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Snowboardmarkt: Die Zukunft liegt im Nachwuchs!

  • Astrid Schlüchter
  • Sonntag | 05. Februar 2017  |  10:04 Uhr
Es wird viel über das Snowboarden geredet. Immerhin. Oftmals schneidet die einstige Trendsportart dennoch nicht gut ab. Doch, warum eigentlich? Steckt das Snowboarden in der Krise? sportFACHHANDEL fand heraus, nicht mehr oder weniger wie alle anderen Wintersportarten, die von Wetter und Schneefall abhängig sind.

Text: Astrid Schlüchter

Ski oder Snowboard? Seit Beginn der Trendsportart Anfang der 90er Jahre scheiden sich bei dieser Frage die Geister. Blickt man auf die Boomzeiten des Snowboardens, also zwischen 2000 und 2002, zurück, war es auf jeden Fall noch cool, sich auf der Skipiste mit einem Brett zu zeigen. Olympisch anerkannt ist das Fahren auf dem Brett seit 1998. Und heute, knapp 30 Jahre später? Die Snowboarder scheinen rar zu werden, zumindest behaupten das zahlreiche Wintersportregionen, samt Industrie und Handel. Eindeutig belegen lässt sich diese Annahme jedoch nicht, denn die Branche hütet gerne ihre Verkaufszahlen. Und, seien wir doch mal ehrlich, dass es zwangsläufig irgendwann zu einer Sättigung kommen musste, ist angesichts des einstigen Megatrends auch normal. Vor allem hat das Snowboarden nicht nur den Lifestyle einer ganzen Generation, sondern den Wintersport samt Skifahren extrem beeinflusst. Alexander Bernhofer, Junior Hardgoods Buyer bei Blue Tomato sieht keinen Rückgang der Snowboarder auf den Pisten: „Generell kann man sagen, dass das Segment mehr kommt und das Snowboarden wird seit Olympia wieder als Sport angesehen. Das merkt man nicht nur am Berg, sondern auch an den wachsenden Zahlen, die nicht nur von unseren Expansionen kommen. Positiv zu sehen ist vor allem, dass sich auch durch unsere Sternchen wie Anna Gasser etc. immer mehr Mädels auf das Board trauen und den Männern nichts vormachen. So zu sagen hat Olympia fürs Geschäft gesehen, gute Auswirkungen.“ Bernhofer sieht sogar recht positiv in die Zukunft und fügt noch hinzu: „Der ganze Sport, vor allem die Freestyle Szene wird durch Olympia athletischer. Mittlerweile gibt es sogar Schulen, die sich nur darauf spezialisieren. Damit wird der Sport vor allem von sehr jungen Leuten gepusht und spektakuläre Tricks inspirieren eine neue Generation.“

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Beim Nitro Kids Away können die Kids unter professioneller Betreuung das Snowboarden lernen oder ihr bisheriges Können verbessern
© Nitro

Eine neue Generation inspirieren möchten auch Core-Marken wie Burton oder Nitro. Ihrer Meinung nach steckt die Zukunft in der Nachwuchsförderung oder vielmehr darin, den Kids klar zu machen, wie viel Spaß im Snowboarden steckt. Den Spaß müssen auch die Fachhändler vermitteln können, deswegen stehen Events, Testveranstaltungen und andere Schulungen auf dem Programm. „Für uns als Core-Snowboard Company ist es wichtig besondere Schwerpunkte zu setzen. Wir fokussieren uns beispielsweise auf erlebnisorientierte Events und möchten, dass unsere Kunden und auch unsere Händler Erfahrungen erleben und den Spaß am Snowboarden weitergeben. Getreu dem Motto „Run To The Hills“ und „Built for Good Times“ wollen wir unsere Leidenschaft mit möglichst vielen teilen und die Menschen wieder raus in die Natur bewegen. Wir als deutscher Vertrieb bieten damit zahlreiche Möglichkeiten, das Thema Snowboarden präsent zu halten,“ erklärt Anna Maria Eschwey von Nitro Snowboards. In der Saison 2016/17 konzentriert sich die Marke auf den Snowboard-Nachwuchs, unter anderem mit einem Verleihkonzept mit Board, Bindung und Boots für die kleinsten Ripper. Die komplette Ausrüstung kann für eine Wintersaison zum Festpreis bei teilnehmenden Nitro-Händlern ausgeliehen werden. Am Ende der Saison wird diese einfach zurückgegeben, um im kommenden Winter ein neues Set-Up mit der richtigen Größe/Länge zu „mieten“. Beim „Nitro Kids Getaway“ lernen Kids unter professioneller Betreuung das Snowboarden oder sie verbessern ihr bisheriges Können. „Aber auch die Eltern kommen nicht zu kurz. Zusammen mit den Nitro-Teamfahrern erkunden sie das Gelände. Zusätzlich können alle Teilnehmer – sowohl die Kids als auch die Eltern – das neueste Material testen. Dieses Jahr fand der Event kurz vor Weihnachten statt.“

Auch Burton hat ein klares Ziel vor Augen: Kinder sollen wieder aufs Snowboard. Dafür sorgt das Burton Riglet Programm, mit Hilfe dessen den Kids spielerisch der Sport nähergebracht werden soll. Schon seit Jahren setzt Burton verstärkt den Fokus darauf, Kids zum Snowboarden zu motivieren. Unter dem Begriff „Learn To Ride“ fasst Burton alle Maßnahmen zusammen, Anfängern den Sport näher zu bringen. Das Burton eigene Riglet Programm richtet sich dabei speziell an Kinder und hat sich seit der Einführung 2010 bereits europaweit etabliert. Allein 2014 nahmen in 16 Ländern mehr als 12.300 Kinder teil. Im Gespräch mit sportFACHHANDEL verriet Jeff Boliba, VP Global Resorts: „Wir müssen die Kids wieder aufs Snowboard bringen. Viele Ressorts bieten für die Kids keinen eigenen Snowboard-, sondern nur Skiunterreicht an, so wird den Eltern oft vom frühzeitigen Lernen der Sportart abgeraten. Mit dem Burton-eigenen Riglet Programm beweisen wir genau das Gegenteil und zeigen, wie man Drei- bis Sechsjährigen spielerisch Basis-Snowboardkenntnisse näherbringen kann. Auf den exklusiv für Kids hergestellten Boards, Boots und Bindungen werden die Kids mit dem “Riglet Reel“ – ein ausziehbares Seil, das am Snowboard befestigt ist – durch den Park gezogen. Material und Ausrüstung kann vor Ort geliehen oder gekauft werden.“ Seit 2012 kümmert sich Jeff Boliba in der damals neu geschaffenen Position als Vice President Global Resorts unter anderem mit viel Engagement um die Nachwuchsprogramme von Burton. „Seit dem Start unserer Learn to ride-Programme 1998, waren wir die erste und einzige Marke, die spezielle Produkte für Anfänger entwickelt hat. Jetzt geht es darum, Kids wieder fürs Snowboarden zu begeistern und auch die einzelnen Programme vor allem hier in Europa weiter zu forcieren.“ Seiner Meinung nach sei es auch ein Problem, dass in vielen Skigebieten Kinder kaum die Möglichkeit bekommen, gleich mit dem Snowboarden zu starten. „In französischen Skigebieten ist es oft unmöglich, einen geeigneten Snowboardlehrer für die Kleinen zu finden. Oft wird Eltern sogar empfohlen, ihr Kind erst auf Skier zu stellen. Die Programme von Burton wollen genau hier ansetzen, schließlich sollte jene Generation, die seit den Anfängen dabei war, die Faszination für den Sport an die nächste Generation weitergeben. „Die Zukunft liegt natürlich in der Jugend. Dementsprechend ist das passende Equipment sowie die richtige Ansprache dieser Zielgruppe wichtig. Mit Ride Snowboards als Partner der „Välley Rälley“, einem Freestyle Event im Zillertal, sowie K2 Snowboarding als langjährigen Unterstützer der „Shred Kids“, einer Reihe an Snowboard Coaching Camps, sollen Kinder und Jugendliche dazu motiviert werden, ihre Leidenschaft für das Snowboarden zu leben“, so Andy Threimer, Senior Sales Manager K2 Snowboarding & Ride Snowboards Europe.

