten nur wenig Berührungsängste und machten bei der Euro Family mit: Engelhorn, Förg, Breuninger in Deutschland und der italienische Sportler brachten den schwarzen Bären zum Tanzen. Nicht die „jungen Wilden“ waren los, sondern eher die „durchgeknallten Etablierten“. Dass diese einzigartige Konstruktion in der ursprünglich angedachten Art und Weise dann doch nicht funktionieren konnte, mag auf den ersten Blick überraschen – auch wenn von Beginn an klar war, dass einige der Mitglieder der europäischen Familie hartgesottene Individualisten waren: Bever aus den Niederlanden verabschiedete sich bereits vor drei Jahren, was im Rückblick als erstes Anzeichen gelten mag, dass die Gruppe in ihren Zielsetzungen zu heterogen war, um lange Bestand haben zu können. Zwar überstand der lose Verbund den Wechsel von Blackbear zu den Nachfolge-Marken Meru und Kaikialla, aber die heterogene Struktur der Kooperation trat allmählich offen zutage.

Der Versuch, Vollsortimenter und große Outdoor-Häuser unter einen Hut zu bringen, war schon mit dem Rückzug Bevers in Frage gestellt. Denn der ließ Globetrotter (mit der Transa) als einzigen großen Einkäufer der Outdoor-Marken zurück, während sich die übrigen Mitglieder des Clubs eifrig dem Einkauf anderer Sportartikel als lediglich Outdoor-Produkte widmeten.

Dass Globetrotter nun aus der Euro Family ausgetreten ist, mag den Verbands-Strategen bei Intersport und Sport2000 in ihrer täglich gelebten Annahme Recht geben, dass es gar nicht so leicht ist, stets alles zusammenhalten zu können, was nicht notwendigerweise zusammengehört.

Autor: Bernd Gutewort

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2013