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Die Dynastie verabschiedet sich aus dem Geschäft

  • Bernd Gutewort
  • Montag | 28. April 2014  |  08:37 Uhr
Familie Eybl verkauft übrige Anteile Sports Direct International
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Vorsicht, Umleitung, und ab hier bitte Linksverkehr beachten: In der letzten Woche machte Eybls Online-Shop dicht. Die Seite leitet zum Web-Angebot der inzwischen 100%-igen britischen Mutter Sports Direct International um.

Wels. Die Gründerfamilie Eybl hat ihre Firmenanteile (49%) an den Mehrheitseigentümer verkauft: Seit 2. April ist die Sport Eybl & Sports Experts AG zu 100% im Besitz der Sports Direct International (SDI). Die österreichisch-britische Zusammenarbeit dauerte gerade mal zehn Monate an. Das gemeinsame Konzept, von dem die Gründerfamilie damals sprach, ist nun endgültig Geschichte.

Haben Marktteilnehmer von Anfang an bezweifelt, dass der preisaggressive Brite das Premiumkonzept Eybl mittragen werde, so scheinen sich diese Zweifel sukzessive zu bestätigen. Die rasche Umstellung der Diskonterschiene Sports Exports auf SDI-Sortiment hat lediglich in ihrer Geschwindigkeit überrascht.

Zu erwarten war auch, dass 13 Eybl-Filialen in Experts-Filialen umgewidmet würden. Für mehr Aufregung sorgte der kommentarlose Abgang von Gründerenkelin Catrin Aschenwald-Eybl, die Anfang März gemeinsam mit 23 weiteren Mitarbeitern das Unternehmen verließ (SFH 07/2014, S.11). Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass auch die verbliebenen 13 Eybl-Stores dem SDI-Konzept unterworfen würden. Am 2. April hat dann SDI von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht und die verbleibenden Anteile (49%) der Familie Eybl erworben. Außerdem wurde am 23. April der Eybl Online-Store geschlossen. Besucher werden in den Sports-Direct-Shop weitergeleitet. Vorab informiert wurden nicht einmal die 12 betroffenen Mitarbeiter.

Restriktive Informationspolitik

Ein Kommentar zu den aktuellen Geschehnissen von Unternehmensseite steht bis dato noch aus. Mike Weccardt, der seit dem Abgang von Catrin Aschenwald-Eybl als alleiniger Geschäftsführer fungiert, befindet sich im Krankenstand und die Pressesprecherin Katharina Brunner kann die aktuellen Geschehnisse lediglich bestätigen.

Mit einem Monat Zeitverzögerung hat sie sich aber unlängst doch noch zum Abgang von Aschenwald-Eybl und den 23 Mitarbeitern geäußert. Zuvor hatten Lieferanten berichtet, dass die Orders für Winter 2014/15 zwar noch geschrieben wurden, die Einkäufer sich aber unmittelbar danach verabschiedeten und von zuvor 12 nur mehr vier Einkäufer in Wels verblieben seien.

Zweifel am Fortbestand der Premiumschiene

Eybl wurden laut. Wie Brunner in ihrer Erklärung betonte, haben die Mitarbeiter das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“ verlassen. Grund für deren Entscheidung seien anstehende „sortimentsspezifische Veränderungen, die nicht von allen mitgetragen werden“. Der Mitarbeiterstand in Verwaltung und Einkauf sei somit auf 250 Personen geschrumpft.

Erstmals gab Brunner auch Details zu den Veränderungen bei Eybl bekannt. Demnach solle das Sortiment einer Feinjustierung unterzogen werden. Zunächst werden die SDI-Eigenmarken Eingang ins Sortiment finden und das Schuhangebot forciert. Der Fokus auf Bike, Outdoor und Wintersport werde hingegen beibehalten.

Die EAG ist mit einem Marktanteil von 25% und 53 Filialen der Formate Sports Experts (40) und Eybl (13) österreichischer Marktführer. Der Jahresumsatz lag per 31.08.2012 bei 323,8 Mio. EUR. Verluste von 20,6 Mio. EUR hatten das Traditionshaus in eine Fusion gezwungen. Drei EAG-Filialen befinden sich in Deutschland: Passau, Regensburg und Erding. su

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Aus der Traum von Spezialistentum und Beratung auf der Großfläche. SDI setzt auf Preispolitik und Selbstbedienung.

Autor: Bernd Gutewort

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 8-9 / 2014