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Hilmar Bolle: "Rossignol sprudelt vor Ideen"

  • Andreas Mayer
  • Sonntag | 28. Januar 2018  |  16:21 Uhr
Hilmar Bolle, bei Rossignol für Deutschland und seit Oktober auch für Österreich zuständig, erklärt, was hinter den jüngsten Übernahmen im Bike- und Trailrunningsektor steckt und warum Rossignol trotzdem eine Wintersportmarke bleibt.

Text: Andreas Mayer

sportFACHHANDEL: Hilmar Bolle, zunächst fällt auf, dass Sie hier in München mit der gleichen Standgröße präsent sind wie im vergangenen Jahr auf der ISPO ...

Hilmar Bolle: Nicht ganz! Wir haben sogar hundert Quadratmeter dazu gebucht. Durch die neue Aufteilung haben wir die Halle gewechselt und konnten den Platz besser nutzen.

sportFACHHANDEL: Wie sehen Sie die Entscheidung der Amer Group, mit Atomic und Salomon nicht mehr auf der ISPO auszustellen?

Hilmar Bolle: Wir denken, dieser Schritt ist für die Branche insgesamt nicht gut. Für mich ist das auch ein schlechtes Zeichen in der Außendarstellung. Ein Winterhartwarenlieferant bedient nicht mehr die wichtigste Plattform der Branche - und das ist nun einmal die ISPO. Das ganze Ausmaß dieser Entscheidung werden wir erst jetzt während der Messe mitbekommen. Fachbesucher aus aller Welt ebenso wie die Journalisten sehen, dass der Marktführer nicht mehr dabei ist. Wir als Rossignol stehen zur ISPO 2018. Und wir stehen auch zur ISPO 2019, müssen aber natürlich abwarten, was auf uns zukommt. Für uns war der ISPO-Besuch gerade in den vergangenen Jahren, die für Rossignol von Wachstum weltweit und auch in Mitteleuropa geprägt waren, auch immer ein Zeichen, dass wir an unseren Markt glauben. Und wir nutzen die Messe ja auch, um in unserer Rossignol-Community zusammen zu kommen.

sportFACHHANDEL: Das heißt aber auch, dass Rossignol nicht der letzte sein wird, der in den Skihallen das Licht ausmacht ...

Hilmar Bolle: Die Frage lautet doch: Macht es Sinn, wenn wir es sind, die als letzter Skihersteller noch eine einsame Fläche auf der Messe haben? Also wird Rossignol auch nicht "das Licht ausmachen"! Vielmehr müssen wir als Lieferanten zusammenstehen und dem Markt, dem Handel etwas bieten.

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Eine Wintersportmesse ohne Rossignol? Schwer vorstellbar, meint Hilmar Bolle.
© Dynastar

sportFACHHANDEL: Gibt es denn im Hintergrund Gespräche unter den Marktteilnehmern?

Hilmar Bolle: Ja, selbstverständlich finden gerade viele Gespräche zum Thema statt. Ergebnis? Offen ...

sportFACHHANDEL: Zwischenzeitlich engagiert sich Rossignol auch in den Sommersegmenten. Sie haben dafür kürzlich die US-Marken Felt sowie Raidlight-Verticle übernommen - ist das ein langsamer Abschied vom Wintersport?

Hilmar Bolle: Ganz im Gegenteil. Wir wollen mit einem Bike- und Outdoor-Engagement zum Ganzjahresanbieter werden. Unsere Kernkompetenz bleibt dabei aber ganz klar der Winter - und Rossignol sprudelt vor Ideen für die kommenden Jahre!

sportFACHHANDEL: Trotzdem gibt es demnächst Rossignol Bikes und Rossignol Trailrunning-Ausrüstung?

Hilmar Bolle: Wir werden gemeinsam mit unseren Handelspartnern diese Geschäftsfelder ausbauen und Synergien nutzen, die wir als Wintersportmarke auch im Sommer ausschöpfen können. Dabei werden die Rossignol-Bikes von den angestammten Rossignol-Außendienstlern betreut, Raidlight von unseren Dynastar- und Lange-Außendienstlern. Die neuen Marken werden auch in unseren Showrooms in Deutschland und Österreich präsentiert. Felt ist jetzt ganz frisch nicht mehr bei Sport Import, sondern hier bei uns in München. Das heißt, München ist der erste Rossigol-Standort, an dem alle Marken der Gruppe versammelt sind.

sportFACHHANDEL: Es wurden auch neue Mitarbeiter eingestellt ...

Hilmar Bolle: Ja, wir wollen die Dienstleistung und den Kontakt zu unseren Handelspartnern stärken. Als Dienstleister für den Handel wollen wir die Nummer Eins sein. Wir haben das Marketing, den Langlaufbereich, den Customer Service, den Key-Account-Bereich personell gestärkt.

