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Vaude geht in die Offensive – Ziel: ab 2022 klimaneutral

  • Ralf Kerkeling
  • Donnerstag | 14. Oktober 2021  |  20:13 Uhr
Auswirkungen des Klimawandels soll mit ehrgeizigen Zielen begegnet werden. Vaude kompensiert ab Januar 2022 seine globalen Treibhausgasemissionen vollständig. Zudem wird das Marketingbudget um rund eine halbe Million Euro gekürzt, um weitere finanzielle Ressourcen freizuräumen. Größte Herausforderung bleibt die globale Lieferkette.
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Antje von Dewitz bei der globalen Klimademo in Friedrichshafen am 24. September 2021.
© Vaude

Schon bisher verzichtet Vaude zugunsten der Nachhaltigkeit auf kostspielige Werbemaßnahmen. Um die weltweite Klimaneutralität zu finanzieren, werden die Marketingausgaben nun weiter reduziert. „Nachhaltigkeit ist teuer. Da die Bereitschaft für höhere Preise im Handel und bei den Endkunden ihre Grenzen hat, können wir die Mehrkosten für nachhaltig hergestellte Produkte und eine Klimakompensation nur aufbringen, wenn wir an anderen Stellen einsparen. Deshalb leisten wir uns keine großen Image- und Werbekampagnen“, so Antje von Dewitz. „Wir möchten zeigen, dass Klimaschutz finanzierbar ist, indem man Budgets umschichtet. Wenn alle Unternehmen bspw. einen Teil ihres Marketingbudgets für den Klimaschutz verwenden würden, könnten wir enorm viel erreichen. Das ist machbar - und das sollte uns unsere Zukunft auf diesem Planeten wert sein!“ Dass erfolgreiches Marketing nicht unbedingt vom Budget abhängt, stellt VAUDE seit Jahren unter Beweis. Mit viel Kreativität und Engagement gelingt es VAUDE, immer mehr Menschen für die Marke zu begeistern und sich in einer international hart umkämpften Branche zu behaupten – bei überdurchschnittlichem Wachstum. Das bestätigt auch der CMO Award (CMO=Chief Marketing Officer), eine der höchsten Marketing-Auszeichnungen Deutschlands, die in diesem Jahr an VAUDE ging. „Die Kultur von VAUDE ist etwas ganz Besonderes. Diese Pionierleistung bei der Markenführung verlangt Mut, Risikofreude, Kreativität und Durchhaltevermögen. Der Erfolg gibt Antje von Dewitz recht: Sie ist vielen Marken um Jahre voraus“, so die Jury des CMO Awards, die aus renommierten Marketingexpert*innen besteht.

Firmenzentrale seit 2012 klimaneutral

VAUDE engagiert sich schon seit vielen Jahren aktiv für den Klimaschutz. Bereits seit 2009 nutzt das Unternehmen am Firmensitz in Tettnang zu 100 % Ökostrom, u. a. aus selbsterzeugter Solarenergie. Seit 2012 ist die Firmenzentrale mit allen dort hergestellten Produkten klimaneutral. 2019 wurde das nächste große Klimaziel gesetzt: weltweite Klimaneutralität gemäß der Science Based Targets - so schnell wie möglich. Auf diesem Weg hat VAUDE nun den ersten Meilenstein erreicht: Mit viel Aufwand und in enger Zusammenarbeit mit den Lieferanten wurden alle Emissionen aus der vorgelagerten, globalen Lieferkette erfasst. Aufgrund dieser fundierten Datengrundlage hat VAUDE jetzt beschlossen: Ab 2022 werden alle VAUDE Produkte werden klimaneutral!

Sämtliche (noch) nicht vermeidbaren klimaschädlichen Emissionen werden über ein myclimate Gold Standard Klimaschutzprojekt in Vietnam kompensiert, bei dem Kleinbauern Biogas aus organischen Abfällen gewinnen. Doch VAUDE genügt es nicht, zu kompensieren, noch wichtiger ist die Reduktion der Emissionen. Deshalb hat sich das Unternehmen mit den Science Based Targets zu weitreichenden globalen Reduktionszielen verpflichtet, um den ökologischen Fußabdruck kontinuierlich zu verkleinern und einen messbaren Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels unter Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu leisten.

Größte Herausforderung: globale Lieferkette

Der Löwenanteil der Emissionen entsteht bei VAUDE in der globalen Lieferkette. Funktionelle Outdoor-Produkte bestehen überwiegend aus synthetischen Fasern, deren Herstellung hohe Energieverbräuche verursacht. Hier hat VAUDE bereits angesetzt: Bis 2024 sollen 90 % unserer Produkte überwiegend aus recycelten oder biobasierten Materialien bestehen. Damit bekennt sich VAUDE zum Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und die Wiederverwertung von Materialien werden fossile Ressourcen geschont und CO2-Emissionen – je nach Material – um rund 50 % im Vergleich zu neuwertigen Materialien reduziert. In der Bekleidungs-Kollektion für 2022 hat VAUDE dies schon für die Hälfte aller Produkte geschafft.

“Es liegen noch einige dicke Brocken vor uns. Wir wissen, dass der Großteil unserer Treibhausgasmissionen bei unseren Lieferanten in der Herstellung der Materialien für unsere Produkte entsteht. Eine Energiewende in den Herstellungsländern ist dringend nötig, um Emissionen im großen Stil reduzieren zu können”, so Hilke Patzwall, VAUDE CSR Managerin. Daher hat sich VAUDE das Ziel gesetzt, bis 2030 50 % der Emissionen aus der Lieferkette einzusparen. VAUDE arbeitet intensiv daran, die weltweiten Produktionspartner beim Umstieg auf erneuerbare Energiequellen zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung (BMZ) hat VAUDE bereits 2015 in einem Pilotprojekt mit Zulieferern von textilen Materialien Energiemanagement-Schulungen durchgeführt, wodurch u. a. jährlich über 18 Millionen Kilowattstunden Energie in der Produktion eingespart werden. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch einer Kleinstadt. Den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen lässt sich in einer globalisierten Welt allerdings nur durch Zusammenarbeit bewältigen. Hier setzt VAUDE neben dem direkten Engagement auf Lieferantenebene auch auf Allianzen innerhalb der Branche.

Quelle: Vaude

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Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur