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Jahreskonferenz der Fair Wear Foundation (FWF)

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 21. November 2018  |  21:19 Uhr
Vertreter der Mitgliedsmarken, Interessenvertreter der Bekleidungsindustrie, Medien und Entscheider der Branche waren sich einig: "Es ist höchste Zeit für einen Wandel"
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"The Times they are a Changin"
 - das Konferenzmotto war omnipräsent.
© FWF

Über 200 Teilnehmer besuchten die Jahreskonferenz der Fair Wear Foundation (FWF) im De Hallen Studio in Amsterdam. Das Konferenzthema „The Times they are a Changin
" zog sich durch den ganzen Tag durch Vorträge und Diskussionsrunden und war auch optisch in Form von tickenden Uhren am gesamten Veranstaltungsort präsent.

"Es ist höchste Zeit"

Eröffnet wurde die Konferenz von der niederländischen Ministerin für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit, Sigrid Kaag, die sich wie die erste Keynote-Sprecherin Safia Minney, Gründerin von People Tree, auf das übergeordnete Konferenzthema bezog. „Wir haben keine Zeit mehr, wir müssen in den kommenden zwei bis drei Jahren einen großen Wandel vollziehen", forderte Minney.

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Safia Minney, Gründerin von People Tree
© FWF

Teil der Konferenz waren auch zwei Diskussionsrunden mit Geschäftsführern aus der Bekleidungsbranche, bei denen auch gleich kontrovers darüber diskutiert wurde, wer denn nun die Hauptverantwortung für Veränderungen trage: Während Fazlee Shamim Ehsan von der Bangladesh Knitwear Manufacturers and Exporters Association davon sprach, wie wichtig die Endverbraucher sind, forderte Safia Minney die Gesetzgeber auf, tätig zu werden. Tony Tonnaer, CEO von Kings of Indigo, verweis auf die Verantwortung der Marken und des Marketings: „Die Konsumenten sind hungrig nach Informationen. Wir müssen das nutzen, um ein größeres Bewusstsein zu schaffen.“

Wie wichtig es ist, dennoch zusammenzuarbeiten, wurde insbesondere im zweiten CEO-Panel deutlich: „Wenn man eine kleine Marke ist und nur einen Anteil von fünf Prozent an der Produktion einer Fabrik hat, kann man nicht viel erreichen. Wir müssen also mit anderen Marken zusammenarbeiten, um unseren Einfluss zu steigern“, erklärte Christian Schneidermeier von Ortovox. Auf die Frage, ob man bei der zur Zeit äußerst populären Outdoor- und Wintersportmarke denn auch bereit sei, für mehr Nachhaltigkeit im Produktionsprozess auf Gewinne zu verzichten, erklärte Schneidermeier: "Dafür die Preise zu erhöhen ist schwierig, da wir schon eine eher hochpreisige Marke sind. Und von einer hochpreisigen Marke erwartet man Nachhaltigkeit."

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Ortovox-CEO Christian Schneidermeier
© FWF

Inspiration Award an Haglöfs und OSC

Am Nachmittag wurde der diesjährige "Inspiration Award" vergeben, für den Ortovox nominiert wurde, weil er entgegen der Norm der sechstägigen Arbeitswoche in Asien, den Arbeitnehmern das Wochenende gegeben hat. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit einem Fabrikleiter. Ebenfalls nominiert wurde die deutsche Outdoor-Marke Vaude für die Entwicklung und Implementierung eines einheitlichen Kontrollsystems entlang der gesamten Lieferkette.

Gewonnen haben den Award Haglöfs und OSC (u.a. Mountain Equipment). Die Preisträger erhielten die Auszeichnung, da sie gemeinsam mit vier weiteren Marken, die keine FWF-Mitglieder sind, einer Beschwerde von Arbeitern in China nachgegangen sind und tatsächlich erfolgreich waren. Die Beschwerde beinhaltete das unbefugte Subcontracting von bis zu zehn verschiedenen Unterauftragnehmern, zu hohe Überstunden und nicht gezahlte Löhne. "Wir haben in großen und kleinen Unternehmen und in verschiedenen Zeitzonen gearbeitet, und das über einen kurzen Zeitraum hinweg", erläuterte Eva Mullins von Haglöfs auf der Bühne. „Überstunden wurden jetzt auf das gesetzlich vorgeschriebene Maß reduziert und jeder weiß nun, wie er seine Gehaltsabrechnungen lesen kann", freut sich Mullins.

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Verleihung des Inspiration Awards an Haglöfs und OSC. Nominiert waren auch Ortovox und Vaude (links).
© FWF

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN