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Wanderschuhe 2020: Qualität gefragt!

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 19. Juni 2020  |  12:04 Uhr
Wandern gehört zu den großen Krisengewinnern – so viel ist jetzt schon klar. Kein Wunder, dass das Geschäft mit Outdoor-Schuhen früher anzog als das mit Textilien. Jetzt gilt es, die Bedarfskäufer zu binden – mit Qualität, Beratung und fairen Fachhandelspreisen!

Schuhe sind traditionell nach Bekleidung der stärkste Umsatzbringer im Outdoor-Handel – aufgrund der großen Kontinuität im Geschäft vielleicht sogar der Dankbarste. Bundesweit profitiert der Sport- und Outdoor-Fachhandel von starken und authentischen Marken mit hoher Qualität und vielen lukrativen Durchläufern – und kann da punkten, wo er am stärksten ist: Mit Qualität und kompetenter Beratung! Das Beste aber ist: Der Nachfrage nach guten Wanderschuhen & Co. scheint auch die Corona-Krise nichts anhaben zu können. Schon kurz nach der Wiedereröffnung standen die aktuellen Modelle der diversen Frühjahr-/Sommer-Kollektionen sowie die altbewährten Klassiker erneut im Fokus der Konsumenten.

Seit Mitte Mai ziehen die Umsätze mit Outdoor-Schuhen auch bei Intersport Weiß in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald) wieder deutlich an, berichtet Bettina Weiß. "Wir sind ein sehr beratungsintensives Geschäft, mit 80 Prozent Hartware, da sind Schuhe, insbesondere von Lowa, Meindl und Salewa, ein wichtiges Standbein.“

Im Fokus lägen aktuell Multifunktions- und leichte Schuhe. „Gerade erst habe eine Aktion mit reduziertem Lowa-Halbschuhe viele Leute in den Laden gebracht.“ Lediglich die klassischen Bergstiefel seien auch trotz der 14tägigen Pfingstferien in Baden-Württemberg noch nicht gefragt. „Für Urlauber, Hüttentouren, Alpenüberquerungen war bisher ja noch nicht klar, wie es weitergeht mit Urlaub.“ Und auch Trail-Running sei aktuell noch kein Thema: „Das bezieht sich ja auch auf die Berge …“

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"Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?" – Wandern und das Naturerleben verzeichnen in Corona-Zeiten nochmals einen Schub.
© Thomas Grüner

„Im Moment punkten leichte und multifunktionelle Outdoor-Schuhe“, weiß auch Markus Strefling, Vertriebsleiter bei Lowa in Jetzendorf. „Im Sommer wird dann aber sicherlich auch die Nachfrage nach Trekking- und klassischen Bergschuhen steigen, da der Tourismus im Alpenraum wieder langsam zunimmt.“

Seine aktuelle Empfehlung: die leichten Halbschuhe aus der Kategorie „All Terrain Sport“ wie beispielsweise die Modelle aus der INNOX-Serie oder den MADDOX. „Diese Modelle eigenen sich perfekt für Touren vor der Haustür oder bei Kurztrips. Darüber hinaus würde ich zu unseren Modellen der EXPLORER-Serie raten. Ob zum Wandern, Biken oder einfach nur spazieren gehen – für das Bergerlebnis sind diese Modelle sicherlich die optimalen Begleiter. Zudem sind natürlich auch unser Bestseller CAMINO GTX und MAURIA GTX Ws sehr gut für die nächster Wandertour geeignet.“

Für die kommende Urlaubsaison rechnet der Vertriebsexperte mit einem generell guten Geschäft:„Das Thema Outdoorsport wird stark fokussiert. Egal, ob wandern, bergsteigen, biken oder klettern. Aufgrund der regionalen Ausprägung für den kommenden Urlaub sind Freizeitsportarten stärker gefragt, so dass speziell im Bereich Schuhe und Zubehör mit einem erhöhten Bedarf zu rechnen ist. Wir haben unser B2B-Serviceportal mit aktuellen Werbeartikeln ausgestattet und bieten somit vollumfängliche Unterstützung zur Darstellung der Themen Wandern und Outdoorsport. Des Weiteren konnten wir auf die aktuelle Situation reagieren und haben einige Direktmaßnahmen für die Abstandsregeln in den Geschäft entwickelt. Diese sind auch im B2B-Webshop ohne Berechnung erhältlich. Zusätzlich steht unser geschulter Außendienst mit Rat und Tat zur Verfügung.“

Für Stefan Müller, Vertriebsleiter bei Meindl, bleiben Beratung und Service das beste Mittel, um möglichst bald wieder zu gewohnten Umsätzen zu kommen. „Die Kunden, die jetzt in den Laden kommen, wollen gezielt etwas kaufen“, weiß der langjährige Vertriebsprofi, der früher auch selbst im Handel tätig war. „Deswegen ist es meiner Meinung nach gerade jetzt wichtig, dass man eine gute Beratung und super Service bietet. Damit kann sich der Fachhandel wieder neu profilieren und neue Stammkunden gewinnen.“ Auf den Kunden oder die Kundin eingehen, die Passform eines Schuhs und die Funktion in den Vordergrund stellen, über die Pflege sprechen, zusätzliche Tipps geben – „das sind Kleinigkeiten, die keinem weh tun, aber den Kunden spüren lassen, dass es dem Händler um mehr geht als den bloßen Umsatz“, erklärt Müller.

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Darf‘s auch mehr sein? Zum Beispiel einen perfekten Zweitschuh für viele Anlässe ...
© Meindl

Gleiches gilt für zusätzliche Produktempfehlungen: „Unser neuer Zweitschuh Pure Freedom ist da zum Beispiel ein Thema – der ist immer ein guter Zusatzverkauf, auch wenn jemand ein Zelt kauft oder ähnliches.“ Dank seines kleinen Packmaßes und seines minimalen Gewichts passt er in jeden Rucksack und eignet sich somit bestens als Zweitschuh auf Reisen oder bei Bergtouren. Geliefert wird das Modell in einem kleinen Beutel, damit die Schuhe auch immer gut verstaut sind.

„Hierzu haben wir auch ein POS-Präsenter,“ erklärt Müller. Auf große Aktionen oder Sonderpreise verzichtet Meindl. „Das brauchen die Händler jetzt auch nicht, sondern schätzen, dass wir traditionell extrem viele Durchläufer im Programm haben. So müssen unsere Händler unsere Schuhe gar nicht raushauen, nur weil bald eine neue Kollektion kommt.“

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Leichte und multifunktionelle Outdoor-Schuhe stehen bei den Kunden und Kundinnen aktuell im Fokus.
© Meindl, Lowa

Leider erliegen aktuell doch einige Händler der Versuchung, mit Rotstiftpreisen Kunden zu locken: Intersport Voswinkel wirft den LOWA Toledo GTX im Juni für 99,99 anstelle von 139,99 Euro in den Ring. Bei Décathlon gibt’s den ultimativen Klassiker „Renegade“ als Auslaufmodell für 119,99 anstelle von 169,99 Euro – immerhin 29 Prozent, wie es große, rote Zahlen verraten. Den Columbia „Peakfreak2“ gibt es mit 22 Prozent Rabatt – günstiger wird das Wander(erlebnis?) nur noch mit Quechua & Co ...

Bei Sport Scheck gibt es 20 Prozent auf alles. Auch Meindl-Schuhe werden unter UVP angeboten – allerdings nur über die Online-Plattform. Corona hin oder her: Spezielle Fachberatung und überdurchschnittlichen Service sollte (und kann auch!) selbst in solch außergewöhnlichen Zeiten wie diesen nach wie vor seinen Preis haben …

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2020