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Millionen für den Umweltschutz

  • Andreas Mayer
  • Donnerstag | 11. Februar 2016  |  11:51 Uhr
W.L. Gore & Associates plant in den nächsten fünf Jahren mehr als 15 Mio. US-Dollar in die Suche nach alternativen dauerhaft wasserabweisenden Imprägnierungen (DWR) zu investieren. Ziel ist es, neue Lösungen mit einem verbesserten ökologischen Profil zu finden, ohne dabei Kompromisse bei der Performance des Produkts einzugehen.
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Die Umwelt im Blick: Bernhard Kiel, Leiter des Nachhaltigkeitsprogramms von Gore Fabrics.
© Mayer

Text & Interview: Andreas Mayer

Seit 2013 bereits untersucht Gore Fabrics eine Reihe von DWR Materialien, basierend auf fluorierten und nicht fluorierten Polymeren, wie beispielsweise auf Kohlenwasserstoff- oder Wachs-Basis. Labor- und Feldversuche hätten jedoch gezeigt, dass die wasserabweisenden Eigenschaften von aktuell erhältlichen, nicht fluorierten DWR Ausrüstungen im normalen Outdoor-Einsatz erheblich kürzer währen als die DWR von Gore, so das Unternehmen. „Bereits nach kurzer Einsatzzeit hat die nicht fluorierte DWR im Feldeinsatz dramatisch nachgelassen“, erklärt beispielsweise John P. Cusick, Global Business Leader Consumer Garments bei Gore. „Mit diesem schnellen Abfall der wasserabweisenden Wirkung ist sicherlich kein Kunde zufrieden, der nach einem komfortablen Kleidungsstück mit langanhaltender Funktionstüchtigkeit sucht.“

Was also ist zu tun? sportFACHHANDEL sprach mit Bernhard Kiehl, dem Leiter des Nachhaltigkeitsprogramms von Gore Fabrics.

Bernhard, unter einem gewissen Maß an Funktion geht es also nicht, sagt ihr. Spürt ihr auf der anderen Seite, dass es ohne ein gewisses Maß an Umweltverträglichkeit ebenfalls nicht geht?

Bernhard Kiehl: Wir arbeiten stetig daran unsere Produkte noch umweltverträglicher zu machen. Das ist Teil unseres Selbstverständnisses. Unser heutiges Angebot halten wir für umweltgerecht und für deutlich verbessert. Wir spüren, dass Konsumenten ein steigendes Interesse an Umweltthemen haben. Bei unseren Befragungen sehen wir, dass für die Kunden die Funktion eines Produkts nach wie vor klar an erster Stelle steht. Demnach gibt es in der Breite sicherlich noch eine Präferenz der Kundschaft in Richtung Performance.

Aber trotzdem jetzt das Millionen-Investment in Richtung Umwelt.

Weil das Thema an Bedeutung gewinnt. Man darf aber nicht vergessen: Wir investieren nun schon seit 30 Jahren in unser Umweltprogramm. Wir wollen einen Beleg dafür haben, dass eine Maßnahme tatsächlich eine positive Umweltauswirkung hat. Und wir wollen dort ansetzen, wo die Auswirkungen am höchsten sind. Deswegen folgen wir einem holistischen Ansatz und stellen komplette Öko-Bilanzen für unsere Produkte auf. Wenn wir zum Beispiel nur nach dem Treibhauseffekt optimieren würden, wäre es am besten, wir würden die Kläranlagen ausschalten, weil wir damit Strom sparen. Das kann aber natürlich nicht die Lösung sein. Man muss sich immer fragen: Wie hoch ist der Effekt wirklich? Und gibt es Effekte, die vielleicht sogar eine positive Gesamtbilanz kaputtmachen?

Kommt der Druck vom Endverbraucher oder von euren Kunden?

Unsere Kunden haben ihre eigenen Umweltstrategien, die wir in unseren Planungen natürlich berücksichtigen. Idealerweise läuft das in enger Abstimmung mit unseren Kunden.

Das heißt, eure Industriepartner sind involviert ...

Absolut! Wir brauchen sie, weil sie sehr gut verstehen, was der Markt und was Endverbraucher wollen.

Glaubt ihr, dass Endverbraucher bereit sind, mehr zu zahlen für ein umweltfreundliches Produkt?

Es gibt da widersprüchliche Daten, wenn man Konsumentenstudien anschaut. Outdoor-Konsumenten sagen schon, dass es – neben anderen Aspekten – wichtig für sie ist. Und viele sagen, sie wären bereit, mehr zu zahlen, wenn sie denn den Umweltnutzen klar verstehen. Ob dann aber tatsächlich auch so gehandelt wird, ist eine häufig diskutierte Frage. Wir sagen deswegen ja auch extra: Unser Ziel ist es, das Produkt nicht nur umweltfreundlicher zu machen, sondern auch seine Performance zu verbessern. Wenn es uns also gelingt, ein rundum verbessertes Produkt anzubieten, glauben wir, wird der Kunde auch mehr dafür ausgeben.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 12 / 2015