Freitag | 29. Juni 2012  |  08:26 Uhr

Bei Lowa geht es mal rauf und wieder runter

Bern/Grimselwelt. Mitte Juni in der Schweiz informierte Werner Riethmann, Gesellschafter und Geschäftsführer von Lowa, die Presse über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens im vergangenen Jahr und gab Ausblicke auf 2012

„In der Schweiz, wo Lowa außer Deutschland am meisten Schuhe verkauft“, erklärte Riethmann, „haben wir eines der schwierigsten Jahre hinter uns“. Der Grund, in die Grinselwelt einzuladen, lag auf der Hand: Hier liegen Natur und Technik nah beinander: Über 400 Quadratkilometer umfasst das Wander- und Kletter-Paradies, wo umweltfreundlich aus Wasserkraft für über 1,2 Millionen Menschen Strom erzeugt wird. Die Schuhproduktion von Lowa (rund 2,13 Millionen Paar Outdoor- und Skischuhe wurden 2011 international verkauft, siehe Grafik 1) ist technisch ebenfalls auf dem neuesten Stand, was auch die Nachhaltigkeit betrifft.

Rekordjahr trotz vieler Widrigkeiten

Trotz Turbulenzen in der Euro-Zone, den Schwierigkeiten mit dem starken Franken in der Schweiz und den Wetterkapriolen im Winter war „2011 für Lowa International das beste Jahr ever“, freute sich Riethmann. Demnach konnte Lowa seinen Gesamtumsatz auf 143 Mio. EUR (Vorjahr: 132 Mio. EUR) steigern. Lowa International (Jetzendorf) erwirtschaftete weltweit 122 Mio. EUR und 21 Mio. EUR Umsatz steuerten in Deutschland die Vertriebsmarken Tecnica, Blizzard, Nordica, Dolomite, X-Bionic und Rollerblade dazu bei (siehe Grafik 2).

Die Hauptmärkte liegen in Europa

Das umsatzstärkste Lowa-Land war Deutschland mit rund 60 Mio. EUR (Trekking & Outdoor, ohne Skischuhe). Gleich danach rangiert die Schweiz mit 15,4 Mio. EUR Umsatz. Die Niederlande kamen auf 9,8 Mio. EUR vor Österreich mit 9 Mio. EUR und Frankreich mit 4,7 Mio. EUR. Die USA wuchs auf 4,5 Mio. EUR Umsatz und gleich dahinter platzierte sich China mit 3,2 Mio. EUR. Im Land der Mitte will sich Lowa bis 2013 auf mindestens 100.000 Paar verkaufte Schuhe pro Jahr steigern. In Spanien wurden 3,2 Mio. EUR erzielt. Danach folgten Italien mit 1,7 Mio. EUR, Kanada mit 1,6 Mio. EUR und Großbritannien mit 1,5 Mio. EUR. Die übrigen Länder kamen zusammen auf 7,4 Mio. EUR Umsatz. Der Exportanteil hielt sich stabil und lag 2009 bei 54%, 2010 bei 53% und 2011 bei 54%.

Österreich kratzt die Kurve

In Österreich konnte Lowa (St. Martin/Innkreis) das Rekordjahr 2010 nicht erreichen: Laut Verkaufsleiter Stefan Brandl hielt sich 2011 der Umsatzrückgang mit einem Minus von 7% gegenüber dem Vorjahr aber noch in Grenzen: Statt 170.000 Paar wurden nur 161.000 Paar Schuhe verkauft. Den Löwenanteil erzielte der Bereich ATC (inklusive Kids) mit rund 113. 000 Paar. Im Segment Trekking wurden rund 40.000 Paar Schuhe verkauft. Der Skischuh-Absatz lag bei rund 8000 Paar. Der Einbruch bei Skischuhen mit 39% aufgrund der Einstellung dieses Bereichs, erklärte Brandl, „stand auch unabhängig von den Wetterbedingen fest, die dem Westen Österreichs späten Schnee brachten sowie einen abrupt endenden Winter“. Diesen Rückgang konnten auch die Zuwächse bei Trekking-Schuhen um 4,7% und bei den Kids-Modellen um 19% nicht kompensieren. In Österreich zählt Lowa derzeit rund 60 Premium-Partner, teilweise mit Shop-in-Shops. Ein großer Partner im Handel soll diesen Sommer dazukommen, so Brandl. Insgesamt sind die Marketingaktivitäten im laufenden Geschäftsjahr auf eine junge Kundengruppe zugeschnitten, auch um den erfreulichen Verkauf der Kids-Produkte noch weiter zu steigern. Rund 50% der Lowa-Facebook-Fans sagt Brandl, sind zwischen 13 und 25 Jahre alt. Dieses Jahr sollen die Umsätze wieder „in die richtige Richtung gehen“.

Die Schweiz trifft es hart

In der Schweiz sank bei der Lowa Schuhe AG (Matten/Interlaken) der Umsatz im Geschäftsjahr 2011 um rund 4 Mio. auf 38, 48 Mio. CHF (Vorjahr: 42,47 Mio. CHF). Darin enthalten sind auch die Marken Leki, X-Socks, Tecnica/Moonboots, Blizzard und Gloryfy, die erstmals in den Vertrieb integriert wurden. Marketingleiterin Ursula Wolf sprach von rund 200 Mio. CHF, welche der gesamten Sportbranche durch einen Umsatzeinbruch zwischen 10 bis 12% fehlen. 57% der Sport-Fachhändler erlitten quer durch alle Sortimente zweistellige Umsatzrückgänge. Die kleinsten Verluste habe es im Service- und Mietgeschäft gegeben, die größten Verluste im Wintersport (-20%). Hauptgründe für die schwierige Lage bei den Eidgenossen waren wenig Schnee zu Jahresbeginn, der Zerfall des Euro und die damit verbundene Stärke des Franken. Darauf reagierte Lowa mit Preissenkungen, die sich mit rund 1,7 Mio. CHF niederschlugen. Zudem fehlten durch die Aufgabe des Skischuh-Verkaufs (rund 12.000 Paar in 2010) rund 2 Mio. CHF in der Umsatzkasse. Insgesamt ging der Schuhabsatz um 26.000 auf rund 252.000 Paar zurück. Die Parolen für 2012 lauten: Umsatz halten und Mengen stabilisieren sowie die Fixkosten durch Optimierung der Logistik reduzieren. Allen Widrigkeiten zum Trotz wird in den Standort Matten/Interlaken mit einer zusätzlichen Lagerfläche investiert und im Juli ein 160 qm großer Showroom in Aigle (Westschweiz) eröffnet.

Lowa Benelux schlägt sich tapfer

Die TCK Sports Group (Heerlen), die Lowa in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg vertreibt, konnte 2011 ihre Umsätze um 4% auf insgesamt 24,5 Mio. EUR (Vorjahr 23,6 Mio. EUR) steigern. Neben Lowa vertreibt die Gruppe eine Vielzahl von Marken unter anderem auch Schöffel, Leki, Deuter, Ortlieb, Tecnica/Blizzard, Vökl/Marker, Uvex, Arena, X-Bionic, Nordica und Rollerblade. Wie Commercial Director Pepijn van den Hoogen erklärte, ging bei Lowa letztes Jahr die Verkaufsmenge um 9,6% auf insgesamt 177.000 Paar Schuhe zurück. Aufgrund der höheren Durchschnittspreise fiel der Umsatz allerdings nur um 6,9%. Gleichzeitig betont er jedoch, dass der Markt für Outdoor-Schuhe in Benelux mit 24% Minus sehr stark rückläufig war. Im laufenden Geschäftsjahr (per 25. Mai) wurden bereits 80.000 Paar Lowa-Schuhe verkauft. Somit, so van den Hoogen, sei man wieder auf einem guten Wachstumsweg.

Prognose für 2012: Es geht wieder runter

Das Geschäftsjahr 2011 sieht Riethmann als „Ausnahmejahr“, da „die Nachwehen des Superwinters 2010 – zwei Winter in einem Jahr – sich auf die Resultate des Jahres niederschlugen“. Die Händler hätten „zu optimistisch geordert, um keine Geschäfte zu verpassen“. Im laufenden Jahr gehe es wieder nach unten. Alle Handelsstufen – Hersteller, Importeure, Einkaufsverbände und Händler – hätten mit zu hohen Warenbeständen zu kämpfen. Je nach der Entwicklung in diesem Herbst und Winter müssten alle möglicherweise bis ins Frühjahr 2013 „daran knabbern“, bis sich die Lagerbestände wieder normalisierten. Der Ordereingang (jeweils bis Ende März) bei Lowa International verdeutlicht dies: 2010 waren es 1,33 Millionen Paar. 2011 schlug mit 1,83 Millionen Paar zu Buche und 2012 gingen die Ordereingänge auf 1,43 Millionen Paar zurück. „Das Wetter ist an vielem Schuld, aber nicht an Allem“, betonte Riethmann. Der Outdoor-Markt sei zu optimistisch eingeschätzt worden. „Zweistellige Zuwachsraten pro Jahr über Jahre hinweg sind einfach unrealistisch.“ Auch Quereinsteiger hätten den Schuhmarkt mit Billig-Produkten überschwemmt. Die Folge der Auswüchse sei ein überfüllter Markt. „Wenn die Pipelines voll sind“, sagte Riethmann, „heißt es Kapazitäten anpassen und runterfahren“. Positiv an der gegenwärtigen Situation sei, dass die Rohstoff-Preise stabil geblieben seien. Daher rechne er nicht mit Preiserhöhungen bei den Produkten. Positiv bewertet er auch, „dass Wandern in ist und als populäre Sportart zur Mode geworden ist“. Das bedeute aber nicht, „dass der Konsument jedes Jahr neue Outdoor-Produkte benötigt“. Sorgen machen Riethmann auch die rund 20 Millionen Arbeitslose in Europa, „die als Konsumenten jedem Hersteller fehlen“. Vor allem auch die jüngeren unter ihnen seien nicht nur „sozialer Zündstoff“ sondern würden auch breite Gesellschaftskreise verunsichern. „Krank“ sei auch die „latente Diskussion über die Euro-Krise und die Spekulation gegen Länder“. rs

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Symbiose zwischen Natur und Technik: Seit ihrer Gründung im Jahr 1925 nutzen die Kraftwerke Oberhasli das Wasser von Grimsel und Susten zur Strom-erzeugung.

Autor: Bernd Gutewort

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 12 / 2012