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Hexen von heute

  • Anita Klingler
  • Donnerstag | 11. Juli 2013  |  00:21 Uhr
Die Jagd ist eröffnet: Im vergangenen Frühjahr hat die Textilbranche einiges an schlechter Publicity wegstecken müssen. Schließlich geht es alle an, wenn einzelne Hersteller in der Kritik stehen. In dieser Ausgabe des Online-TÜV kratzen wir an der Oberfläche des Themas „fair produzierte Kleidung“.

Anfang Mai ist eine Textilfabrik in Bangladesch eingestürzt, vergangenen Herbst brannte eine Fabrik in Pakistan. Immer wieder passieren Unfälle, die auf mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und prekäre Arbeitsverhältnisse zurückzuführen sind. Das wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf einzelne Hersteller, sondern auf die gesamte Branche.

Nicht nur große Modeketten wie H&M oder C&A sind hier zunehmend gefordert, gerade auch Sportartikel-Hersteller können mit grüner und fairer Mode punkten – und sind hier zum Teil weiter als andere.

Sport-Branche ist Vorreiter

Im Firmen-Check des österreichischen Ablegers der „Kampagne für saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign, CCC) werden einige bekannte Sportartikel- und Outdoor-Hersteller lobend erwähnt, etwa Maier Sports, Odlo, Patagonia, Schöffel und Jack Wolfskin. Andere wie Nitro und Burton gehören demnach zu den „Verweigerern“. Auch in der Branche ist also reichlich Luft nach oben.

Umso lobenswerter ist es, wenn heimische Firmen von sich aus auf Fairplay bei der Produktion setzen – wie Jako. Das Familienunternehmen ist in Mulfingen (Baden-Württemberg) beheimatet und existiert seit 1989. Sein Motto: „Von Sportlern für Sportler“ – spielte Gründer Rudi Sprügel seinerzeit doch mit den Würzburger Kickers in der zweiten Bundesliga.

Mix aus Prüfsiegeln und eigenen Kontrollen

Seit mehreren Jahren unterstützt Jako die Initiative „sozial-fair“ des Verbandes der Fertigwarenimporteure (VFI) e.V. Der Verein soll etwa gewährleisten, dass Mindeststandards für Gesundheit und Sicherheit im Arbeitsumfeld sichergestellt werden. Außerdem ist Zwangsarbeit verboten. Kinderarbeit ist indes „im Rahmen nationaler Regeln“ erlaubt.

Aus diesem Grund verpflichtet Jako seine Lieferanten dazu, einen eigenen Verhaltenskodex einzuhalten, der etwa auch Kinderarbeit verbietet. Die Einhaltung dieser Regeln prüft der Hersteller nach eigenen Angaben selbst – und besucht regelmäßig seine Produktionsstätten. Die Fabriken, in denen Bälle für Jako gefertigt werden, sind zudem von der IMAC (Independent Monitoring Association for Child Labour) zertifiziert.

Grüne Umweltbilanz

Jako versucht auch in anderen Bereichen, umweltbewusst zu handeln. In Zukunft will das Unternehmen ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Ein Projekt dazu ist der Firma zufolge eingeleitet.

Auch bei seinen Lieferanten achtet Jako auf eine grüne Bilanz: Bei Produktionspartnern „sind diverse Projekte im Gang, um Energie und Rohstoffe optimal zu nutzen“. Beispielsweise würden in den Arbeitspausen Licht, Produktionsmaschinen und Klimaanlagen ausgeschaltet. Außerdem versucht Jako, den Ausschuss zu reduzieren. Stoffe und Zubehöre werden mit dem gleichen Transportmittel zur Fabrik geliefert, mit dem auch die fertige Ware abtransportiert wird.

Vor allem wichtig: Transparenz

Wer wie Jako Wert darauf legt, seine Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen, sollte damit nicht hinter dem Berg halten. Mitte Mai haben 31 Textilfirmen in Deutschland ein Sicherheitsabkommen für Produktionsstätten in Bangladesch unterzeichnet. Allerorts werden Rufe nach nachhaltiger und fair produzierter Kleidung laut.

Wer sich jedoch ein wenig mit dem Thema auseinandersetzt, erkennt schnell, wie große Verwirrung hier auf Kundenseite tatsächlich herrscht. Kaum jemand weiß, wo er gefahrlos einkaufen kann. Zu viele Siegel, zu wenig Transparenz: das sind die Hauptprobleme. Umso wichtiger wird es künftig für Händler sein, das eigene Engagement herauszustellen.

Auf seiner Website informiert Jako zwar in einer Infobox darüber, dass seine Artikel direkt vom Hersteller zum Kunden kommen und fair gehandelt sind, versäumt es aber, zu erklären, was genau das bedeutet.

Zudem fehlt ein Link. Wer sich informieren will, muss relativ umständlich über den Menüpunkt „Über Jako“ zum Unterpunkt „Qualität & Fairplay“ navigieren – und auch da ganz nach unten scrollen. Zumal die Infobox auf jeder Webseite auftaucht, ließe sich stattdessen von dort aus gut auf eine Informationsseite weiterleiten, auf der Jako beispielsweise auch seinen Lieferantenkodex zum Nachlesen hinterlegen könnte.

Anita Klingler

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Autor: Anita Klingler

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2013