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Nachhaltigkeit in der Sportartikelbranche: Irgendwo zwischen Gelb und Grün

  • Andreas Mayer, Astrid Schlüchter
  • Montag | 23. Mai 2016  |  11:17 Uhr
Der Ton scheint rauer zu werden, sowohl von außen als auch innerhalb der Branche. Und auch die Nachfragen der Endkonsumenten in den Läden nehmen zu: Welches Produkt ist wirklich grün, und welches nur Greenwashing? Dabei ist klar: Die meisten arbeiten tatsächlich daran, „grüner“ zu werden – es kristallisieren sich nur eine Vielzahl verschiedener Ansätze und unterschiedliche Geschwindigkeiten heraus. Denn eine einfache Lösung gibt es nicht. So langsam scheint sich aber die Spreu vom Weizen zu trennen ...
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Draußen in der Natur – egal bei welchem Wetter. Für viele Outdoorfans selbstverständlich – doch um die Outfits für den Einsatz im Freien zu rüsten, kommt oft jede Menge Chemie zum Einsatz. 

Texte: Andreas Mayer, Astrid Schlüchter

Manchem Mitbürger auf der Straße mag das Thema sogar schon wieder auf die Nerven zu gehen: Bio, Öko, vegan, vegetarisch ... die Worte „grün“ und „nachhaltig“ sind aus kaum einer Unternehmensbroschüre oder Produktbeschreibung mehr wegzudenken. Auch nicht in der Sportartikel- und schon gar nicht mehr in der Outdoor-Industrie. Hier allerdings aus gutem Grund: „Wir haben einen Ruf zu verlieren. Wir handeln mit Outdoor, dem Leben draußen, dem Naturgenuss. Da kann es doch nicht sein, dass wir dazu beitragen, dass die Umwelt noch mehr geschädigt wird, als sie es ohnehin schon ist,“ erklärt Klaus Weichbrodt, Filialleiter der größten Outdoor-Kaufhauses Europas, der Globetrotter Filiale in Köln.

Der langjährige Händler bestätigt: „Die Nachfragen seitens der Konsumenten werden deutlich mehr. Seit etwa ein bis anderthalb Jahren merken wir, dass durch die Aufklärung in den Medien das Interesse sowohl an den Umwelteigenschaften als auch der Herkunft des Produktes gestiegen ist. Durch die Skandale, die es dort in der Vergangenheit gegeben hat, gibt es zum Beispiel immer öfter Fragen, ob das ebenfalls in Bangladesch genäht wurde oder nicht.“ Aber: Die letztendliche Kaufentscheidung hänge dennoch von vielen Faktoren ab, so der erfahrene Händler weiter – und nicht selten entschieden sich die anfangs so grünen Outdoor-Enthusiasten schließlich doch für ein anderes und weniger grünes Produkt. „Beim Thema PFC weisen wir zum Beispiel durchaus auf Alternativen hin. Aber da muss man, was die Wasserdichtigkeit angeht, eben mitunter Kompromisse machen. Da kann man nur zum Kunden sagen: Das ist nun mal so! Wir müssen uns da auf die Industrie verlassen, das zu ändern.“

Doch das Schlimme ist: Die zieht alles andere als einem Strang! Bereits vor vielen Jahren musste die Hoffnung auf gemeinsame Kriterien und ein aussagekräftiges Qualitätssiegel begraben werden. Seitdem macht jeder sein eigenes Ding. Kein Wunder, dass sich für Otto Normalverbraucher mittlerweile jedwede Argumentation schlüssig anhört: Ob Bio-Baumwolle oder recyceltes Polyester, mit Herkunftsnachweis des Leders, der Daune oder sonstiger Rohstoffe, mit Blick auf eine möglichst saubere Produktionskette oder den geringsten „Footprint“ über die gesamte Lebensdauer eines Produkts hinweg – umweltgerecht und nachhaltig klingt alles. „Made in Germany“, Made in EU“ oder „in Europa“ (was auch mal die Türkei und die Ukraine mit einschließt), zertifiziert von der „Fair Wear Foundation“ oder dem „Textilbündnis“ – wer, der nicht vom Fach ist, kann hier noch unterscheiden, was wirklich „grün“ und nachhaltig ist, und was plumpes „Greenwashing.“ „Auf Themen wie diese haben wir bei Globetrotter schon immer großen Wert gelegt, auch, als es noch nicht en vogue war, darüber zu sprechen“, erklärt Klaus Weichbrodt. „Die meisten unserer Lieferanten kennen wir schon seit über 30 Jahren. Nehmen wir zum Beispiel Tatonka. Das ist mindestens 15 Jahre her, da war ich selbst in Vietnam und habe mir die Fabrik dort angeschaut.“

Der Erfolg und das schnelle Wachstum hat die Branche in der Zwischenzeit aber ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gestellt. Aufgerüttelt von Katastrophen wie in Bangladesch, getrieben von Kritikern wie Greenpeace, ist die Branche mächtig in Bewegung geraten. Sinkende Wachstumsraten und steigender Wettbewerb verschärfen die Situation und lassen den Ton auch untereinander rauer werden. Wie es scheint, ist der Honeymoon vorbei. Langsam aber sicher trennt sich die Spreu vom Weizen ...

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Schlüchter

Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2016