Dennoch sei es auch wichtig, die Zielgruppe jenseits der 40 nicht aus dem Auge zu verlieren. Viel zu lange hat man nämlich genau die Generation vernachlässigt, die den Sport eigentlich ins Rollen gebracht hat. So stagniert der Snowboardmarkt vor allem hinsichtlich spannender Innovationen oder neuer Produkte. Blickt man hier auf die Skiindustrie, gab es in den vergangenen Jahren recht viele Entwicklungen. Josef Holub, Gründer der Snowboard- und Surfmarke Goodboards: „Trends kommen und gehen. Wir sind nicht die Firma, die fünf Jahre auf Freestyle setzt und dann plötzlich Freeride entdeckt. Oder nur Rockerboards puscht und dann wieder Camber als „Non Plus Ultra“ bezeichnet. Unsere Kollektion ist zeitlos. Seit der Gründung von Goodboards konzentrieren wir uns auf Allmountain- und Freerideboards. Vor sechs Jahren galt das aber noch als uncool. Jetzt liegen wir voll im Trend. Wir werden weiterhin nur Vorbestellungen plus minimal auf Lager fertigen und von Oktober bis April mit dem Teststand unterwegs sein, damit die Kunden unsere Boards ausprobieren können.“ Deswegen produziert die Marke vom bayerischen Ammersee auch ausschließlich kleine Serien. Alle Bretter werden in Handarbeit in Europa gefertigt. Alle Boards haben gesinterte Graphit-Beläge, einen Kern aus zwei verschiedenen Holzarten, es werden Glasgelege benutzt und alle Boards haben Basalt im Untergurt und Karbon-Kevlar. „Wir sparen nicht am Material, da für uns Spaß und Leistung wichtiger sind. Auch wenn seit Jahren die Verkaufszahlen für Snowboards rückläufig sind, verkaufen wir seit der Gründung immer mehr. Von Anfang an konzentrieren wir uns mit etwas längeren, härteren Boards, schlichten, zeitlosen Designs und vor allem Camber-Profile auf erwachsene Snowboarder.“

Ein weiterer wichtiger Trend geht zurück zur Natur. Viele Skifahrer und eben auch Snowboarder haben keine Lust mehr auf langes Anstehen an überfüllten Skiliften, vielmehr sucht man das individuelle Erlebnis beim Tourengehen. „Durch den Trend, den man auch schon im Sommer beobachten konnte, dass immer mehr Menschen von der Stadt flüchten und sich in die Berge begeben, steigt natürlich auch stetig die Nachfrage an Splitboards. Die Firmen bieten hier immer neue Systeme, die das Tourengehen mit dem Snowboard noch komfortabler machen sollen“, so Alexander Bernhofer von Blue Tomato. Vielleicht hat das Splitboarden auch deswegen in den letzten Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen und die Anzahl der Splitboard-Hersteller ist beachtlich gestiegen. „Parallel zum Skitouring ist Splitboarden seit einigen Jahren ein großes Thema. Herausforderungen in diesem Bereich sind sicherlich die überschaubare Größe der Zielgruppe, der stattliche Preis sowie die hohe Intensität der nötigen Beratung im Handel. K2 hat seit jeher einen engen Bezug zum Backcountry-Snowboarden und bietet deswegen eine breite Palette an Splitboards, Boots sowie zusammen mit der Marke BCA auch das nötige Sicherheitsequipment an“, so Andy Threimer. Andy Lukasch fügt noch hinzu: „Splitboard ist nach wie vor ein wachsendes Segment im Snowboardbereich. Hier ist die Entwicklung bei den Boards und Bindungen immer noch nicht abgeschlossen. Gerade das Gewichtsthema steht im Fokus und lässt viele Spielräume. Bei Elan bieten wir derzeit zwei verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Einsatzbereichen an. Das ganze zu einem sensationellen Preis-Leistungsverhältnis.“

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Splitboard ist zwar immer noch ein Nischensegment – mittlerweile bieten jedoch viele Hersteller eigene Modelle an
© Splitboards Europe

Auch für Goodboards bleibt das Thema Splitboarden spannend für den Fachhandel, auch wenn die Klientel oft nicht so aktiv ist wie die der klassische Tourengeher. „Bei einem Hüttenabend sieht man höchstens zehn Splitboarder, aber hunderte Skifahrer. Einige suchen Boards mit niedrigem Gewicht, andere mit natürlichem Design, aber die meisten entscheiden sich für das günstigste Angebot. Und das sind dann die Boards aus der fernöstlicher Massenproduktion. Camps, bei denen die Kunden unter Anleitung von erfahrenen Bergführen lernen, sind sehr wichtig. Das größte Problem ist die Preisstabilität. Splitboards werden dann gebraucht, wenn im Gebirge Schnee liegt, sprich ab Januar. Aber das ist auch die Zeit, wo leider viele Händler bereits die aktuelle Ware stark reduzieren“, so das Resumée von Josef Holub.

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2017