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Ischgl: „Wir wollen einen Impuls setzen“

  • Dienstag | 22. September 2020  |  12:36 Uhr
sportFACHHANDEL sprach mit Andreas Steibl, Geschäftsführer des Tourismusverband Paznaun – Ischgl über die anstehende, schwierige Wintersportsaison.
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Andreas Steibl verantwortet die Geschäfte des Tourismusverband Paznaun – Ischgl.
© TVB Paznaun-Ischgl

Interview: Andreas Mayer

sportFACHHANDEL: Selbst in den großen Karnevals-Hochburgen hat man sich jetzt für eine Absage des kommenden Karnevals ausgesprochen. Zu groß sei die Gefahr, eine Ausbreitung des Virus nicht verhindern zu können. Und: Zu groß ein möglicher Imageverlust! Warum halten Sie an Skiurlaubern fest – und das, obwohl von Ischgl aus im vergangenen Winter die unkontrollierte Verbreitung begann und bei einer erneuten Katastrophe der totale Imageverlust droht?

Andreas Steibl: Weil wir aus den Erfahrungen des vergangenen Winters viel gelernt haben. Wir waren die ersten in Europa. Wir wollen jetzt einen Impuls setzen und zeigen, dass wir das, was wir erlebt haben, ernst nehmen und die Gesundheit unserer Gäste und Mitarbeiter sowie der Einheimischen oberste Priorität hat. Deswegen haben wir uns gemeinsam mit Experten, den Behörden, mit der Gemeinde und mit der Silvrettaseilbahn AG sehr lange vorbereitet und jeden einzelnen Punkt bis ins kleinste Detail bearbeitet. Das Ergebnis ist ein Gesundheitsmanagement, das weit über den behördlichen Auflagen liegt. Unser Ziel ist es, eine der sichersten Destinationen zu sein. Und mit den getroffenen Sicherheitsmaßnahmen kann man auf jeden Fall erreichen, dass sich das Virus nicht unerkannt in der Welt verbreitet. Eine Maßnahme, auf die wir im Paznaun setzen, ist etwa das Abwassermonitoring, eine Initiative des Landes Tirol, die in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck landesweit eingesetzt wird. Diese laufenden Abwassertests sollen mit hoher Genauigkeit die Früherkennung von potenziellen Infektionen ermöglichen.

Was würde es für die Region bedeuten, wenn der Wintertourismus in diesem Jahr komplett wegfällt?

Der Wintertourismus ist unsere Lebensader. Wir leben nicht zu einhundert, sondern 110 Prozent vom Tourismus! Das muss man klar sagen. Ich bin überzeugt, dass wir Wintertourismus mit diesem umfangreichen Gesundheitsmanagement vereinbaren können und unsere Gäste den Skisport auch in diesem Winter genießen werden. Skifahren ist und bleibt ein schönes Erlebnis, eines der schönsten meines Erachtens.

Der Aprés Ski wird aber massiv eingeschränkt. Sie sprechen sogar davon, langfristig den „Partytourismus“ eindämmen zu wollen. Erfindet sich Ischgl gerade neu?

Après-Ski ist nur eine der vielen Erlebniswelten in Ischgl. Hauptbuchungskriterium für einen Aufenthalt in Ischgl ist laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts IMAD aber nicht „Party machen“, sondern ganz klar das außergewöhnliche Skifahrerlebnis. Wir wollen jedenfalls die Natur und unser weitläufiges bis in das Schweizer Samnaun reichende Top-Skigebiet mit einer täglich präparierten Pistenfläche von 500 Hektar in den Mittelpunkt stellen.

Mit wieviel Prozent an Gästen im Vergleich zu einem normalen Winter rechnen Sie?

Dass eine herausfordernde Saison für uns alle ansteht, ist eine Tatsache. Fest steht aber auch, dass die Menschen Skifahren wollen und sich nach einem Winterurlaub sehnen. Insofern blicke ich optimistisch und mit großer Vorfreude in Richtung Wintersaisonstart am 26. November.

Gab es da aktuelle Umfragen?

Es gibt mehrere Untersuchungen. Alles in allem kann man sagen, dass 80 Prozent nach wie vor in diesem Winter Skifahren wollen. Dabei stellt ein funktionierendes Gesundheitsmanagement ein entscheidendes Buchungskriterium dar. Wir haben uns jedenfalls intensiv für diese Wintersaison vorbereitet und freuen uns, unseren Gästen ein Urlaubserlebnis mit bestmöglichen Gesundheits- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Die Seilbahnen sollen laufend desinfiziert werden, auch Skibusse, Skidepots etc. Zusätzlich soll das Abwasser laufend kontrolliert werden. Und es soll auch noch eine eigene Tracing-App geben. Das hört sich alles gut an, aber auch sehr aufwändig und auch teuer! Wird sich das in den Skipässen widerspiegeln? Wie viel wird ein Schnitzel auf dem Berg kosten? Und was hören Sie zum Thema Kosten aus den Übernachtungsbetrieben?

Natürlich ist der Aufwand kostspielig. Dieser wird aber nicht weitergegeben. Hier geht es um Gesundheitsprävention, das ist eine Verantwortung, die wir übernehmen. Alle Maßnahmen werden von den jeweiligen Institutionen getragen – der Silvrettaseilbahn AG, dem Tourismusverband und den vier Gemeinden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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