Donnerstag | 09. November 2017  |  12:00 Uhr

Österreichischer Skimarkt stabil

Beim Branchentreff in Kaprun betonen die Interessensvertreter und Branchensprecher der österreichischen "Allianz Zukunft Winter" die Notwendigkeit verstärkter Zusammenarbeit. Der Sprecher der österreichischen Skiindustrie berichtet darüber hinaus über eine erfreuliche Entwicklung bei den Verkaufszahlen.

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Franz Föttinger, CEO von Fischer Sports und Sprecher der österreichischen Skiindustrie
© Tirolfoto/Spieß

Österreichs Top-Marken seien nach wie vor Weltmarktführer mit über 50 Prozent Marktanteil, berichtet Franz Föttinger, Geschäftsführer der Rieder Traditionsschmiede Fischer. Und dank der Erfolge im Skiweltcup sei auch die mediale Präsenz nicht zu übersehen. Mit einer Exportquote von rund 80 Prozent und einer stabilen Mitarbeiterzahl von rund 2.000 Beschäftigten behaupte die Österreichische Skiindustrie ihre starke Rolle im internationalen Wettbewerb.

Das Weltmarktvolumen sei ziemlich stabil bei drei Mio. Paar Ski und 3,3 Mio Paar Skischuhen. Der Langlaufmarkt mit 1,6 Mio. Paar sei stärker abhängig von wirtschaftlichen Einflüssen, wie zum Beispiel zuletzt in Russland. Speziell im Hochpreissegment punkteten österreichische Markenartikel aber in den Langlaufmetropolen.

Skifahren sei „österreichisches Kulturgut“ und daher müsse noch mehr getan werden, um den Skinachwuchs zu fördern, Aussteiger zurück auf die Piste zu holen, Nichtskifahrern Lust zu machen, mit dem Skifahren anzufangen…, so Föttinger. Österreichs Skiindustrie verstehe sich schon lange als Komplettanbieter. Ski, Skischuhe, Bindungen und Accessoires (Brillen, Helme, Protektoren) der bekannten Marken seien „must haves“. Der Trend gehe verstärkt Richtung Convenience. Schuhe und Bindungen würden leichter, alle Hersteller entwickelten Konzepte für Boot-Fitting für optimale Passform. Skifahren werde auch immer sicherer, wie das Kuratorium für alpine Sicherheit bestätige. Unfälle seien im organisierten Skiraum wieder um 13 Prozent zurückgegangen, berichtet Föttinger.

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(v.l.n.r.) Franz Schenner, Sprecher Allianz Zukunft Winter, Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Gerhard Sint, Obmann Salzburger Skilehrerverband, Hannes Parth, stellvertretender Obmann der Österreichischen Seilbahnen
© Franz Neumayr

Größten Wert lege die Österreichische Skiindustrie auf die Zusammenarbeit in der nationalen Allianz Zukunft Winter. "Was wäre das Wintertourismusland ohne „Snow How“ und Top-Qualität "Made in Austria", ohne perfekte Pisten und modernste Aufstiegshilfen, ohne Skilehrer, die Gusto machen auf schön & besser Skifahren, ohne Hotellerie und Gastronomie und freundliche Mitarbeiter, die zur „Inszenierung“ unserer Wintersportregionen unverzichtbar sind", fragt er und fordert (noch) mehr Initiativen zur Förderung von Wintersportwochen an österreichischen Schulen. Denn: „Wenn laut Lehrplan in Österreich jedes Kind in der Schule schwimmen lernen muss, warum nicht auch Skifahren oder Snowboarden?“

Für Bundesspartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher ist die Wintersaison in den alpinen Regionen der Motor für sichere Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Die Attraktivität unserer Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten biete aber auch noch zusätzliche Potentiale zur Saisonverlängerung und für den Ganzjahrestourismus. Damit verbunden sei auch die Chance das Interesse an Tourismusberufen zu steigern. Um am Markt und im Wettbewerb bestehen zu können, müssten im Zeitalter der Digitalisierung die technischen Trends und Möglichkeiten genutzt werden, ohne den Gast, wie sie betont, „zu verdigitalisieren“: „Der Tourismus wird immer ein Mensch-zu-Mensch-Geschäft bleiben, egal ob in der Hotellerie, Gastronomie oder in Skischulen. In unseren Skigebieten muss das Motto lauten „Spezialisierung und Einzigartigkeit“, dann werden wir auch in Zukunft die Nr. 1 Skination weltweit bleiben“, so Petra Nocker-Schwarzenbacher.

Der Obmann des Salzburger Skilehrerverbandes, Gerhard Sint, erinnerte daran, dass in den Salzburger Skigebieten täglich zig-tausend Skilehrer/innen als "Beziehungsmanager" mit den Gästen die meiste Zeit verbringen. Wer in den Skischulen Skifahren lernt, seine Technik verbessert oder dank der professionellen Motivation wieder Lust bekommt mehr Ski zu fahren, werde sehr schnell (wieder) zum Stammgast. Durch den neuen skitechnischen Trend „Schönskifahren“ hätten die Österreichischen Skischulen für neuen Gesprächsstoff gesorgt.

Hannes Parth, stellvertretender Obmann der Österreichischen Seilbahnen und Chef der Silvretta Seilbahnen in Ischgl, präsentierte beim Forum in Kaprun erstmals den Verein VitAlpin. „Viele NGOs und andere Vereinigungen treten mit ideologisch geprägten Ansagen für den alpinen Raum auf. Das Ziel lautet, bremsen, zurückbauen und schließlich absiedeln“, so Parth. Parth möchte VitAlpin nicht als Gegner, sondern vielmehr als „positive und konstruktive Kraft für die Menschen in den Alpen“ verstanden wissen. Unter dem Vereinsdach haben sich zahlreiche Vertreter unterschiedlicher Branchen zusammengeschlossen. So soll VitAlpin nicht nur die Stimme des Tourismus, sondern auch jene der Industrie, der Gastronomie und anderer Wirtschaftszweige sein. „Wir bekennen uns klar zu den Alpen als Wirtschafts- und Lebensraum. Dafür wollen wir jene Impulse setzen, die auch künftig notwendige Existenzgrundlagen schaffen und den alpinen Raum zugleich innovativ und im Einklang zwischen Schutz- und Entwicklungsinteressen weiterentwickeln“, so Parth, der auch betont, dass hierfür die Seilbahnen weiterhin ein wesentlicher Motor sein werden und müssen.

Grundlage für die Gründung waren laut Parth unter anderem die „immer lauter werdenden Fantasien derjeniger, die unsere Alpen wieder zum reinen Naturraum umfunktionieren möchten und dabei keinerlei Hemmungen vor der Zerstörung historisch und kulturell gewachsener Besiedelung haben“. VitAlpin stelle sich in dieser Frage unmissverständlich auf die Seite der Menschen. „Das Leben in unseren Tälern ist nicht aus Jux und Tollerei entstanden. Es hat seit jeher unsere Regionen geprägt und somit auch den Naturraum, der ja eigentlich Kulturraum ist, geschaffen. Zudem wird hier ein hoher Anteil der heimischen Wertschöpfung lukriert und damit auch Wohlstand gesichert.“, so Parth. Damit sieht der Obmann den Verein als die neue konstruktive Kraft für die Alpen – gemeinsam und branchenübergreifend. „Nach der Umsetzung der vereinsrechtlichen Grundlagen widmet sich VitAlpin schon bald um erste inhaltliche Aufgaben…“, so Parth.