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Intersport und Co: Alternativlos?

  • Marcel Rotzoll
  • Sonntag | 05. Februar 2017  |  10:12 Uhr
Wie nie zuvor muss sich der Sportfachhandel innerhalb kürzester Zeit mit völlig neuen Markgegebenheiten auseinandersetzen. Der Fachhandel sucht nach zukunftsfähigen Konzepten. Ob die Zukunft dabei allein oder in der Gemeinschaft einer Verbundgruppe gewonnen werden kann, daran scheiden sich die Gemüter. Eine Entscheidungshilfe.

Text: Marcel Rotzoll

Wenn heute über die drängendsten Probleme des Sportfachhandels gesprochen wird, dann immer vor dem Hintergrund der sich dramatisch verändernden Handelslandschaft. Die Auswirkungen des sich nach wie vor rapide ändernden Konsumentenverhaltens betreffen nahezu jeden Händler vor Ort. Die Kaufentscheidung wird häufig nicht mehr im Geschäft getroffen, sondern online oder durch Empfehlung, der Beratung kommt eine andere Bedeutung zu. Die durch viele Preiskämpfe in der Vergangenheit – sowohl stationär als auch online – erzogenen Kunden sind zudem besonders preissensibel. Einkaufserlebnis heißt darüber hinaus für viele Konsumenten auch, dass man sich rund um die Uhr informiert und bei Bedarf kaufen will – der Gang in die Stadt oder zur Einkaufsstraße ins Sportfachgeschäft ist nicht mehr für jeden Kunden selbstverständlich. Hinzu kommen daraus resultierend neue Vertriebskonzepte der globalen Sportartikelhersteller. Konsumentenfokussierung stets vorausgesetzt, wollen Adidas, Nike und Co. mit immer weniger Händlern immer höhere Umsätze erzielen, schneller auf Trends reagieren und deshalb die Sortimente auch anders steuern können. Folge sind höhere Mindestorders, weniger, manchmal gar keine Außendienstbetreuung, so dass so mancher Händler schon heute nicht mehr an Ware kommt oder sich jede Saison aufs Neue die Frage stellt, ob er die Vorgaben der Großen noch erfüllen kann.

In dieser Gemengelage präsentiert sich der klassische Sportfachhandel äußerst heterogen. Nach wie vor gibt es Fachgeschäfte mit Umsätzen unter 100.000 Euro, genauso wie es inhabergeführte Unternehmen mit Umsätzen von zwischen 50 Millionen und 100 Millionen Euro gibt. Filialisten sowie größere Online- und Hybridhändler jenseits der 100 Millionen Euro kommen hinzu. Über 2.000 Sportfachhändler sind in den drei Verbundgruppen der Branche organisiert. Irgendwo zwischen 500 und 1.000 schwankt die Zahl derjenigen ernst zu nehmenden stationären Sportfachhändler, die keiner Verbundgruppe angeschlossen sind. Oft sind es Spezialisten, viele davon Teamsportler sowie mancher Runningspezialist, oft sind es nahversorgende Multisporthäuser in ländlichen Regionen. Ernst zu nehmend werden diese ’ungebundenen’ Händler deshalb genannt, weil sie entweder eine für die Verbundgruppen interessante Umsatzgröße erreichen oder weil sie in Ihrer Region als Spezialisten gelten, sehr gut beispielsweise in Vereinen vernetzt sind und ihren Markt deshalb erfolgreich bearbeiten können.

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Das redblue der Intersport ist nicht nur Messe-, sondern auch Veranstaltungsort
© Intersport

Die Gründe, warum sich diese Händler gegen die Mitgliedschaft in einer der Verbundgruppen entscheiden, haben sich dabei in den vergangenen Jahren nur sehr geringfügig gewandelt. Nach wie vor sind es Argumente wie der Verlust der Selbständigkeit, über die Hoheit bei Ladenbau, Sortiments- und Markenauswahl. Von Intersport und Sport 2000 würde verlangt, Eigenmarken aufzunehmen, obwohl diese teils wenig attraktiv seien. Nicht der Händler, sondern die Verbundgruppe würde zur Marke vor Ort. Spezialisten führen gestern wie heute an, dass der einen oder anderen Verbundgruppe das Know-how für die spezifischen Bedürfnisse für die Sortimentsgruppen fehle, gezielte Orders bei den auf Generalisten ausgelegten Orderrunden nur schwer umzusetzen und vor allem durch die von den Zentralen vorgenommene Vorauswahl die Sortimente zu vergleichbar seien. Letztlich hätten die Verbände bisher keine überzeugende Strategie präsentiert, wie der stationäre Handel zukunftssicher ausgerichtet werden könnte.

Fakt ist aber auch, dass die Zahl und Marktbedeutung dieser gänzlich unabhängigen Händler in den vergangenen Jahren stark gesunken ist. Zum einen liegt das an den verstärkten Akquise-Bemühungen der Verbundgruppen. Die Sport 2000 beispielsweise hat allein in den vergangenen zwei Jahren 265 neue Partner hinzugewinnen können. Der GMS-Verbund, der 2013 mit SportXtreme auch in der Sportbranche gestartet war, dürfte auf um die 100 Händler kommen, die vorher keiner Verbundgruppe angehörten. Zum anderen schwindet ihre Zahl wegen Geschäftsaufgaben und wegen fehlender Nachfolgeregelungen. Sind es also Vorurteile, die gewälzt werden, wenn seit Jahr und Tag die vorgebrachten Argumente der Einzelkämpfer gegen die Verbundgruppen nahezu unverändert geblieben sind? Oder sind diese Gründe heute aktueller denn je? Und können sich diese Händler vor dem Hintergrund des derzeitigen Wandels auf Dauer als Einzelkämpfer behaupten?

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Sport 2000-Geschäftsführer Andreas Rudolf will einen Mittelweg finden zwischen schnellen Entscheidungen und der Individualität der Händler
© Sport 2000

Wenn heute über die drängendsten Probleme des Sportfachhandels gesprochen wird, dann wird deshalb immer auch danach gefragt, welche Antworten die drei Verbundgruppen der Branche auf diese Herausforderungen geben. Denn einig sind sich die Verantwortlichen in Mainhausen, Heilbronn und Köln, dass es alleine nicht mehr geht. So ist sich Sport 2000-Geschäftsführer Hans-Hermann Deters sicher: „Wir müssen heute die veränderten Kräfteverhältnisse in der globalen Handelslandschaft realisieren. Der Konsument steht im Fokus der Industrie – nicht mehr an erster Stelle der Handel. Der Fachhandel – da dürfen wir uns nichts vormachen – hat in den vergangenen Jahren ganz klar in seiner Position verloren. Ich glaube, dass wir als Verbundgruppe dem Fachhandel Perspektiven aufzeigen, die Kräfte zu bündeln, auch den Zugang zu den Produkten der globalen Marken sicherzustellen. Sicher gibt es einige große Händler, die auch ohne eine Verbundgruppe überleben können, aber für den klassischen, mittelständischen Fachhandel ist die Zugehörigkeit zu einer Verbundgruppe nötig, um morgen überhaupt noch eine Relevanz bei der Industrie zu haben.“

Das heißt aber zumindest für die beiden großen Verbundgruppen auch, dass es immer wichtiger wird sich zu vertikalisieren. So erklärt Intersport-Vorstandsvorsitzender Kim Roether: „Eine Genossenschaft lebt von ganz bestimmten Grundwerten, die gerade in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung für Stabilität stehen: Solidarität, selbstbestimmtes Unternehmertum oder die freiwillige Selbstverpflichtung. Der Erfolg einer Verbundgruppe erwächst aus Dienstleistungsangeboten, die den einzelnen Mitgliedern Nutzen stiften. Das Ziel ist die langfristige wirtschaftliche Förderung und nicht kurzfristiger Kapitalertrag. Der mittelständisch geprägte Einzelhandel ist in Deutschland dank der Genossenschaften ein Erfolgsmodell. Wenn wir diese Idee von demokratischem Unternehmergeist erfolgreich in die Zukunft bringen wollen, dann braucht es allerdings eine stärkere Rückbesinnung auf ihre ureigenen Grundwerte. Einzelinteressen und Egoismus haben darin keinen Platz. Eine modern aufgestellte Retailorganisation agiert schnell und trifft verbindliche Aussagen – nach innen und außen.“

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Kim Roether ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender der Intersport
© Intersport

