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Neue Studie: So setzt sich Mikroplastik wirklich ab

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 28. Februar 2020  |  10:18 Uhr
Das Plastic Leak Project (PLP) hat erste standardisierte Richtlinien zur Messung der Kunststoffverschmutzung über die Wertschöpfungskette hinweg veröffentlicht. Das Ergebnis stützt vor allem den Ansatz, ordnungsgemäße Recyclingmöglichkeiten voranzutreiben.

Wie viel Mikroplastik gelangt aus Funktionsjacken in die Umwelt? Warum – und wann genau? Zentrale Fragen für die Outdoor-Industrie und auch für immer mehr Endverbraucher, die wissen wollen, welche Auswirkungen ihr Produkt auf die Umwelt hat und was sie tun können, um die Umwelt zu schützen.

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Not macht erfinderisch: Die Firma Guppyfriend liefert mittlerweile spezielle Taschen, um die Freisetzung von Mikroplastik beim Waschen von Funktionsbekleidung zu vermeiden. Laut einer neuen Studie treten aber 99 Prozent der schädlichen Mikropartikel erst am Ende der Nutzungsdauer einer Outdoor-Jacke aus.
© Guppyfriend

Aktuell befassen sich mehrere Initiativen mit Hochdruck mit diesem Problem, das Plastic Leak Project (PLP) der international tätigen Quantis Group wird unterstützt u.a. von Adidas, Decathlon, Dow Chemicals, McDonalds, Sympatex und der Woolmark Company. Im Beratungsgremium sitzen u.a. der WWF, die RWTH Aachen sowie das Joint Research Centre der Europäischen Kommission.

Um effektive Lösungen zur Bekämpfung von Kunststoffleckagen entlang des Lebenszyklus einer Outdoor-Jacke zu finden, haben Wissenschaftler des PLP im Rahmen einer Case Study nun die Plastikfreisetzung während des kompletten Lebenszyklus einer neuen Outdoor-Jacke quantifiziert. Die Ergebnisse der Bewertung zeigen, dass 28% des verwendeten Kunststoffs über den gesamten Lebenszyklus der Jacke in die Umwelt gelangen. Es wurde aber auch festgestellt, dass etwa 99% dieser Freisetzung nicht - wie allgemein angenommen - während der Gebrauchsphase (Waschen des Produkts), sondern eher am Ende der Lebensdauer auftritt. Hierfür machen die Autoren der Studie vor allem unzureichende Abfallsammel- und –verarbeitungssysteme in Entwicklungsländern verantwortlich, wohin schätzungsweise 50% der gebrauchten Bekleidung exportiert würden, um ihnen ein zweites Leben zu ermöglichen.

“Die Ergebnisse dieser Untersuchung haben uns wirklich überrascht und einige bisher falsche Auffassungen korrigiert, wo in der Wertschöpfungskette Kunststoffverschmutzung auftritt", gibt auch Dr. Rüdiger Fox, CEO des Münchener Funktionsspezialisten Sympatex zu, der maßgeblich an der Studie beteiligt war. "Jetzt wissen wir, worauf wir uns konzentrieren müssen in unseren Bemühungen, Kunststoffverschmutzung aus dem Lebenszyklus unserer Produkte wirklich zu eliminieren. Gleichzeitig bestätigt uns die Studie in unserem ambitionierten Ziel, das wir uns selber gesetzt haben, den Textilkreislauf so schnell wie möglich zu schließen."

Das Ziel dabei ist, dass sich ein Produkt am Ende seines Lebenszyklus wieder vollständig recyceln lässt. Somit entsteht ein geschlossener Rohstoffkreislauf mit höchstens noch geringfügigem Abfall bei insgesamt weniger CO2-​Emissionen und niedrigerem Wasserverbrauch.

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur