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Asics erläutert seinen Standpunkt im Kartellfall

  • Markus Huber
  • Dienstag | 29. April 2014  |  17:37 Uhr
Neuss. Am 28. April äußerte sich das Bundeskartellamt in einer vorläufigen Beurteilung skeptisch bezüglich Asics' selektiver Vertriebspolitik. Einen Tag später machte der japanische Lieferant seinen eigenen Standpunkt deutlich.
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Die Wettbewerbshüter fordern Asics auf, bis 10. Juni eine Stellungnahme zur - wohlgemerkt - vorläufigen Position des Amtes abzugeben. Konkret geht es dabei um die von Asics definierten Kundenbeziehungen, die nach Darstellung der Behörde Einschränkungen für den Handel bei der Nutzung von Online-Marktplätzen (wie etwa eBay oder Amazon) und der Unterstützung von preisvergleichenden Suchmaschinen bedeuten.

Diese Praktiken sieht das Kartellamt als mehr als bedenklich an. Asics sei "damit über das Ziel hinausgeschossen", auch wenn grundsätzlich bescheinigt wird, dass "allgemein anerkannt (sei), dass Hersteller ihre Händler nach bestimmten Kriterien auswählen dürfen und Qualitätsanforderungen aufstellen können".

In dem Vertriebssystem von Asics sieht das Wettbewerbsamt allerdings "in der jetzigen Form vorrangig die Kontrolle des Preiswettbewerbs im Online- sowie im stationären Vertrieb". Kurz: Hier sei der "Wettbewerb unter den Händlern beim Vertrieb von Asics-Laufschuhen beeinträchtigt". Das Amt weist dabei auch auf die starke Marktposition des Lieferanten hin.

Weiter kritisiert die Regierungsbehörde die Einteilung der Kundschaft in über 20 unterschiedliche Händlerkategorien, die zum Teil in den Genuss unterschiedlicher Produktgruppen kommen.

Das Bundeskartellamt weist hier auch auf ein laufendes Verfahren gegen Adidas hin und lädt die Marken dazu ein, sich an die Behörde zu wenden, falls es Fragen zu dem Themenkomplex gebe.

Es überrascht wenig, dass die Vertreter des Online-Handels den Vorab-Kommentar der Wettbewerbs-Kontrolleure spontan wohlwollend aufgenommen haben. Stephan Zoll, Vice President bei eBay Deutschland vertritt die folgende Haltung, die aus der Perspektive dieser Online-Plattform leicht eingängig ist: "Wenn Händler davon abgehalten werden, ihren Online-Kunden das volle Sortiment ihrer Ware anzubieten, werden sowohl Verkäufer als auch Verbraucher durch geringere Auswahlmöglichkeiten und höhere Preise geschädigt. Händler und Konsumenten aus Deutschland haben ein Recht darauf, die Vorteile des E-Commerce in vollem Umfang nutzen zu können."

Sekundiert wird Zoll vom Bundesverband Onlinehandel (BVOH). Dessen Präsident, Oliver Prothmann, der auch die "Initiative Choice in eCommerce" gegründet hat, die für volle Freiheit im Internet-Handel eintritt, freut sich ebenfalls über die derzeitige Auffassung des Kartellamts: "Dies ist ein guter Tag für den Online-Handel. Vertriebsverbote, also das Verbot, Online-Marktplätze wie Amazon, eBay oder Rakuten zu verwenden, schaden insbesondere den kleinen Händlern massiv.“

Und die Marken-Industrie, die sich in den vergangenen Monaten zum Teil massiv für den qualitiativ hochwertigen und preiswürdigen Verkauf ihrer Produkte eingesetzt hat? Das Bundeskartellamt stellt seinerseits fest, dass derzeit "viele Markenhersteller damit befasst sind, ihre selektiven Vertriebssysteme umzustellen".

Asics selbst hat inzwischen auch eine offizielle Stellungnahme verfasst, die hier nachzulesen ist:

“Das Bundeskartellamt hat Asics Deutschland GmbH über die vorläufige Beurteilung der aktuellen selektiven Vertriebspolitik informiert. Das Bundeskartellamt ist nach der vorläufigen Beurteilung der Auffassung, dass einige Bestimmungen des selektiven Vertriebssystems nicht mit dem europäischen und deutschen Wettbewerbsrecht konform seien, insbesondere was die Einschränkung anginge, bestimmte Asics-Produkte über Drittplattformen zu verkaufen.

Asics hat das EWR-weite selektive Vertriebssystem in Übereinstimmung mit der vertikalen Gruppenfreistellungs-Verordnung der EU-Kommission und deren Leitlinien aufgesetzt. Diese Leitlinien erlauben insbesondere, den Vertrieb von Produkten über Drittplattformen einzuschränken.

Unabhängig von der vorläufigen Einschätzung des Bundeskartellamts hat Asics in den letzten Monaten das im Jahr 2011 implementierte selektive Vertriebssystem überarbeitet, um dieses an die aktuelle Marktentwicklung und an die sich verändernden Anforderungen von Verbrauchern und Händlern anzupassen. Die neue Version des selektiven Vertriebssystems wird in den kommenden Wochen eingeführt.

Asics steht im engen Austausch und kooperiert mit dem Bundeskartellamt. In den nächsten Wochen wird Asics eine ausführliche Stellungnahme zu der vorläufigen Beurteilung an das Bundeskartellamt übermitteln, woraufhin ein Treffen mit dem Bundeskartellamt stattfinden wird. Asics ist zuversichtlich, dass eine einvernehmliche Lösung im Interesse aller beteiligten Parteien – Verbraucher und Händler – gefunden wird.” mh

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10-11 / 2014