Für die Sport 2000 bedeuten die dramatischen Veränderungen ebenfalls, dass „wir vertikaler werden müssen“. Das allerdings im eigenen Selbstverständnis, „ohne die unternehmerische Freiheit unserer Partner in Frage zu stellen“. Kein Partner, das will Geschäftsführer Andreas Rudolf klargestellt wissen, verliere seine Unabhängigkeit, wenn er zur Sport 2000 wechselt. Zwar nehme man die Händler auch in die Pflicht, eben um vertikaler zu werden. Das allerdings sei kein Selbstzweck, sondern notwendig, so Deters, „damit wir verbindlicher gegenüber unseren großen Lieferanten agieren können und so die Relevanz der Verbundgruppe und damit aller Sport 2000-Partner stärken.“

Mehr in die Pflicht nehmen, will die Intersport ihre Mitglieder. Denn, wie Kim Roether erklärt, „eine Verbundgruppe sollte beides miteinander verbinden können: das selbständige Unternehmertum und die Stärke einer überregional bekannten Marke. Wer bereit ist, sich bei verschiedenen Themen auf die Kompetenz der Gruppe zu verlassen, der gewinnt automatisch Zeit zur Schärfung des individuellen Profils als Händler vor Ort. Entscheidend dabei ist, dass sich der Kunde im Großen wie im Kleinen wiederfindet, dass seine Erwartungen erfüllt werden. Für uns heißt das ganz konkret, dass dort wo Intersport draufsteht, auch Intersport drin sein muss. Das sind Kundennähe, professionelle Beratung und der Service vor Ort. Das sind aber genauso moderner Ladenbau, emotionales Marketing und ein attraktiver Sortimentsaufbau. Als Verbundgruppe können wir all das leisten. Und als Dach setzen wir die kanalübergreifende zeitgemäße Kundenansprache drüber.“

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Carsten Sander verantwortet innerhalb des GMS-Verbundes die Einheit SportXtreme
© GMS-Verbund

Als Gegenmodell zu den etablierten Verbundgruppen positioniert sich seit dem Start der GMS-Verbund mit seiner Sporteinheit SportXtreme. Das macht man beispielsweise deutlich, indem die Verantwortlichen es vermeiden, von Mitgliedern zu sprechen, vielmehr von Kunden. Einem Kunden dürfe man in die eigene Philosophie nicht hineinreden. Die SportXtreme-Verantwortlichen Carsten Sander und Andy Korn erklären: „Jeder Sportfachhändler, der sich selbstständig mit seinem Sportgeschäft macht, hat eine Philosophie in seinem ’Tun’. Diese hat er in der Regel für sich selbstständig erarbeitet und geht dieser auch nach. Diese eigene Philosophie sollte die Grundlage des täglichen Handelns sein. Bei SportXtreme ist es ausdrücklich gewünscht, die eigene Philosophie selbständig aufrecht zu erhalten. Wir sehen den Sportfachhändler als Referenz vor Ort.“ Diese Herangehensweise an die eigenen Kunden unterscheidet sich deshalb nach ihrer Meinung diametral von den beiden großen Verbänden: „Der Verlust der Hoheit über den Ladenbau ist der Preis, den der Händler zahlt, wenn er sich die Marken, Themenwelten und deren Gestaltung auf seiner Fläche vorschreiben oder zum Teil sogar finanzieren oder bezahlen lässt. Und genau diese Markendarstellung, diese Themenwelten findet der Konsument überall. Der Fachhändler sollte eine Nische besetzen und als Spezialist wahrgenommen werden und so ein Alleinstellungsmerkmal haben. Die Angebote in Form von Früheinteilungsprogrammen, Sonderpaketen zu Großereignissen wie WM oder Olympia; Ordermessen gleichen teilweise einem Dschungel. Der Händlernutzen muss im Vordergrund stehen. Es ist ein verbreiteter Trugschluss, dass der Nutzen und die Zufriedenheit steigen, wenn die Zahl der Angebote, unter denen der Händler wählen kann, erhöht wird. Genau das Gegenteil ist der Fall: je mehr Auswahlmöglichkeiten dem Händler eingeräumt werden, desto unzufriedener wird er mit der schlussendlich getroffenen Auswahl. Daher plädieren wir schon immer für eine Spezialisierung in der Ausrichtung und dann auch in der Sortimentsgestaltung. Die Stichworte sind Spezialisierung, Positionierung und Fokussierung.“

