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ISPO: Wir kommen wieder

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 11. Mai 2016  |  12:11 Uhr
Mit fast hundert mehr Austellern als im Vorjahr zeigte sich die jüngste ISPO, die weltweit größte Sportartikelmesse der Welt, 2016 von ihrer besten Seite. sportFACHHANDEL sprach mit zahlreichen Newcomern und Wiederkehrern. Die Resonanz fiel ausnahmslos positiv aus.

Text: Nicolas Kellner

Die neue Hallenaufteilung nach Themen scheint gelungen. Die Betonung von Outdoor lieg sicher im Interesse der Messe-Macher und vor allem auch vieler Besucher. Damit knüpft die ISPO sicher auch an alte Zeiten an, zu denen sich alle Anbieter in der Branche sich einmal um die besten Standplätze rangelten. Die ISPO, einst sogar als Sommer- und Winterversion im Angebot, war und ist ein Pflichttermin für die gesamte Branche. Sicher handelt es sich um keine reine Ordermesse mehr, allerdings sind der Flair, der Stallgeruch und die persönlichen Kontakte, und sei es nur ein persönlicher Handschlag, unumgänglich. Engagierte Handelsvertreter wie Thomas Seifert etwa (Montana Trading), der vier Tage lang am Marmot-Stand vertreten war, konnte diesmal auch mehr Händler noch auf die Messe bringen. „Natürlich müssen die Händler im Laden stehen und verkaufen und der Aufwand für einen Messebesuch ist mit Kosten verbunden”, weiß Seifert, dennoch sei der ISPO-Gang durch die Hallen, das Aufspüren von Trends und neuen Marken ein einmaliges Erlebnis und fördert den Blick fürs Geschäft. Das ersetzen auch keine vorgekauten Sortimente zu den Hausmessen der Verbände. Doch diese Diskussion währt nun schon seit über 20 Jahren ebenso wie der rechte Zeitpunkt, an dem die Messe im Saison- und Oderrhythmus im Jahr stattfinden sollte.

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Perfekt in Szene gesetzt: Picture baut sein ISPO-Engagement stetig aus.

Wer also diesmal mit dabei war und zur Messe pilgerte, konnte erstaunt feststellen, dass einige Marken neu wieder auf der ISPO erschienen sind oder ihre Stände vergrößert haben. So war zum Beispiel diesmal gleich in den vorderen Outdoor-Hallen der österreichische Anbieter Northland erstmals wieder auf der Messe in München zu entdecken. Vor Jahren schon hatte sich der Outdoor-Anbieter und Filialist von der ISPO zurückgezogen. Inhaber und Gründer-Sohn des Herstellers, Arno Pichler, war schon am zweiten Messe-Tag begeistert und zufrieden mit der Entwicklung. „Auch wenn wir einen sechsstelligen Betrag für die Messe-Teilnahme hinlegen, es hat sich jetzt schon voll gelohnt und ausbezahlt“, berichtet der sportliche Northland-Chef. Die Northland-Hütte war gut besucht, die ganze Mannschaft und der Chef bestens gelaunt. Bei Musik und guter Verpflegung wurden neue Kontakte geknüpft, neue Geschäfte eingeleitet und bewährte Verbindung vertieft. Das ging vier Tage lang so – Messe pur.

Schon immer gehörten Show und Party zur ISPO. Wer erinnert sich nicht mit Wehmut noch an die (zwar lauten) aber tollen Shows, Acts und Überraschungen, die es einmal bei Adidas, Nike und Converse oder auch beim Skateboard-Papst Titus gab. Zumindest die Franzosen wissen heute immer noch, wie man heute feiert und dabei das Geschäft trotzdem nicht aus den Augen verliert. An den beiden französischen Gemeinschaftsständen in den A- und B-Hallen war jedes mal Party am zweiten ISPO-Abend angesagt. Mit DJ, warmen und kalten kulinarischen Köstlichkeiten und jede Menge Business. Bei Picture Organic etwa trafen sich unter den zufrieden glänzenden Augen von Mitgründer Julien Durant viele Kunden und Freunde. „Wir können auf dieser Plattform wunderbar arbeiten und freuen uns, hier zu sein“, verriet der Trendsetter gegenüber sportFACHHANDEL. Picture, erst seit wenigen Jahren auf der Messe, vergrößerte jedes Mal seinen Stand und zieht immer mehr Publikum an, die nicht nur Party machen wollen. Das junge engagierte Team um Julien Durant herum, das den Organic-Trend im Textilsegment (winters wie sommers) mitangestoßen hat, hatte jedenfalls alle vier Tage alle Hände voll zu tun. „Wir entwickeln uns derzeit glänzend auch in den USA und in Asien“, erzählt Durant, die Umsätze wachsen, obwohl Picture dort noch nicht so lange am Start ist. Die ISPO dient als Sprungbrett, Durant konnte internationale Kunden sprechen, neue Kontakte knüpfen. Der Terminkalender war jedenfalls bis zum letzten Tag prallvoll. Picture will auf dem österreichischen Markt zulegen. Auf der ÖSFA sind die Country Manager von Kulluproducts, Salzburg, Andreas Hammer, Michael Gaish und Veronika Kovacs Ansprechpartner für Picture. Aber auch bei Marmot gab es einen tollen Live-Musik-Abend, bei dem Vertreter Thomas Seifert auch selbst zu Gitarre und Mikrofon griff. „Das bauen wir jedes Jahr aus und macht unheimlich Spaß“, sagt Seifert. Die Händler und alle anderen Besucher machen mit, am offenen Stand war jeder eingeladen zum Live-Act.

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Die beiden Garlita-Töchter Rasa Staneviciene und Rita Norviliene freuten sich über den neuen und größeren Messe-Stand auf der ISPO.

Einen größeren neuen Stand gab es bei Garlita, einem Strickwaren-Zulieferer aus Litauen, den es zu entdecken galt. Das Familien-Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern wurde 1970 schon gegründet und wird heute von Juozas Martikaitis und seinen beiden Töchtern Rasa Staneviciene und Rita Norviliene geführt. Auf der Messe ISPO, auf der Garlita sei jüngstem vertreten ist, wird das internationale Geschäft gepflegt und weiter ausgebaut. Skandinavien sei derzeit das Hauptansatzgebiet, erzählt Rita Norviliene gegenüber sportFACHHANDEL, die im elterlichen Unternehmen die Bereiche Sales und Marketing leitet. Garlita verfüge über hochmoderne Maschinen und professionelle heimische Mitarbeiter, sagt die Firmenlenkerin. „Das ist unser Vorteil, wir sind zu 100 Prozent Made in Europe“. Der Zulieferer entwickelt und strickt für viele große Marken in der Sportartikelbranche, berichtet die Verkaufsleiterin, sei aber auch in anderen Freizeitsegmenten sowie im Bereich Jagd tätig. So würde Garlita auch die entsprechenden Messen zum Thema Jagd besuchen. Auf dieser ISPO jedenfalls wurden die bestehenden Kontakt vertieft und neue gestrickt. „Für uns war die Messe sehr wertvoll und zufriedenstellend“, lautet das Fazit. „Die ISPO ist eine tolle Chance für uns, uns unseren Kunden gegenüber zu präsentieren und neue innovative Produkte vorzustellen“, meint die Mitgeschäftsführerin. Vor allem Kunden aus Deutschland seien häufige Gäste gewesen und das Verhältnis konnte verbessert und ausgebaut werden. Man könne in München aber auch neue Ideen und Inspirationen, die von den Kunden selbst kommen, sammeln. Und man wolle damit natürlich auch in langjährige Partnerschaften investieren. „Die ISPO war für uns jedenfalls eine exzellente Show für das Geschäft und die Kunden. Wir kommen das nächste Jahr wieder“, versichert Rita Norviliene. Neu und vergrößert präsentierte sich auch Icebug. Der skandinavische Schuhspezialist zeigte auf der Messe nicht nur neue Entwicklungen im Bereich der Sohlen, sondern auch das Gesicht seines neuen Country-Managers Mathias Basedow, dem ehemaligen PR-Mann der EOG. Er ist jetzt bei Icebug neuer Mann für Deutschland und Österreich und baut die neue Vertriebsstruktur auf. „Ich freue mich sehr darauf, den Job auszufüllen und wieder in der Industrie zu sein“, erklärte Basedow gegenüber sportFACHHANDEL. Der Ex-EOG-Sprecher will die kleine Nischenmarke, die sich über gezielte Positionierung im Trailrunning mit extrem rutschfesten Sohlen im Runningschuhmarkt einen Platz erobert hat, jetzt weiter nach vorne bringen. „Natürlich ist es eine riesige Herausforderung, sich in einem Umfeld zu positionieren, das von internationalen Großkonzernen und Traditionsfirmen dominiert wird. Doch Icebug ist mit seinen Produkten sowohl auf Eis als auch bei Nässe griptechnisch einzigartig, eine Klasse für sich. Es gibt keine wirklich vergleichbaren Produkte auf dem Markt. Wir sind absolut überzeugt, dass wir mit Hilfe der richtigen Partner im Fachhandel den Siegeszug der Marke auch außerhalb Skandinaviens fortsetzen können.“

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Natürlich ist es eine riesige Herausforderung, sich in einem Umfeld zu positionieren, das von internationalen Großkonzernen und Traditionsfirmen dominiert wird. Michael Basedow, Icebug

Die ISPO sei ein sehr guter Startpunkt dafür, meinte Basedow, der natürlich über ein hervorragendes Netz von Kontakten verfügt. Nichtsdestotrotz war der Terminkalender über vier Tage vollgepackt, da immer mehr Händler auf die Marke aufmerksam wurden. Die ISPO, egal ob ein- oder zweimal im Jahr, war und ist weiterhin obligatorisch. Das bewies der Branchentermin in diesem Jahr einmal mehr. Newcomer und Wiederkehrer nutzten ihre Chance, die Zahl der Händlerbesucher wächst auch wieder. Und genaues Hinsehen lohnt sich allemal, weil es immer wieder neue Marken und Entwicklungen zu entdecken gibt. Sowie neue und alte Gesichter, die die Branche geprägt haben und die immer für einen intensiven Plausch oder Gedankenaustausch während vier Tagen zu haben sind: Wie beispielsweise dieses Mal auch wieder Willy Kühme (Eigentümer Sport Fundgrube) und Hagen Marschner (Genfoot, Kamik) seit über dreißig Jahren: „Die Messe hat sich zwar verändert, aber sie ist ein Muss.“

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2016