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Digitale Preisschilder: Schnell, sicher, effizient!

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 17. August 2018  |  11:53 Uhr
An Tankstellen sind sie Gang und Gäbe. Auch in Elektronik-Märkten sieht man sie mittlerweile. Die Rede ist von elektronischen Preisschildern. Das Sportfachgeschäft Nordsport hat nun in seiner Rellinger Filiale den Einsatz des so bezeichneten Digital Pricing getestet.

Als das Elmshorner Sportfachgeschäft Nordsport im vergangenen November eine Filiale in Rellingen, direkt an der Landesgrenze zu Hamburg eröffnete, beschlossen Geschäftsleiter Thomas Themm und sein Team, digitale Preisschilder zu testen. Dabei können nicht nur alle Informationen, die heute auf einem Papierpreisschild enthalten sind, angezeigt werden, sondern auch Zusatzinformationen. Das reicht von Preisgegenüberstellungen bis hin zu Bestandsinformationen. Möglich wäre darüber hinaus theoretisch auch die Warensicherung, ebenso wie beispielsweise die Lagerbestandskontrolle, wenn jeder einzelne Artikel mit einem digitalen Preisschild versehen ist.

Generell unterscheidet man zwei Arten von elektronischen Preisschildern: Electronic Shelf Label (ESL) werden, wie der Name schon sagt, am Regal angebracht und eignen sich beispielsweise für Hartwarensortimente oder auch die Schuhwand. Electronic Product Label (EPL) werden beispielsweise als Hängeetikett an der Ware zum separaten Auszeichnen einzelner Teile angebracht. Nordsport testete zunächst die Electronic Shelf Label an der Schuhwand. An der Vorwahlwand können die elektronischen Preisschilder leicht angebracht werden. Soeben hat man zudem den Test auch auf Hartwaren, wie Bälle erweitert.

„Wir haben uns unter anderem wegen des hohen Wettbewerbsdrucks in Hamburg für die digitalen Preisschilder entschieden, um so auf Preispunkte von örtlichen Wettbewerbern oder Online-Preisen reagieren zu können. Wir sind sicher nicht die günstigsten vor Ort, wir wollen aber marktgerechte Preise in unserer Region abbilden“, erklärt Thomas Themm. Und mit digitalen Preisen seien auch Marketingaktionen einfacher umzusetzen. „Wenn wir bisher Aktionen gefahren haben, mussten alle betreffenden Preisschilder von Hand geändert werden. Mit den digitalen Preisschildern kann ich die Preise für einen Erlebnisbereich mit wenigen Klicks so ändern, dass sie am nächsten Tag an der Ware erscheinen.“ Und auch bei Auslaufmodellen sollten die Preise dynamischer werden. Ein weiterer Grund sei zudem die bessere Einbindung in das Multichannel-Geschäft: „Wir können nun ohne großen Aufwand Preise unserer Filiale und die Preise unseres Onlineshops identisch gestalten.“

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Thomas Themm und sein Team eröffneten im November eine Nordsport-Filiale in Rellingen und testen dort die Möglichkeiten von elektronischen Preisetiketten.
© Nordsport

Die Vorteile von elektronischen Preisetiketten liegen demnach auf der Hand: „Dynamische Preise helfen uns bei der Lageroptimierung und Absatzsteuerung“, erläutert Thomas Themm. Beispielsweise kann nun ein Schuh, den es in drei Farbstellungen gibt, nicht nur mit drei verschiedenen Preisen ausgezeichnet werden, je nachdem, welche Farbe besser läuft. Die Preise können auch angepasst werden. Eben­so kann Vorsaison- oder Auslaufware dynamisch bepreist werden. Generell sieht Themm in der Möglichkeit schnell und einfach auf Marktpreise besser zu reagieren, den großen Vorteil der elektronischen Preisetiketten. Volker Gromer, Leiter Data Analytics bei der ANWR, der das Projekt bei Nordsport seitens der Verbundgruppe aufmerksam verfolgt und begleitet, fügt hinzu: „Digitale Preis­etiketten bieten aus unserer Sicht die Möglichkeit, Preise häufiger anzupassen als es heute in der Regel der Fall ist. Das Ziel ist dabei insbesondere, eine bessere und intelligentere Form der Abschriften vorzunehmen. Es ist so beispielsweise nicht mehr nötig, Sortimente pauschal zu reduzieren, sondern Reduktionen können artikel- oder warengruppenspezifisch umgesetzt werden. So können Preisschilder je nach Zielsetzung des Händlers dabei helfen, den Umsatz, den Ertrag oder den Bestand zu optimieren.“