Generell, das wird schnell deutlich, unterscheiden sich die Angebote der Verbundgruppen mittlerweile recht deutlich voneinander. Hier die Intersport, die von einer starken Dachmarke ausgehend, von den Mitgliedern erwartet, dass die Konsumenten in den Geschäften die Intersport-Angebote und -Atmosphäre finden, die sie von einem Intersport-gebrandeten Geschäft erwarten. Dort die Sport 2000, die sich nicht nur über die Generalisten in ihren Reihen definiert, sondern immer stärker über schlagkräftige Spezialisteneinheiten, wie die Outdoor-Profis, und mittlerweile auch über eine Reihe von Onlinehändlern. Schließlich die SportXtreme, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, sich ausschließlich an den individuellen Bedürfnissen ihrer ’Kunden’ zu orientieren.

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Sport 2000-Geschäftsführer Hans-Hermann Deters ist unter anderem für die Weiterentwicklung der Spezialistenkonzepte verantwortlich
© Sport 2000

Eine Strategie für die Zukunft sehen dabei viele Händler in der Spezialisierung. „Spezialisierung muss man ernst meinen“, führt Kim Roether aus. „Das darf keine Marketing-Aussage sein. Wir setzen das Thema inhaltlich geprägt um und bündeln dort, wo es Sinn macht, die notwendige Kompetenz. Entsprechende Konzepte sind gemeinsam mit der Intersport International Corp. (IIC) entwickelt worden. Daraus können wir Shop-Formate wie Run & Fit oder Outdoor ableiten. Konzepte und Formate alleine reichen aber nicht. Wenn unsere Händler als Spezialisten erfolgreich sein wollen, müssen wir uns als Verbundgruppe trauen, mit den uns zur Verfügung stehenden Daten viel intelligenter umzugehen. Markt-, Abverkaufs-, Flächen- und Kundendaten liefern die Basis für die richtigen Orders und einen effizienten Sortimentsaufbau. Verknüpft mit dem persönlichen Geschick und Netzwerk des Händlers lassen sich so starke lokale Marken unter dem Dach Intersport aufbauen.“ Auch hier steht also die starke Dachmarke im Vordergrund.

Einen gänzlich anderen Weg hat die Sport 2000 mit ihren Spezialisten-Einheiten Teamsport-Profis, Lauf-Profis und Outdoor-Profis eingeschlagen. Am etabliertesten sind dabei die Outdoor-Profis, die als eigenständige GmbH von Olaf Wittayer und Tim Wahnel geführt werden. Hans-Hermann Deters erläutert: „Wir haben für unsere Spezialisten eigene Geschäftseinheiten mit jeweils bedarfsgerechten Leistungen sowie einem spezialisierten Berater-Team.“ So gebe es ein jeweils eigenes Leistungsportfolio aus den typischen Basisleistungen der Verbundgruppe, wie Finanzdienstleistungen, Marketing, Schulungsprogrammen oder Expresslager. Für die Lauf-Profis sowie die Outdoor-Profis werden eigene Ordermessen in Mainhausen veranstaltet, die tatsächlich von Jahr zu Jahr besser geworden sind und von den Händlern angenommen wurden. Ganz aktuell konnten die Lauf-Profis mit dem finnischen Laufschuhhersteller Karhu eine exklusive Partnerschaft eingehen. Innerhalb der Teamsport-Profis wurde ein Experten-Beirat etabliert, der bei Marketing und Warenprogrammen entscheidet. Für die in den vergangenen Jahren erstarkte Gruppe der Onlinehändler werde jährlich ein Netzwerkforum mit relevanten Themen angeboten.

