Freitag | 07. Dezember 2012  |  11:30 Uhr

Des Kaisers neuer Webshop

Wer im Netz handeln will, hat Großes vor sich: Eine passende Software will ausgewählt werden, die sich nicht nur hübsch in die eigene Website integrieren lässt, sondern auch ein Rundum-Paket an Funktionen liefert. Und dann sollen sich auch noch die Kunden angesprochen fühlen. Keine leichte Aufgabe.

Heute nähern wir uns der Frage „Eigener Webshop oder lieber eBay?“ - und zwar am Beispiel von Sport-Seppl.at. Stationär macht Sport Seppl seine Geschäfte an drei Standorten in Gries und Kühtai in den Tiroler Bergen. Der Händler bietet ein großes Programm, angefangen bei Skiverleih über Service und Skischule bis hin zu einem eigenen Test-Center und Kletterturm. Zusätzlich verkauft er im Internet. Statt aber selbst einen Webshop aufzuziehen, hat er sich für einen eBay-Shop entschieden.

eBay oder eigener Shop?

Auf die Frage „Andere machen lassen oder selber werkeln?“ gibt es jedoch keine klare Antwort. Wie es meistens ist, hat beides seine Vorteile. Vor allem kommt es darauf an, welchen Stellenwert der Verkauf im Netz für Sie hat. Sport Seppl nutzt eBay offensichtlich höchst sporadisch. Derzeit sind nur 14 Artikel eingestellt, und insgesamt gibt es bloß 480 Bewertungen, obwohl der Nutzer seit 2005 angemeldet ist (Stand: Ende November). Sowohl im eBay-Shop als auch auf seiner Website wirbt Sport Seppl damit, dass es ganz einfach sei, eine komplette Wintersport-Ausrüstung online einzukaufen – was sich in der Praxis aber als unmöglich herausstellt, weil es schlicht zu wenig Angebote gibt. Vorsicht: Wer darüber stolpert, ärgert sich und kommt vermutlich nicht wieder.

Verkaufen mit eBay

Für kleine Händler ist eBay sicher eine Option. In den vergangenen Jahren hat es sich immer stärker auf professionelle Verkäufer konzentriert und sich vom klassischen Schnäppchen-Marktplatz wegentwickelt – unter anderem, weil es mit eBay Kleinanzeigen (früher Kijiji) eine eigene Plattform für regionale Tauschangebote und Schnäppchen gibt.

Ein eBay-Konto ist im Nullkommanix angelegt. Hier zahlen Sie zudem pro Transaktion und nicht gleich für eine ganze Shop-Software, die gewartet werden muss. Für Angebote gewerblicher Händler erhebt eBay grundsätzlich eine Angebotsgebühr. Wird ein Artikel verkauft, kassiert es zusätzlich eine fixe Verkaufsprovision, die sich anders als bei privaten Händlern nicht nach der Höhe des Verkaufspreises richtet. Bei Kleidung sind das derzeit beispielsweise elf Prozent. Wer die Sichtbarkeit seines Angebots erhöhen möchte (etwa mit einer Bildergalerie), kann Zusatzoptionen buchen. Auch gibt es eine gewisse Absicherung für Sie als Verkäufer, weil eBay als Plattform-Inhaber dazwischengeschaltet ist.

Die zweite Option bei eBay ist ein eBay-Shop (für den Sie natürlich auch ein Konto benötigen). Der lohnt sich nur, wenn Sie eBay nicht nur sporadisch nutzen. Denn hier zahlen Sie genauso Miete wie für Shop-Software eines anderen Anbieters. Zumindest die muss sich also rechnen. Ein Basis-Shop kostet Sie monatlich 20 EUR, ein Top-Shop kommt auf 50 EUR, ein Premium-Shop auf 300 EUR. Je nach Abo haben Sie unterschiedliche Berechtigungen. Seit November 2012 können etwa eBay-Verkäufer mit Top-Bewertung und Premium-Shop Artikel auf allen europäischen eBay-Sites und auf eBay.com.au einstellen, was vorher in der Form nicht möglich war. Dafür lagern Sie aber den Traffic und die gesamte Abwicklung aus und müssen sich – etwa bei den angebotenen Zahlungsweisen – an die Regeln von eBay halten. Diese können sich unter Umständen recht schnell ändern, wenn sich der Konzern etwas Neues einfallen lässt oder die Quartalszahlen nicht passen. eBay bemüht sich, ein Komplettangebot zu liefern. Dazu gehören neben der hauseigenen Bezahlplattform PayPal auch Tools wie Afterbuy und VIA-eBay. Letzteres dient dazu einen eigenen Webshop mit eBay zu verbinden, ohne die gewohnte Abwicklung zu verändern. Plug-ins sind etwa für Lösungen von Shopware, Magento, xtc, es:shop und esales verfügbar.

Selbst ist der Händler

Wer lieber allein sein Süppchen kocht, hat die Qual der Wahl: von der kostenlosen Open-Source-Lösung über einen Shop zur Miete mit monatlichen Fixkosten oder einer Variante mit Einmalzahlung. Wie teuer eine Lösung kommt, hängt hauptsächlich von den gewünschten Funktionen ab. eSales4u (http://www.esales4u.de/eshop/onlineshop.php) liefert hier eine gute, wenn auch nicht ganz aktuelle Übersicht. Wichtig bei einem eigenen Shop sind vor allem Professionalität und Sicherheit. Nicht nur die Ihre: Auch Ihre Kunden müssen das Gefühl haben, Ihnen ihre Daten anvertrauen zu können. Sicherheit ist Nutzern sogar wichtiger als der Preis, wie aus einer Sonderstudie des (N)Onliner-Atlas der Initiative D21 und des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels hervorgeht.

Vertrauen ist wichtiger als der Preis

Neben einem ansprechenden und professionellen Online-Auftritt helfen Gütesiegel für Online-Shops, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Die Initiative D21 empfiehlt insgesamt vier: Trusted Shops, S@fer-Shopping (TÜV Süd), internet privacy standards (ips) und Geprüfter Online Shop (EHI). Nur diese vier hat auch die Computer-Bild in einem Test als vertrauenswürdig und empfehlenswert eingestuft. Eine Übersicht über die verlangten Qualitätskriterien sowie über die Siegel selbst bekommen Sie auf der Website www.internet-guetesiegel.de. Es lohnt sich, auch einmal bei der Konkurrenz zu surfen und sich anzusehen, mit welcher Software sie arbeitet – und allenfalls eine auszuwählen, die den Spagat schafft: Die also gefällt, wichtige Funktionen bietet und erschwinglich ist.

Anita Klingler

online_tuev
Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten: Wer im eBay-Shop von Sport Seppl eine komplette Skiausrüstung kaufen will, wird bitter enttäuscht.

Autor: Selma Özakin

Weitere Artikel …

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 23 / 2012