Möglich ist das, weil sämtliche Informationen, die in der Warenwirtschaft hinterlegt sind, für die Generierung des Preisschildes genutzt werden können. Die technische Infrastruktur ist vergleichsweise einfach. Es genügen ein Server mit einer Schnittstelle zur Warenwirtschaft, ein entsprechendes Tool innerhalb der WWS, in dem man die Preise bearbeiten kann, Wifi im Laden und je nach Ladengröße ein oder mehrere Access-Points, die die Informationen auf die Preisschilder spielen. Um die Preisauszeichnung vorzunehmen müssen die Preisetiketten und die Ware „verheiratet“ werden. Dazu werden mit einem Scanner der EAN-Code des Preisschildes und der EAN-Code des Produktes einander zugewiesen. Über einen Sender können nun die Informationen aus der Warenwirtschaft, wie beispielsweise die UVP, der Hauspreis, Artikelnummer oder Artikelname für das Produkt abgerufen und auf das digitale Preisschild aufgespielt werden. Die Preise können beispielsweise nach FEDAS-Schlüssel, nach Lieferanten oder nach Erlebnisgruppen angepasst werden. Einzelpreise können sofort geändert werden, Preise für Aktionen werden bei Nordsport per Nachtlauf geändert.

„Bisher haben unsere Mitarbeiter die Preisschilder von Hand aufgebracht. Die Umstellung auf digitale Preisschilder, wo die Ware mit dem Preisschild verheiratet wird und die Preise über Nacht zentral geändert werden können, war zunächst natürlich gewöhnungsbedürftig. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die ein neues System zu Beginn nun einmal hat, kommen die Mitarbeiter nun aber sehr gut zurecht,“ berichtet Themm. Die Investition lag dabei „im fünfstelligen Bereich. Im Gegenzug sparen wir deutlich beim Aufwand für den Wareneingang, die Ware muss nur auf Vollständigkeit geprüft und zugewiesen werden. Zudem können wir nun die Vorteile der Preisschilder nutzen, also kurz gesagt: Die richtigen Preise zur richtigen Zeit, um die Rendite zu optimieren.“ Denn die Kunden würden digitale Preisschilder längst nicht mehr als ungewöhnlich betrachten. „Das hat sicherlich auch mit dem Lerneffekt aus dem Onlinehandel zu tun. Preisänderungen werden dabei nicht als Kaufhinderungsgrund wahrgenommen“, beobachtete Themm.

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Marktgerechte Preise sind für Nordsport in dem wettbewerbsintensiven Hamburger Umfeld eine Notwendigkeit. Umso wichtiger sei es, auf die aktuellen Marktpreise schnell reagieren zu können. Die Lösung: elektronische Preisschilder.
© Nordsport

Das Pilotprojekt mit Nordsport habe zwei wichtige Erkenntnisse gebracht, stellt Volker Gromer fest: „Erstens, die Technik funktioniert reibungslos, und zweitens, der Kunde akzeptiert elektronische Etiketten.“ Es hätte sich erwiesen, dass die Schnittstellen zwischen Warenwirtschaft und Preisschildern funktionieren und die zuvor festgelegten Preise automatisch auf die Preisschilder überspielt werden. Genauso liefen die Prozesse „Verheiratung“ und „Scheidung“ einwandfrei und die verschiedenen Darstellungsfunktionen auf den Preisschildern und die Farbabbildungen seien gut umsetzbar. Zudem habe es seitens der Kunden „keinerlei negative Rückmeldungen gegeben.

Von den Erfahrungen, die Nordsport gemacht hat, sollen nun alle ANWR- und Sport 2000-Mitglieder profitieren. Volker Gromer schätzt, dass „insbeson­dere Händler mit größeren Flächen von der neuen Technik profitieren werden. Hier werden die Effizienz­gewinne unmittelbar deutlich. Bei beratungsintensiven Formaten, z.B. den klassischen Spezialisten, sehe ich das Thema eher weniger, weil hier die Beratung dominiert und der Preis im Idealfall in den Hintergrund rückt.“ Die Verbundgruppe wolle ihren Händlern einen Überblick über die Möglichkeiten der digitalen Preisauszeichnung vermitteln und werde das Innovationsthema „Dynamic Pricing“ mit all seinen Facetten zum Beispiel auf dem Zukunftsforum im November präsentieren. Auch Nordsport plant derweil schon weiter. Aktuell sucht Themm nach einem Weg, elektronische Preisschilder auch für Textilien nutz­bar zu machen. Aufgrund der Präsentation im Shop müsste hier allerdings eigentlich an jedem Teil ein Preisschild angebracht werden. Daher empfiehlt Themm, die Umstellung auf digitale Preisschilder „Step by Step“ anzugehen und Erfahrungen mit den einzelnen Kategorien zu sammeln. „Wenn eine Routine entwickelt wurde, kann man die Preisschilder auf weitere Sortimente ausweiten.“

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2018