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Käufersuche für Bogner: Der Preis ist heiß

  • Nicolas Kellner
  • Dienstag | 24. März 2015  |  22:43 Uhr
Wende im Verkaufspoker um Bogner: Mehrere Private-Equity-Investoren greifen jetzt nach dem Skibekleider, der seit vergangenem Sommer weit weniger bezahlen, als dem deutschen Traditions-Bekleider vorschwebt.
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Geht der weltweit bekannte Sportmode-Anbieter und Filmemacher Willy Bogner auf ein Angebot für seine Firma ein, das deutlich niedriger liegen soll als die eigenen Preisvorstellungen?
© BOGNER

Letzten September überraschte Ski-Legende Willy Bogner (73) mit der Ankündigung, sein gleichnamiges Unternehmen verkaufen zu wollen. Der Grund: Nachfolgeprobleme. Vorstandschef und Eigentümer Willy Bogner habe eine Investmentbank damit beauftragt, verschiedene strategische Optionen für die Zukunft des Unternehmens zu prüfen.

Reuters hatte zuvor bereits von Insidern erfahren, dass die Bank einen Käufer finden soll. Diese sollte natürlich den höchstmöglichen Preis herausschlagen. Doch der Preis, der jetzt für den Münchner Ski- und Sportmodenhersteller auf dem Tisch liegt, soll bei maximal 300 Mio. Euro liegen. Bogner hatte jedoch für sein Familienunternehmen mit dem Doppelten gerechnet, wie Nachrichtenagenturen berichten.

Vor den Türen Bogners steht ein Konglomerat aus europäischen und asiatischen Beteiligungsgesellschaften, das nun versucht, Bogner zu drücken: Zum einen Permira, Bridgepoint und Capvis sowie NXMH aus Südkorea.

Permira gilt nach dem Mitbewerber KKR als aggressivster Investment-Betreiber Europas (verdiente sich bei Prosieben/Sat1 eine goldene Nase) und verkündete soeben erst den Ausstieg bei Hugo Boss, wo Permira seinen Einsatz innerhalb weniger Jahre verdoppelt haben soll, wie Bloomberg berichtet.

Capvis ist ein Schweizer Investmentfonds (Zürich), der Anfang 2014 erst mit dem Aufkauf der italienischen Wassersportmarke Arena für Furore sorgte. NXMH kommt ursprünglich aus Belgien, wird jedoch mittlerweile von südkoreanischen Geldgebern kontrolliert. Zuletzt fiel NXMH durch den Aufkauf eines norwegischen Baby-Möbel-Ausstatters (Stokke) auf. Bridgepoint ist in London zuhause und im Sportsektor ein relativ unbeschriebenes Blatt bis auf den Exit eines spanischen Sportpromoters (Dorna Sports).

Ein illustrer Haufen an Investoren also, die da gemeinsam offenbar für das Lebenswerk von Bogner bieten. Willy Bogner sen. gründete das Münchner Unternehmen 1932 mit dem Import von Ski- und Strickwaren aus Norwegen.

Das ehemalige deutsche Ski-Ass und Olympiateilnehmer Willy Bogner jun. und später engagierte Filmemacher stieg 1977 ins Unternehmen ein (881 Mitarbeiter), das im Geschäftsjahr 2012/2013 einen Markenumsatz in Höhe von 240,5 Mio. Euro verbuchte. Der Konzernumsatz stieg in dem Zeitraum um vier Prozent auf 187,7 Mio. Euro. Bogner beliefert 6500 Händler weltweit und unterhält 81 eigene Stores.

Der Grund für die tiefere Bewertung seitens der vier potentiellen Käufer seien die rückläufigen Umsätze des Unternehmens angesichts niedrigerer Nachfrage russischer Kunden nach Wintermode von Bogner, heißt es.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2014 (30. September) soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf rund 30 Mio. Euro von 37 Mio. Euro vor Jahresfrist gefallen sein. Reaktionen auf die überraschend tiefe Offerte gibt es seitens Bogner bislang nicht. npk

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Autor: Nicolas Kellner