Dienstag | 31. Mai 2016  |  12:25 Uhr

Österreich sucht die Super-Strategie

Günther Aloys, Ischgler Hotelier und Tourismusvisionär fordert „eine Verjüngung der Berge“, um neue und junge Zielgruppen zu erreichen; mehr Action, Kunst und Mode, um auch die 500 Mio. Europäer anzusprechen, die nicht Snowboarden oder Skifahren können.

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Durch die Klimaverschiebung erfolgt die Wertschöpfung über die größeren, höher gelegenen und teureren Regionen. Exklusiver sollen auch die Angebote abseits der Pisten werden.
© Tirol Werbung

Text: Hildegard Suntinger, Wien

Aloys hat das erste Designhotel in Ischgl errichtet und spielte beim internationalen Durchbruch der Destination im Tiroler Paznaun eine Rolle. Die 1600 Einwohner Gemeinde kommt auf die knapp siebenfache Zahl an Gästebetten. Mit der Vision des „totalen Wahnsinns in den Alpen“ trifft Aloys in Zeiten der Klimaverschiebung nicht nur auf Zustimmung. Nach drei spät gestarteten und schneearmen Wintern ist er aber nicht der Einzige, der über die Zukunft des Wintertourismus nachdenkt. Schließlich setzen die west-österreichischen Wintersportdestinationen bis zu 90 Prozent des Jahresumsatzes im Winter um und Meteorologen sagen, der späte Winterstart werde zukünftig die Regel und nicht die Ausnahme sein.

Die vorläufigen Saisonresümmees sind dennoch besser als erwartet. Die Tirol Werbung meldete für den Zeitraum 1. November bis 31. Januar einen neuen Höchstwert: Die Zahl der Urlauberankünfte stieg um 2 Prozent auf 2,6 Mio. Gleichzeitig gingen die Nächtigungen um 0,6 Prozent auf 11,1 Mio. zurück. Positive Tendenzen zeigen sich bei Deutschen (+1,1 Prozent), die mit 6 Mio. Nächtigungen die stärkste Touristengruppe darstellen; ebenso bei Österreichern (+2,3 Prozent auf 790.000) und Italienern (+13,7 Prozent auf 237.000). Rückgänge waren bei den Holländern (-2,8 Prozent auf 1,1 Mio.) und Schweizern (-8,1 Prozent auf 500.000) zu verzeichnen; der stärkste Einbruch musste bei den Russen (- 28,5 Prozent auf 205.000) hingenommen werden. Die Touristen scheinen den späten Wintereinbruch zu akzeptieren: Statistik Austria meldete neue Rekordwerte bei den Nächtigungszahlen im Februar – dem wichtigsten Monat der Wintersaison. Die Zahl der Nächtigungen stieg um 500.000 auf 17,74 Mio. – was einem Plus von 3 Prozent entspricht. Auch die Ankünfte erreichten mit einem Plus von 4,7 Prozent auf 3,88 Mio. einen neuen Spitzenwert. Im gesamten Beobachtungszeitraum – 1. November bis 29. Februar war in den Nächtigungszahlen ein Anstieg um 1,7 Prozent auf 47,1 Mio. zu verzeichnen, die Zahl der Ankünfte stieg um 3,5 Prozent auf 12,45 Mio. Die absolut größten Zuwächse gab es in Salzburg (+202.000), Wien (+155.300) und Tirol (+144.200). In den Wintersportgebieten ist die zweite Winterhälfte wichtiger, das Volumen der ersten Hälfte liegt bei 43 Prozent.

Der wortgewaltige Aloys mag seine Gegner haben, aber auch der Chef der Tirol Werbung, Josef Margreiter stellte zur ITB in Berlin fest, dass der Winterurlaub nicht mehr nur über Sport definiert sei; und plädiert für mehr Angebote im Bereich Genuss und Kulinarik sowie Kunst und Kultur. Ein erstes Beispiel dafür war die Open Air Multimedia Tanzperformance. Music Acts sind in den Tiroler Bergen nichts Neues. Sölden ging mit dem ‚Electric Mountain Festival‘ am Giggijoch in die fünfte Auflage. Wenn Kunst und Kultur in den Bergen allgemein noch auf sich warten lassen, so setzen die Destinationen jetzt schon auf Winterwandern. Expertise gilt es in der Präparierung und Markierung der Wege sowie in eventuellen Nutzungskonflikten durch verschiedene Wintersportler und alpinen Gefahren zu gewinnen. Das sind übrigens Fragen, die auch die wachsende Gemeinde von Skibergsteigern beschäftigen. Sie wurden im schneearmen Winterstart 2016 umso mehr Ärgernis der Liftbetreiber, als die mit Schneekanonen aufrechterhaltenen Schneebahnen ins Tal schon für die Abwärtsfahrer sehr schmal waren.

Autor: Hildegard Suntinger

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2016