Dienstag | 05. Juni 2018  |  10:48 Uhr
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Auf dem Weg zum Nichtschwimmerland?

2017 war dies bereits die erschreckende Bilanz einer Forsa-Umfrage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Doch was können Hersteller aus der Branche tun, um den mangelnden Schwimmfähigkeiten vorzubeugen?

Deutschland wird zu einem Land der Nichtschwimmer – zu dieser provokanten Behauptung kann man kommen, wenn man die Ergebnisse vieler Studien der letzten Jahre heranzieht. „Rund 25 bis 30 Prozent der Grundschüler sind demzufolge nach der vierten Klasse immer noch Nichtschwimmer“, so das erschreckende Resümee von Angela Erfurth, Senior Marketing Communications Manager bei Aqua Sphere. Die Gründe liegen für Erfurth auf der Hand: „Zum einen wird in immer weniger Schulen Schwimm­unterricht angeboten. Des Weiteren gibt es immer weniger Schwimmflächen in Deutschland.“

Zoggs
Kinder, die schon früh das Schwimmen lernen, gehören heute der Vergangenheit an.
© Zoggs

Dass man das Thema immer wieder in den Vordergrund rücken muss, liegt auch vielen Brancheninsidern am Herzen. „Aktuell bieten wir von Zoggs eine ganze Reihe an neuen Produkten an und bleiben unserer Linie treu, den Kindern den Spaß am Wasser und den Eltern die nötige Sicherheit und das Vertrauen ins Produkt zu vermitteln“, so Hendrik Ermer, Head of European Key Accounts, Zoggs. Das Unternehmen hat soeben eine neue Kooperation mit Warner Brothers bekannt gegeben. Die Kollektion konzentriert sich auf Schwimmlernhilfen, Brillen, Equipment, Poolspielzeug und auch Swimwear, die mit den DC-Superhelden Batman, Superman und Wonder Woman bedruckt sind. „Mit unseren Produkten möchten wir Kindern den Spaß am Schwimmen vermitteln, denn welches Kind möchte nicht als Batman, Superman oder Wonder Woman im Schwimmbad „auftauchen“?“

Aber packt man damit das Problem am Schopf? Vielleicht, zumindest beschreitet Speedo einen ähnlichen Weg, die für die Winterkollektion 2018 eine Junior Starwars Sonderkollektion herausbringen wollen. „Die großflächigen Starwars-Printmotive werden kleine Schwimmer sicher begeistern und die Kids verstärkt zum Schwimmen motivieren“, so das Credo von Johannes Graff, Commercial Manager Speedo AT/DE. „Außerdem bieten wir dem Sportfachhandel mit unserer Speedo Sea Squad Kollektion speziell für Kinder im Vorschulalter entwickelte Produkte, welche den Schwimmlernprozess der Kleinen unterstützen.“

Matthias Köste von Pricon sieht in Zukunft noch ein weiteres Problem: „Fehlende Schwimmbäder führen zu Knappheit bei der Bahnvergabe für Schulen und die verbliebenen Schwimmbäder sind dann häufig auch nur mit einem erhöhten zeitlichen Aufwand zu erreichen. Und in der Freizeit stehen in den Spaß- und Erlebnisbädern eben dann auch der Spaß und das Erlebnis im Vordergrund. Die Integration von Flüchtlingen in den Schulalltag und dass Schwimmen lernen für diese Kinder ist ganz sicher auch eine Herausforderung .“ Unter der Marke View des japanischen Herstellers Tabata hat das Unternehmen nicht nur Schwimmbrillen für die Kleinsten und Größeren, sondern auch Bausatzsysteme im Programm, um die Korrektion von Fehlsichtigkeiten einfacher vorzunehmen. Die gesamte Produktpallette steht darüber hinaus als Sofortorderprogramm für den Sportfachhandel zur Verfügung, das heißt kein Fachhandelspartner ist gezwungen das Risiko einer Vororder einzugehen.

Speedo
Kinder sollten spielerisch ans Schwimmen herangebracht werden, leider nehmen sich Eltern kaum noch Zeit dafür.
© Speedo

Schön und gut. Doch, wenn Eltern ihre Kinder erst gar nicht mehr zum Schwimmen motivieren, nützen die coolsten Aktionen und Kooperationen der Hersteller nichts. Ein großes Problem stelle wohl auch der Schwimmbäder-Schwund in manchen Regionen dar. Hendrik Ermer: „Somit verringern sich die Orte, an denen Schwimmkurse stattfinden können, gepaart mit der allgemeinen Situation innerhalb der Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen, kommt neben dem verringerten Angebot auch noch der Faktor Zeit hinzu.“ Schade eigentlich, denn früher sah man sich als Elternteil noch in der Verantwortung, dem Nachwuchs das Schwimmen selbst beizubringen. Der See um die Ecke erfüllte wunderbar seinen Zweck.

Und wie kann man Kindern und im Vorfeld Eltern den Ernst der Lage näher bringen? Angela Erfurth geht es ums Grundsätzliche: „Schwimmen ist Lebenskompetenz und Lebensfreude. Es fördert Sicherheit und Fitness und macht Spaß. Aqua Sphere hat dazu einen eigene Homepage ins Leben gerufen, die Informationen und Anregungen enthält, die dabei helfen sollen, Kindern Sicherheit, Wohlbefinden und Selbstvertrauen im Wasser zu vermitteln.“ Mit den vorgestellten Aktivitäten und Produkten können Eltern das, was ihr Kind im Schwimmunterricht lernt, ergänzen und festigen. Arena sieht die Verantwortung auch auf Seiten der Grundschulen: Dort finde „der Schwimmunterricht nicht mehr überall statt, obwohl er eigentlich fester Bestandplan des Lehrplans ist.“

Hier möchte z.B. die gemeinnützige „pricon Sports Stiftung“ soziale und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und ein deutliches Zeichen setzen. Matthias Köste verfolgt deswegen auch ehrgeizige Ziele: „Ziel ist es, mit lokalen Partnern (z.B. der DLRG) Schwimmkurse für Kinder zu organisieren, die nicht oder kaum schwimmen können und so für ein dauerhaftes Erfolgserlebnis und eine gezielte Steigerung persönlicher Kompetenzen zu sorgen.“

Astrid Schlüchter

Schlüchter

Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

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Freie Journalistin +++ zuvor u.a. Redakteurin Schuhkurier, Skipresse, ispo_news, MOC Magazin u.a., PR-Beraterin im Mode- und Sportbereich (div. Agenturen), Modeschule ESMOD (München) +++ Persönliche Interessen: Klettern, Biken, Snowboarden +++ Mein liebster Sportplatz: die Region rund um den Kronplatz in Südtirol +++ Da geht mir das Herz auf: momentan beim E-Mountainbiken :):)

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2018