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Sehen, fühlen, riechen bei Meindl

  • Andreas Mayer
  • Donnerstag | 03. März 2016  |  12:05 Uhr
Bergschuhexperte Meindl lud Händler aus ganz Deutschland zur intensiven Produktschulung nach Kirchanschöring. An insgesamt zwei Tagen stand der Fachhandel im Mittelpunkt: Es wurden Schuhe getestet, ein Einblick in die Produktion gewährt sowie detaillierte Informationen zu den neuen Modellen vermittelt.
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Während eines Rundgangs durch die Produktionsstätten, gibt eine Mitarbeiterin Einblicke in die Verarbeitung der einzelnen Sohlen.
© Astrid Schlüchter

Text: Astrid Schlüchter

Das Wetter hatte es nicht wirklich gut gemeint. Nebel, leichter Nieselregen und für Mitte Oktober ungewohnt kalte Temperaturen um die 7 Grad ließen erste Wintervorboten erahnen. Dennoch hatten Fachhändler aus ganz Deutschland den teilweise recht weiten Weg auf sich genommen, um sich an insgesamt zwei Tagen intensiv dem Thema Schuh zu widmen. Bergschuhspezialist Meindl hatte zum alljährlichen Seminar in seine Heimat nach Oberbayern geladen. Auf dem Programm standen neben einer Wanderung mit einem staatlich geprüften Bergführer in Ruhpolding, die Besichtigung des Meindl Firmensitzes in Kirchanschöring samt neuem Logistikzentrum, Lederlager und Meindl-Museum sowie eine anschließende Produkt- und Technikschulung. Begleitet wurden die Teilnehmer von Geschäftsführer Lukas Meindl, dem deutschen Verkaufsleiter Stefan Müller sowie Vertreter Josef Hertig, verantwortlich für den Raum Baden-Württemberg.

Trotz Kälte und Nebel ging es am ersten Seminartag auf eine kurze Rundwanderung in Richtung Thorau Alm. Im Mittelpunkt dabei standen die neuen Modelle von Meindl, die in Aktion auf Herz und Nieren getestet werden sollten. „Es ist wichtig zu spüren, was ein Schuh im Gelände alles kann, wie sich die Sohle auf unterschiedlichem Terrain verhält, wie groß man den Schuh wählen muss, damit beim Abstieg nichts drückt und welche Vor- bzw. Nachteile das ein oder andere Detail mit sich bringt,“ so eine Fachhändlerin aus Berlin. Mit ihrem Shop „Wetterfest“ hat sie sich auf Outdoorbekleidung, -schuhe und -equipment für Erwachsene und Kinder spezialisiert. Vor Ort möchte sie noch mehr über die technischen Details der einzelnen Modelle erfahren, um im Verkaufsgespräch besser argumentieren zu können. „Es ist das erste Mal, dass ich mit meinem Mann an einem Meindl-Seminar teilnehme – doch die weite Anreise hat sich gelohnt. Wir können hier mit kompetenten Ansprechpartnern zwei Tage lang Fragen klären, wichtige Details diskutieren und je nachdem auch noch neuen Input sammeln.“ Auch das Team von Sport Mücke mit den Standorten Regensburg, Mögeldorf, Torsdorf und Fürth hatte erstmals den Weg nach Oberbayern gewagt. „Es ist wichtig sich auszutauschen, nicht nur mit dem Hersteller, sondern auch mit anderen Händlern. Schließlich sitzen wir alle im selben Boot und wollen dem Kunden die passenden Schuhe verkaufen.“

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Bergführer Walter Lang gibt während der Wanderung in Ruhpolding wichtige Tipps.
© Astrid Schlüchter

Doch nicht nur auf Seite des Fachhandels stoßen solche Seminare auf positive Resonanz, auch für den Hersteller sind die Veranstaltungen ein wichtiges Tool, um relevante Verkaufsaspekte wie technische Details, Innovationen, besondere Merkmale und Modellunterschiede in einem entspannten Rahmen zu vermitteln. „Meindl geht es um das Feedback unserer Fachhandelspartner. Schließlich sind es diejenigen, die vor Ort im Geschäft mit den Kunden in Kontakt treten und dabei auf Fragen stoßen, die wir ihnen hier hoffentlich beantworten können. Des weiteren erfahren wir, welche Modelle besonders gefragt sind, welche Details noch erklärungsbedürftig sind – sprich wo wir dem Fachhandel noch unter die Arme greifen müssen,“ so Verkaufsleiter Stefan Müller. Meindl veranstaltet regelmäßig Produktschulungen und Verkaufsseminare. In erster Linie auch deswegen, weil die einzelnen Modelle enorm beratungsintensiv sind. Aber auch, um zu zeigen, wie aufwändig das Produktionsverfahren eines Schuhs ist. „Indem wir einen intensiven Einblick in den Produktionsablauf gewähren, also den Händler von der Fertigung bis ins Lederlager, die Stepperei oder Bodenmontage mitnehmen, lassen wir ihn die Wertigkeit unserer Schuhe hautnah spüren. Nur so kann er am Ende im Verkaufsgespräch den höheren Preis unserer Modelle entsprechend rechtfertigen,“ so Geschäftsführer Lukas Meindl, der bei den Schulungen vor Ort immer selbst dabei ist und mitdiskutiert.

Diesen intensiven Einblick gab Meindl am zweiten Seminartag in der Firmenzentrale in Kirchanschöring. Bei einer Besichtigung der Produktionsstätte durften die Händler hautnah miterleben, wie viele Arbeitsschritte, nämlich insgesamt 200, benötigt werden, bis ein Meindl Schuh fertig gestellt ist. Vom Nähen des Schaftes, über das Verschweißen der Nahtstellen des Gore-Tex Futters bis hin zum Montieren des Schaftes über den Leisten auf die passende Brandsohle, es ist ein weiter Weg bis ein Modell die Reise zum Fachhändler antritt. „Ich hätte nie gedacht, dass es so aufwendig ist, ein Paar Bergschuhe zu produzieren. Ganz zu schweigen von den vielen Qualitätskontrollen und Testverfahren, die vor dem Finish noch auf dem Programm stehen,“ so ein Fachverkäufer von Sport Mücke. Andi, gelernter Schuster und seit 18 Jahren bei Meindl tätig, gab Einblicke zum Thema Leder und den unterschiedlichen Sohlenformen, zudem bekamen die Teilnehmer einen ersten Eindruck vom neuen Logistikzentrum. „Wir sind stolz darauf, dass wir immer noch hier in Kirchanschöring den Großteil unserer Bergschuhe produzieren. Das ist echtes „Made in Germany“. Dabei geht es uns nicht darum, um jeden Preis größer zu werden. Wir streben vielmehr nach einem gleichbleibendem Wachstum. Qualität, Vertrauen, saubere Arbeit, damit möchten wir unsere Position auf dem Markt behalten,“ so Lukas Meindl.

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Verkaufsleiter Stefan Müller mit den Teilnehmern des Meindl-Seminars.
© Astrid Schlüchter

Begehrlichkeiten schaffen wollte man auch durch die Einführung der Identity Modelle. Dadurch, dass man bei den einzelnen Schuhen einen detaillierten Herkunftsnachweis des verwendeten Oberleders garantiert, schafft Meindl eine lückenlose Transparenz. Schon beim Gerben wird das Leder mit einer Identifikationsnummer versehen. Jede Haut wird dabei gesondert von Hand geprägt. Diese Identifikationsnummer, auch Identity-Nummer genannt, ist später auch im Schuh verewigt (im Innenteil der Manschette). Damit können die Kunden die Vita ihres Schuhleders nachverfolgen.

Vom Einsatzbereich, über die Schuhgröße bis hin zum passenden Pflegeprodukt: Abschließend wurde in der Gruppe über den Ablauf eines Verkaufsgesprächs diskutiert, das Zusatzgeschäft mit Pflegeprodukten und Klein-Accessoires besprochen und wichtige Details, wie z.B. der Unterschied zwischen Leder und Gore-Tex vertieft. Dem Verkaufsleiter Stefan Müller ging es dabei vor allem darum, auf Besonderheiten einzugehen, die beim Verkaufsgespräch interessant sein könnten. „Man darf nicht unterschätzen, dass sich mit Socken, Fußbetten und Pflegeprodukten ein ordentliches Zusatzgeschäft generieren lässt. Vermittelt man dem Kunden mit dem passenden Socken und dem entsprechenden Fußbett ein angenehmeres Tragegefühl, wird er sicherlich beim Schuhkauf zusätzlich die Accessoires mit nach Hause nehmen.“

Zum Unternehmen Meindl

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Lukas Meindl
© Astrid Schlüchter

300 Jahre Schuhmachertradition hat die Firma Meindl vorzuweisen. Petrus Meindl wird urkundlich schon im 15. Jahrhundert erwähnt, er ist damals der erste Schuhmacher im Bayerischen Kirchanschöring. Heute stellt das Unternehmen mit den beiden Geschäftsführern Lars und Lukas Meindl bereits in der 9. Generation Schuhe in höchster Qualität her. Erst vor kurzem wählte das Outdoor-Magazin im Rahmen einer Leserumfrage den Bergschuhspezialisten zur beliebtesten marke 2015/2016.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2015