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  • Anita Klingler
  • Montag | 25. Februar 2013  |  11:54 Uhr
Nicht nur für Künstler, sondern auch für Online-Händler gilt: Wer sich von anderen abheben will, darf ruhig Charakter zeigen.

Dabei kann sich ein individueller Webauftritt aus kleinen Ideen zusammensetzen, die wie Mosaiksteinchen ineinander greifen. Dieses Mal nehmen wir Planet Sports aus München unter die Lupe und erörtern eine kleine, aber feine Idee, zu einer individuellen Shop-Identität zu kommen.

Wo ansetzen?

Sucht man nach einem Weg, die eigene Marke im Gedächtnis potenzieller Kunden wirklich zu verankern, reicht es nicht, ein hübsches Logo und eine ansprechende Website zu haben. Das sind vielmehr Butter und Brot eines Online-Händlers. Soll heißen: Ohne sie geht gar nichts. Navigation, Kategorien, Hilfeseiten: Je besser durchdacht und intuitiver umgesetzt, desto leichter finden sich Besucher zurecht, fühlen sich wohl, kaufen ein und kommen wieder.

Bild Dir Deine Kunden

Viele Sportartikel-Hersteller liefern für ihre Produkte zwar Bilder mit, die sind aber für Otto Normaleinkäufer manchmal leider wenig aussagekräftig. Entweder wird an professionellen Models hinterher noch ordentlich herum-photoshoppiert, oder aber es handelt sich um Produktfotos ohne menschlichen Inhalt – und man kann sich erst recht nicht vorstellen, wie eine Jacke in getragenem Zustand aussehen könnte. Planet Sports hat hier einen aufwändigen, aber sympathischen Weg mit Wiedererkennungs-Wert gewählt: Offensichtlich gibt es hauseigene Models, die sich in die Klamotten werfen und ablichten lassen. So sehen die Fotos weder künstlich aus, noch zu weit weg von der Realität. Im Gegenteil: Sie vermitteln ein recht plausibles Bild davon, wie eine Jacke im Original tatsächlich aussieht. Ein riesiger Pluspunkt, wenn es darum geht, im Netz zu bestellen. Online einzukaufen unterscheidet sich in der Hinsicht nämlich kaum vom urzeitlich-analogen Shoppen per Quelle-Katalog.

Gut geklaut ist halb ­gewonnen

Das Foto-Beispiel ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Wem es an eigenen Ideen mangelt: Gehen Sie spicken! Schauen Sie sich bei der Konkurrenz um und tragen Sie zusammen, was Ihnen gefällt. Stecken Sie alles in einen Mixer. Und dann finden Sie einen Weg, aus dem Teig etwas zu backen, was für Sie und Ihren Web-Shop funktioniert.

Doch Vorsicht: Von platten Kopien ist freilich vehement abzuraten. Im Extremfall könnte Ihnen das eine Klage einbringen. Dabei geht es unter Umständen nicht nur um Logos und markenrechtliche Streits, sondern auch um sogenannte Geschmacksmuster – wie etwa Samsung vergangenes Jahr leidvoll erfahren musste. Gleich mehrere Gerichte (unter anderem in Deutschland, Australien und den USA) entschieden, dass einige Geräte der Koreaner denen von Apple zu ähnlich sähen.

Prinzipiell schützt ein Geschmacksmuster laut dem Deutschen Patent- und Markenamt „die zwei- oder dreidimensionale Erscheinungsform eines Teils oder eines ganzen Erzeugnisses. Geschützt werden kann die Gestaltung einer Fläche - zum Beispiel eines Stoffes oder einer Tapete - oder die Gestaltung eines dreidimensionalen Gegenstandes, zum Beispiel von Möbeln, Autos oder Spielzeugen“.

Nach Angaben der Anwaltskanzlei Bettinger Schneider Schramm aus München, die sich unter anderem mit Designrecht beschäftigt, lässt sich das Geschmacksmuster-Gesetz durchaus auch auf Websites anwenden – und zwar „im Hinblick auf die ihnen zugrundeliegenden grafischen Leistungen“. Die Anwälte weisen aber auch darauf hin, dass gerade das Netz sehr schnelllebig sei, und der Schutz deshalb unter Umständen sehr lückenhaft. Sie bezweifeln im Grunde, ob das Geschmacksmuster der richtige Weg für Site-Betreiber ist. Was Ihnen allerdings nichts bringt, wenn gerade Ihr großes Design-Vorbild den gewählt hat.

Langer Rede kurzer, aber scharfer Sinn: Lassen Sie sich von der Konkurrenz inspirieren und schaffen Sie aus all den Eindrücken etwas Eigenes. Dann kann wohl kaum mehr etwas schiefgehen.

Anita Klingler

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Autor: Anita Klingler

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2013