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Seit vergangenem Oktober für Deutschland und Österreich verantwortlich: Rossignol Country Manager Hilmar Bolle
© Rossignol

sportFACHHANDEL: Rossignol steht also weiter zum Sportfachhandel?

Hilmar Bolle: Ja. Wir zeigen damit ganz klar, dass wir zum Sportfachhandel stehen. Gerade wenn andere Unternehmen Schwierigkeiten haben oder politische Entscheidungen treffen, wie nicht mehr auf der ISPO auszustellen, den Außendienst zu reduzieren, um sich neu aufzustellen, dann haben wir die Chance die Lücken, die sich bieten, zu füllen.

sportFACHHANDEL: Neben den neuen Segmenten durch Zukäufe ist Rossignol jetzt auch Paddletennis-Anbieter.

Hilmar Bolle: Paddletennis ist in Deutschland sicher noch ein kleines Pflänzchen. Aber die Aufmerksamkeit wird größer. Paddletennis kommt aus den spanischsprachigen Ländern. Rossignol hat eine große Produktion in Barcelona, mit Time haben wir eine Marke mit Carbon-Know-how im Portfolio. Da lag die Verbindung nahe, dass wir uns in einer aufstrebenden Sportart wie Paddletennis engagieren können. In Deutschland fehlen noch die Paddle-Fields. Aber es werden mehr und ich bin gespannt, wie sich Paddletennis in Deutschland entwickelt.

sportFACHHANDEL: Vor zwei Saisons sind Sie auch mit Rossignol-Bekleidung gestartet. Wie läuft der Textilbereich, in dem es ja nun doch gehörig Konkurrenz gibt?

Hilmar Bolle: Der Textilbereich ist ein wichtiger Teil unserer Strategie, den wir auch weiter ausbauen. Die Kollektion ist sehr französisch, wie gemacht für den modischen Apres Ski. In den vergangenen beiden Jahren hatten wir deutliche Zuwächse in diesem Segment. Die Vorlagen für die neue Saison sind wieder sehr vielversprechend.

sportFACHHANDEL: Wie sehen Sie den Skimarkt langfristig?

Hilmar Bolle: Die Hardcore-Skifahrer wird es weiter geben. Aber es ist zu bemerken, dass beispielsweise in den Skiorten die Verweilzeit zurückgeht. Skifahren ist zu einem Kostenfaktor geworden, den sich Familien immer seltener, zumindest aber immer kürzer leisten können und wollen. Es ist mit Sicherheit eine unserer größten Herausforderungen, den Nachwuchs auf die Ski zu bringen.

sportFACHHANDEL: Macht Ihnen das zunehmende Verleihgeschäft Sorgen?

Hilmar Bolle: Man muss konstatieren, dass das Verleihgeschäft insbesondere im Alpenraum eine große Bedeutung gewonnen hat. Deutschland aber ist insgesamt ein Retail-Markt. Das wird in den kommenden Jahren auch so bleiben. Es kommt aber darauf an, den Markt in Deutschland auch zu bedienen und den Skifahrern die richtigen Angebote zu machen.

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Mit den aktuellen Zukäufen im Bike- und Outdoor-Segment will Rossignol zum Ganzjahresanbieter werden ohne die Wintersportkompetenz zu vernachlässigen.
© Ronny Kiaulehn

sportFACHHANDEL: Wie sieht es im Langlauf-Bereich aus?

Hilmar Bolle: Den bauen wir sogar aus. Wir wachsen im nordischen Bereich als Marke weltweit enorm. Unsere neue Bindung Turnamic, die wir zusammen mit Fischer entwickelt haben, pusht den Bereich.

sportFACHHANDEL: Und worauf legen Sie auf der ISPO den Fokus?

Hilmar Bolle: Der Fokus liegt auf der neuen Race-Kollektion des Hero: Neue Ski mit neuen Techniken und Optiken für die Olympiasaison. Wir haben weiter eine neue All-Mountain- und eine neue Damenlinie. Bei den Skischuhen geht es verstärkt in den Bereich Schuhe mit Geh-und Steh-Funktion, also mit einem Dynafit-Einsatz und einer Aufstiegsbindung. Im Damenbereich legen wir den Fokus auf beheizbare Schuhe. Bei Dynastar, unserer kleinen und feinen Marke, kommen wir mit einer neuen Race-Kollektion und sehr leichten Tourenski. Lange bietet im zweiten Jahr die neue Kunststoff-Technologie Dualcore an, ein Sandwich-Einspritzverfahren. Das haben wir jetzt auf alle Schuhe heruntergebrochen.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2018