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Service verbindet – Letzter Teil

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 22. Oktober 2019  |  12:27 Uhr
Skiservice spült nicht nur verlässlich Umsatz in die Kasse, Skiservice erweist sich auch als Kundenbindungsinstrument. sportFACHHANDEL wollte wissen, warum ganz unterschiedliche Händler auf Skiservice als Geschäftsmodell setzen. Heute: Pro Service Bürs.

Es gibt sie, die Erfolgsgeschichten im Sportfachhandel. Besonders interessante Erfolgsgeschichten schreibt dabei seit einigen Jahren der Skiservice. Mit Kompetenz, die Kunden begeistert, binden Händler Skifahrer an sich. Das beflügelt nicht nur das Werkstattgeschäft, sondern in der Regel immer auch den Verkauf. Das ist umso verwunderlicher, als dass die Servicemaschinen der großen Hersteller immer mit einer hohen Investition verbunden sind. Händler, die sich davon nicht schrecken lassen, berichten jedoch davon, dass sich das Risiko lohnt, wenn die eigene Werkstattleistung zum Alleinstellungsmerkmal wird. sportFACHHANDEL portraitiert ganz unterschiedliche Händler, die jeder für sich ihre ganz individuelle Erfolgsgeschichte erzählen können.

In den ersten beiden Teilen der Reihe hatten wir das Sporthaus Göpfert in Dresden (siehe Service verbindet – Teil 1) sowie Intersport Fleiss in Bad Hofgastein (siehe Service verbindet – Teil 2) portraitiert. Im letzten Teil unserer Serie widmen wir uns Jan Klocker von Pro Service Bürs. Der Österreicher setzt nicht auf die Touristenmassen am Berg, sondern überzeugt mit seinem exzellenten Skiservice die Einheimischen.

„Gelebte Passion“

Bereits mit 13 Jahren hat Jan Klocker seine und die Skier von Familie und Freunden selbst präpariert, mit eigenem Taschengeld finanziert und mit minimalistischem Werkzeug gearbeitet. Lange blieb die Werkstatt eine Garagenwerkstatt und doch immer eine Vision. Klocker, leidenschaftlicher Skifahrer, ehemaliger Skirennläufer, Skilehrer und Skitrainer, hat seine Vision 2017 im österreichischen Bürs mit seinem Pro Service Bürs Realität werden lassen.

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Stolz präsentiert Jan Klocker seine Skiservice-Werkstatt. Er setzt ganz auf Qualität.
© Reichmann

Gerade bereitet er sich auf seine dritte Saison vor. Pro Service Bürs ist auf nur 100 Quadratmetern eine Werkstatt mit einem kleinen Shop. Zum Verkauf stehen Ski, Skischuhe, Skihelme und Brillen sowie diverse Materialien für die Skipräparation. Sein Hauptaugenmerk, berichtet Jan Klocker, liege aber auf der Werkstatt: „Das Potential, allein mit einer Werkstatt erfolgreich zu sein, ist da. Hochwertiger Service wird mehr und mehr nachgefragt und setzt sich auf Dauer durch. Denn hochwertiges Material braucht hochwertige Pflege. Dafür stehe ich mit Pro Service Bürs. Das ist mein Geschäftsmodell. Kunden, die mit dem Ski-Service zufrieden sind, kommen immer wieder. Und sie empfehlen den Service weiter. Erfolgreiche Werbung durch Mund-zu-Mund Propaganda: Was will man mehr?“

Dabei hat sich Klocker bewusst abseits des Skilifts in einem Wohngebiet angesiedelt. Auf Laufkundschaft oder Touristen setzt er nicht. „Zu mir kommen nur Leute, die mich und den Pro Service Bürs suchen und kennen oder die von zufriedenen Kunden von meinem Service erfahren haben.“ Der Großteil seiner Kunden sind Skibegeisterte aus der Region, aber auch über die Landesgrenzen hinaus (Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Deutschland) sowie einige Rennläufer, die Klocker durch die eigene Rennerfahrung betreut. Zusätzlich lassen einige ausgewählte Geschäfte den Ski-Service bei Pro Service Bürs durchführen. Kunden können in dem kleinen Geschäft direkt in die Werkstatt hineinschauen. Diese ist vom Publikumsverkehr nur durch das Verkaufspult getrennt. Klocker setzt unter anderem auf die SF 4 Race Pro von Reichmann. Um auch optisch zu überzeugen, hat er die Werkstatt farblich der Firma Reichmann angepasst.

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Letztlich, so Jan Klocker, sei es besser „800 Paar Ski mit einem hochwertigen Service zu einem angemessenen Preis zu präparieren als bei 1.600 Paar Ski einen unzureichenden Service von der Stange zu machen."
© Reichmann

Klocker lebt die eigene Passion und weiß aus Überzeugung, dass man als Skifahrer das Potential des Materials nur ausschöpfen kann, wenn der Service perfekt ist. Er will seinen Kunden individuellen Service bieten und berücksichtigt Fahrstil und Können, Alter und auch eventuell vorhandene gesundheitliche Einschränkungen, um den Kunden das bestmöglich angepasste Material übergeben zu können. So könne „die maximale Fahrfreude ausgeschöpft“ werden. 30 Prozent bis 35 Prozent seiner Aufträge sind Tourenski, der Rest Alpinski. Der markanteste Unterschied ist dabei der Service der Kanten, die bei den Tourenski nicht ganz so scharf sind, sowie Belag-schonendes Schleifen, da bei den Tourenskiern der vorhandene Belag werkseitig dünner ist.

In seiner zweiten Saison konnte der Pro Service Bürs den eigenen Kundenstamm bereits um ein Drittel steigern. Der Erfolg soll fortgesetzt werden. Der leidenschaftliche Skifahrer ist „sehr zuversichtlich, dass dies auch in dieser Saison wieder gelingt.“ Die Stückzahl der präparierten Skier ist für ihn dabei aber nicht entscheidend. Letztlich sei es doch besser „800 Paar Ski mit einem hochwertigen Service zu einem angemessenen Preis zu präparieren als bei 1.600 Paar Ski einen unzureichenden Service von der Stange zu machen. Für mich zählt die Individualität, und hier geht Qualität definitiv vor Quantität“.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL