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Wintersport

Schweiz nach Stöckli-Verkauf: Nur einer redet noch

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 27. Juni 2014  |  09:38 Uhr
Was ist los bei Stöckli?

Der spektakuläre Verkauf der Ski- und Outdoor-Firma Anfang Juni schlägt hohe Wellen. Neuer Besitzer des Schweizer Herstellers ist die Entlebucher Unternehmerfamilie Kaufmann aus dem Kanton Luzern. „Die Familie ist zu 100 Prozent im Besitz der Aktien“, sagt der amtierende Verwaltungsrats-Präsident der Stöckli Swiss Sports AG, Niklaus Knüsel (vergleichbar mit dem deutschen Aufsichtsrat). Knüsel bezieht derzeit als einziger Stellung zu dem überraschenden Deal. Die Familien Stöckli und Kaufmann schweigen eisern.

Obwohl beide Familien seit vielen Jahren geschäftlich bereits verbandelt waren, ist über den neuen Eigentümer von Stöckli, Diego Kaufmann (31), wenig bekannt. Schweizer Medien berichten, dass der in Australien aufgewachsene Junior aus der Kaufmann-Dynastie „das Licht der Öffentlichkeit“ scheut, Bilder gibt es nicht. Dessen Vater, der 71-jährig verstorbene Hans Kaufmann, hatte den Ackermann-Versand, Europas erstes Versandhaus von 1871, als CEO ausgebaut und 1989 verkauft. Ackermann gehört jetzt zu Unito, dem österreichischen Ableger des Otto-Versands und gleichzeitig Mutter von Sport Scheck.

Kein Wunder also, dass die Spekulationen ins Kraut schießen, weil die Hintergründe des Verkaufs eher im Dunkeln bleiben. Schon befürchten eidgenössische Beobachter einen Imageschaden für Stöckli, immerhin neben Mammut eines der großen Aushängeschilder der Schweizer Sportartikelindustrie.

Verwaltungsratschef Knüsel ist derzeit der einzige, der spricht und besänftigen muss: „Im Vordergrund standen immer die Marke und die Mitarbeiter, die die Marke nach draußen tragen“, erklärt Knüsel, und fügt hinzu, sicher zu sein, dass die Firma keine Blessuren davon trägt. Die Familie Stöckli habe sich einen „Rückzug aus dem Betrieb seit längerem überlegt“, fügt Knüsel hinzu. Seit wann die Überlegung reifte, bleibt trotzdem unklar. Die 15 Stöckli-Sportgeschäfte unter eigener Flagge sollen angeblich weitergeführt werden.

Anfang des Jahres wurde Noch-CEO Beni Stöckli junior mit dem Unternehmerpreis „Swiss Award“ ausgezeichnet. Trotzdem: Damit geht eine Ära zu Ende, nachdem Grossvater Josef Stöckli vor 80 Jahren die ersten Ski hergestellt hat. Es sei „der passende Zeitpunkt“, wird Beni Stöckli in der Medienmitteilung zitiert. Er selber will spätestens im Oktober als CEO abtreten. Wer nachfolgt, ist völlig offen. Diego Kaufmann soll es angeblich nicht sein, ist vom Verwaltungsratschef zu hören.

Für die rund 250 Angestellten in den Werken Malters und Wolhusen seien die Arbeitsplätze sicher. Knüsel spricht sogar „eher von einem Ausbau der Arbeitsplätze“ und schließt auch eine Verlagerung der Produktion ins Ausland aus. Das Label „Swiss made“ soll vielmehr gestärkt werden. Wachstum werde auch weiterhin im Ausland gesucht. Der Wettbewerb werde viel härter und die internationale Konkurrenz stärker, meint Knüsel, dagegen müsse man sich behaupten und absichern. Das kostet natürlich Geld, kein Wort jedoch dazu, ob weitere Investoren von außen geholt werden. Man werde jedoch wesentlich profitabler werden, um investieren zu können, verspricht Knüsel.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 12 / 2014