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Das moderne Orderzentrum O1 der Sport 2000 und der ANWR wurde Anfang 2017 eröffnet
© Sport 2000

Die entscheidende Frage formuliert angesichts des oben beschriebenen Konsumentenverhaltens Hans-Hermann Deters: „Wie sichert der Händler in Zeiten, da sich die großen Lieferanten eben nicht mehr am Handel, sondern am Konsumenten orientieren, seinen Platz?“ Die SportXtreme sieht die Frage eher von den Händlern selbst zu beantworten, die Verbundgruppe soll letztlich nur unterstützen. Carsten Sander und Andy Korn erläutern: „Der Fachbereich Teamsport wird getrieben durch Konditionen und Rabatte. Der Bereich Outdoor/Wintersport/Ski wird getrieben durch aggressive Preisgestaltung und die Witterung. Dies und die immer größer werdenden Vorgaben der Industrie, führen zu einer Veränderung in der Händlerstruktur. Das Stichwort hier lautet Konsolidierung. Auf die Anforderungen der Zukunft müssen die Händler Antworten finden. Die Verbundgruppen können und müssen hier Konzepte und Lösungswege aufzeigen und bei der Umsetzung unterstützen. Aber ganz wichtig hierbei ist, den Händler mitzunehmen. Solche Konzepte müssen immer aus der Händlergruppe kommen, denn sie müssen es am Ende vor Ort umsetzen und daher auch voll mittragen. Es darf nie von oben ’drüber gestülpt’ werden.“

Das wiederum sieht Andreas Rudolf ähnlich, wenn auch von einem anderen Standpunkt aus: „Man kann doch auch nicht sagen, dass dem Händler einerseits alles ’von oben’ vorgegeben wird und sich andererseits darüber beschweren, dass Entscheidungen zu lange dauern! Es nützt doch auch nichts, jede Idee als Strategie zu verkaufen und überstürzt umzusetzen. Es gilt vielmehr, dass diese Ideen gut durchdacht sein müssen, für unsere Partner passen müssen und wir daraus eine Zukunftsstrategie entwickeln! Wir müssen also immer den Mittelweg finden zwischen den schnellen Entscheidungen und der Individualität des einzelnen Händlers.“ Kollege Deters verweist auf das Zukunftsforum der ANWR, wo man „mit über 1.000 Teilnehmern über die Themen der Zukunft gesprochen und informiert hat. Es gibt bereits Pilotprojekte mit RFID, mit Frequenzmessung etc. Wir leben Themen wie die digitale Transformation.“

Wie die eigene Verbundgruppe in der Zukunft aussieht, dazu haben die Intersport-Verantwortlichen ganz klare Vorstellungen, die sie aktuell präsentieren. Kim Roether führt aus: „Jetzt forcieren wir den Ausbau unserer digitalen Kompetenz und entwickeln unser Multichannel-Modell weiter zu einer kooperativen Händlerplattform. Darüber hinaus packen wir das Datenthema konsequent an, verbessern ständig unser Produktdatenmanagement, setzen auf datengestützte Flächenkonzepte wie FitGesund oder RacketCourt. Es ist alles in Richtung Zukunft auf dem Weg. Es ist wichtig, dass wir als Gruppe schneller werden. Deshalb durchlaufen wir in den kommenden 36 Monaten die größte Veränderung in der Geschichte der Intersport – weg von einer klassisch geprägten Einkaufsgenossenschaft, hin zu einer modernen Retailorganisation. Erste Konzepte sind bereits ausgearbeitet und gehen nach und nach in die Umsetzung. Grundsätzlich brauchen wir dafür mehr Verbindlichkeit und vorgedachte Systembausteine. Gleichzeitig wollen wir unsere genossenschaftlichen Werte erhalten. Das ist unsere große Stärke gegenüber vertikal organisierten Unternehmen. Bei uns sind selbständige Händler in der Verantwortung, keine abhängig Beschäftigten. Das wird auch in Zukunft so bleiben.“ Man wolle den Mitgliedern durch vorgedachte modulare Vertriebsbausteine und Flächenkonzepte Freiräume schaffen, damit diese sich auf ihre Stärke im Verkaufen und in der Kundenbeziehung konzentrieren können. Der Systemvertrieb, den es bereits für Adidas und Nike gibt, soll ausgebaut werden, um sicher zu stellen, dass alle Händler an die Ware der großen Marken kommen und die richtigen Produkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Dazu werden derzeit schon neue Datenverträge mit den Mitgliedern unterzeichnet, um jene modularen Sortimente und ein noch datenbasierteres Arbeit zu ermöglichen. Gleichzeitig ist ein neues Warenwirtschaftssystem in Arbeit. Das Multichannel-Retail-Konzept wird zudem gänzlich umgebaut. Ware und Verkauf laufen dann direkt über die teilnehmenden Händler. Bereits zum dritten Quartal soll der neue Online-Auftritt der Intersport an den Start gehen. Dass es bereits jetzt aus dem Mitgliederkreis erste Unmutsbekundungen gibt, nimmt die Zentrale zur Kenntnis. Austritte von Händlern aus der Genossenschaft, wenn diese die Neuausrichtung nicht mittragen wollen, wären zwar äußerst schade, aber kein Grund, die notwendigen Veränderungen nicht einzuleiten.

Der Weg in eine Verbundgruppe ist aber nicht nur ein Weg des Wollens, sondern auch des Könnens. Die beiden großen Verbände haben mehr oder weniger strenge Aufnahmekriterien, welche neu aufzunehmende Händler erfüllen sollten. Für die Mainhausener Sport 2000 ist „die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit“, dass das zukünftige Mitglied ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen führt. „Zusätzlich“, so Hans-Hermann Deters, „gibt es qualitative Kriterien, die wir an den Geschäftsbetrieb stellen, ähnlich dem, was die Markenindustrie von einem Fachhändler erwartet.“

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Die SportXtreme-Zentrale befindet sich in bester Kölner Lage
© GMS-Verbund

Die Intersport bietet zwei verschiedene Formen der Mitgliedschaft. Zum einen kann ein Händler selbst zum Genossen werden. Thomas Römer, Ressortleiter der Intersport-Mitgliederbetreuung erläutert: „Möchte ein Unternehmer bei Intersport direkt in der Genossenschaft Mitglied werden, dann sollte die Verkaufsfläche seines Sportfachgeschäftes 400 qm nicht unterschreiten und eine Umsatzgröße zu Verkaufspreisen von ca. 1 Million Euro erreicht werden. Verbunden mit einer Aufnahme ist dann die Zeichnung von entsprechenden Genossenschaftsanteilen.“ Anders bei der Zusammenarbeit mit der Systempartner Intersport GmbH. Hier sollte bei einer VK-Fläche von mindestens 150 qm ein Umsatz von ca. 400.000 Euro erreicht werden. Systempartner müssen zudem eine sogenannte stille Einlage bei der Gesellschaft leisten. Römer weiter: „Egal, wo sie organisiert sind, erwarten wir von unseren Mitgliedern, dass sie unsere Werte vertreten und unser Markenversprechen leben. Über die Aufnahme entscheiden am Ende die zuständigen Gremien, wie Aufsichtsrat und Beirat.“

Sind Verbundgruppen alternativlos? Sicher nicht!

Jede Verbundgruppe hat mittlerweile ein ganz eigenes Leistungsportfolio entwickelt und steht für eine andere Form der Marktbearbeitung. Jede Verbundgruppe hat in den vergangenen Jahren ihre Konturen deutlich geschärft und wird diese in den kommenden Monaten weiter schärfen. Die Unterschiede zwischen Intersport, Sport 2000 und SportXtreme werden größer. Die Entscheidungsmöglichkeiten für jeden Sportfachhändler nehmen deshalb zu. Kein Händler ist auf Gedeih und Verderb an seine Verbundgruppe gebunden. Die Frage müsste also vielmehr lauten, ob die Mitgliedschaft generell in einer Verbundgruppe alternativlos ist. Die Antwort darauf dürfte sodann nicht ganz so eindeutig ausfallen. Auf der Suche nach zukunftsfähigen Konzepten haben alle drei Verbände ihre ganz eigenen Antworten gefunden. Ob für die 500 bis 1.000 freien Händler die richtige Strategie dabei ist, ob die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft jeweils erfüllt sind, darauf kann es immer nur ganz individuelle Antworten geben. Immerhin dürfte es sich in jedem Fall lohnen, die Vorurteile gegenüber den Verbundgruppen neu zu hinterfragen, neu herauszufinden, wie weit man selbst vom Selbstverständnis der Kooperationen entfernt ist und was einen mit den Kollegen aus der einen oder der anderen Gemeinschaft verbindet. Dabei wird es immer Händler geben, denen die eigene Unabhängigkeit wichtiger ist als die Zugehörigkeit zu einer Gruppe im besten Falle Gleichgesinnter.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2017