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Wintersport Schweiz: Die Hoffnung stirbt zuletzt

  • Nicolas Kellner
  • Dienstag | 12. April 2016  |  12:56 Uhr
Ob Deutschland, Österreich oder die Schweiz: Statt Ski werden in diesem Winter die Wanderschuhe angezogen. Wer sich frühzeitig darauf eingestellt hat, dürfte mit einem blauen Auge davon kommen, hoffen zumindest Schweizer Händler. Einige rechnen jedoch mit einem deutlichen Minus beim Wintersportgeschäft.

Text: Nicolas Kellner

Der Schweizer Detailhandel ist im November erneut geschrumpft, wie das Bundesamtes für Statistik (BFS) eben bekannt gab. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Händler real 2,1 Prozent weniger ein, heißt es. Darin enthalten sind auch Sport- und Textilhandel. Die Entwicklung ist analog zu den Vormonaten. Nominal ging es im November sogar um vier Prozent nach unten. Wie für den gesamten Einzelhandel gilt auch für den Sport- und Outdoorhandel, dass die Frankenstärke zu Einbußen geführt hat. Dafür blühte der grenznahe Einkaufstourismus Richtung Bundesrepublik, aber auch Frankreich, Italien und Österreich. Bereits in der Mitte des Jahres 2015 hatte die Schweizer GfK-Tochter vor einem schwierigen Jahr gewarnt. Harzige Umsätze zu Jahresbeginn, ein zu warmer Sommer sowie Einkaufszurückhaltung und weniger Touristen drückten auf die Umsätze und Stimmung im Handel. Die Frage lautete: Kann das sich seinerzeit abzeichnende Minus auch im Sporthandel über den Winter 2015/16 abgemildert werden? Die Blick in die grünen Berge bis Ende Dezember verheißt nun nichts Gutes für den eidgenössischen Sporthandel. Und auch das Fahren auf den behelfsmäßig hergerichteten Pisten scheint nicht besonders viel Spaß zu machen, obwohl man da als Skifahrer auf kaum jemanden Rücksicht nehmen muss. Aber: Nicht einmal die Kunstschnee-Pisten sind durchgängig befahrbar.

Zwar hat leicher Schneefall zu Jahresbeginn ein wenig Hoffnung gemacht, doch das Bangen geht weiter. Schneekanonen alleine sind nicht des Rätsels Lösung. Hinzu kommt, dass die Stimmung für Wintersport einfach nicht da ist. Wenn die TV-Bilder keine weiße Landschaft zeigen, die Nachrichten von abgesagten Wintersport-Events (wie in Oberhof mit der Absage des Weltcups) erzählen und im Flachland eher Frühlingsblumen sprießen, dann fehlt die Kaufmotivation für die nächste, neu Ski- oder Snowboardausrüstung und vor allem auch für Wintertextilien. Allerdings in den letzten Wochen schauten nicht Schweizer Händler in die Röhre, sondern auch grenznahe Kollegen in Freiburg, Lindau oder Lörrach etwa. Für das gesamte Voralpenland gilt: „Solange kein Schnee liegt, ist der Anreiz nicht groß, sich neue Ski zu kaufen“, meint Anton Schneider vom gleichnamigen Sportgeschäft in Traunstein. Der Händler wussten sich aber zu helfen und verkauften dafür mehr Bikes und Bergschuhe. Insgesamt könnte ein Umsatzeinbruch vom bis zu 40 Prozent drohen, meint ein Händler aus Waging. Bei Och Sport in Zürich hat man sich jedoch früh auf die Witterungsumstände eingestellt und auf Wanderbekleidung und -schuhe gesetzt. Und auch die Schweizer Discounter SportXX, Athleticum und Ochsner hatten wohl einen guten Riecher und vermieden zum Saisonstart nicht nur drastische Preisattacken im Wintersportsektor, sondern konterten ebenfalls erfolgreich mit Bikes und Wanderartikeln.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis Ostern reicht und rechnet sich die Saison in der Schweiz. Der Kälteschub und Schneefall ist bis dahin auch nicht auszuschließen. Und da der Schweizer Konsument nach wie vor bereit ist, für Qualität auch tiefer in die Tasche zu greifen, könnten die Umsätze durchaus noch einmal anziehen. In die Innerschweiz kamen schon im Sommer vermehrt Gäste vor allem aus sogenannten Fernmärkten, aus Amerika und Asien, berichten Tourismus-Verantwortliche. Mit ihnen seien die Rückgänge bei einzelnen Europa-Märkten ausgeglichen worden, sagt Sibylle Gerardi, Leiterin Kommunikation von Luzern-Vierwaldstättersee Tourismus. Eine solche Verschiebung erwarte man mittelfristig auch für den Winter: weniger Europäer, dafür mehr Gäste aus den Fernmärkten, die dann zunehmend auch Wintersport betreiben. Darauf kann auch der schweizerische Sporthandel hoffen, ein solcher Mix sei bei der derzeitigen Währungs- und Witterungssituation von Vorteil, heißt es aus den betreffenden Regionen.

Die Fakten

- Harzige Umsätze, Einkaufszurückhaltung und weniger Touristen drücken Umsätze und Stimmung

- Ingesamt könnte Schweizer Händlern ein Umsatzminus von 40% drohen

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2016