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Scandic: Trend bleibt Trend!

  • Nicolas Kellner
  • Donnerstag | 12. Mai 2016  |  10:00 Uhr
Wackelt der Skandinavien-Trend? Nein, meint Jesper Rodig, Prokurist und Mitgeschäftsführer beim Hamburger Vertriebsspezialisten für nordische Marken, Scandic. Im Exklusivgespräch mit sportFACHHANDEL über Marken, Messen und Markt verrät der langjährige Handelsprofi, warum dieser Trend verteidigt werden sollte und welche Chancen sich weiterhin bieten.
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Scandic-Prokurist Jesper Rodig

Interview: Nicolas Kellner

sportFACHHANDEL: Herr Rodig, seit vielen Jahren schon gibt es vor allem im Outdoor-Bereich einen starken Trend hin zu Marken aus dem Norden. Das wirkt sich image- und auch umsatzmäßig positiv aus. Gibt es die Gefahr, dass sich dieser Trend heiß läuft? Wie beurteilen Sie die Situation?

Jesper Rodig: Die positive Konnotation Skandinaviens existiert schon sehr lange und im Zuge zunehmend individuell und naturnah gestalteter Freizeit ist Nordeuropa sicherlich noch stärker in den Fokus gerückt. Wie jeder Trend ist auch hier die Gefahr vorhanden, dass sich Konsum- und Erlebnisgewohnheiten verschieben, wir gehen aber von einem auch in Zukunft sehr stabilem Skandinavien-Trend aus. Die Kombination aus unberührter Natur (deren Zugang kaum reglementiert ist) in Verbindung mit langer Touristik-Erfahrung und guter Infrastruktur ist in Europa einzigartig. Hinzu kommt die weitgehend positive Wahrnehmung der skandinavischen Gesellschaftsmodelle. Den meisten Menschen fällt im Zusammenhang mit Skandinavien schlicht nicht allzu viel Negatives ein.

Wie sehen Sie Marktentwicklung im Sport- und Outdoorsegment im Allgemeinen? Wo liegen besondere Wachstumspotentiale? Die Zeiten der deutlichen Konsolidierung sind glücklicherweise nach unserer Einschätzung weitgehend abgeschlossen. Das heißt aber nicht, dass wir jemals wieder zu den teilweise sagenhaften Wachstumsraten der 2000er-Jahre zurückkehren werden. Das hat mit wirtschaftlichen Entwicklungen, neuen Trends aber auch hausgemachten Fehlern innerhalb der Branche zu tun. Wir bei Scandic haben weder die ganz starken Auf- noch Abschwünge mitgenommen, sondern seit 2005 ein sehr stabiles und vor allem nachhaltiges Wachstum gezeigt und glauben daher daran, dass unser Modell auch in schwierigen Zeiten funktioniert. Wachstumspotenziale sehen wir weniger in ausufernden Kollektionen, sondern in verbindlichen Produkten, die dem Kunden einen bestimmten, genau definierten Mehrwert bieten. Das Ganze in Kombination mit einem klaren und nachhaltigen Produktionshintergrund zu einem angemessenen Preis. Natürlich muss man immer ein Auge auf Entwicklungen im Markt haben, das heißt aber nicht, dass jedem Trend unbedingt Folge geleistet werden muss. Mit dieser Philosophie glauben wir auch außerhalb des klassischen Outdoor- und Sportmarktes Kunden, die einen nachhaltigen und aktiven Lebensstil pflegen, erreichen zu können.

Welche Vorzüge bietet Scandic? Wie kann man sich zu anderen Mitbewerbern abgrenzen? Wir bieten unseren Handelspartnern sinnvolle und authentische Produkte, größtenteils „Made in Sweden“, die sich über viele Jahre einen hervorragenden Ruf erarbeitet haben. Ferner wissen wir als Distributor/Importeur um unsere Rolle und sehen den Fachhandel als unseren Partner und nicht als Konkurrent oder Mitbewerber. Wir gehen in Sachen Vertrieb nach einem sehr strikten System vor, in dem nachhaltige Entwicklung der Kundenbeziehung im Vordergrund steht. Kurzfristiges Wachstum ist für uns nachrangig und aus diesem Grund haben wir auch viele Anfragen von potentiellen Kunden abschlägig beantwortet. Dazu gehören auch große und namenhafte Händler und Onlineplattformen. Natürlich haben wir dadurch auf Umsatz verzichtet, auf die Dauer aber die Beziehungen zu unseren Händlern gestärkt. Mit der Konzeption grenzen wir uns heute von vielen Mitbewerbern ab.

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Die Landschaft ist es, die den Trend für skandinavische Marken begründet.

Welche Bedeutung haben Messen für Sie? Was konnten Sie beispielsweise von der jüngsten ISPO mitnehmen? Messen waren und bleiben wichtiger Gradmesser und vor allem Stimmungsbarometer der Branche. Wenngleich so gut wie keine Geschäftsabschlüsse generiert werden, so finden doch wichtige Anbahnungen statt und auch Verhandlungen über die weitere Zusammenarbeit mit bestehenden Kunden können hier gut absolviert werden. Ferner sind Messen eine sehr willkommen Gelegenheit sich mit Kollegen aus der Branche intensiv auszutauschen.

Welcher Kontakt wird zu Händlern gepflegt? Wie dicht muss man als Vertrieb am Fachhandel dran sein? Nähe zum Händler ist unabdingbar und kann nach unserer Ansicht nur durch qualifiziertes Personal im Außendienst gewährleistet werden. Das heißt nicht, dass man den Händler belästigen soll, aber regelmäßiger Kontakt ist ebenso wichtig wie das Vorhandensein eines verbindlichen Ansprechpartners, der die Gegebenheiten vor Ort auch kennt. Ferner legen wir auch hier Wert auf nachhaltige Entwicklungen der Beziehungen zwischen Außendienst und Handel. Niemanden ist damit geholfen, wenn sich regelmäßig ein neuer Ansprechpartner in die Historie einarbeiten muss.

Welche Rolle spielen Handelsvertreter für Sie? Wie wichtig sind Showrooms und Orderzentren? Wir arbeiten ausschließlich mit Festanstellungen. Unser Markenportfolio und die Vielzahl der von uns bearbeiteten Märkte (neben Freizeit sind das auch Workwear und Behörden) machen im Grunde kein anderes Modell möglich. Ferner bietet nur dieses Layout die Möglichkeit zu verbindlichen Rückmeldungen des Außendienstes an uns, die natürlich auch Grundlage unserer Kommunikation mit den skandinavischen Herstellern ist. Wichtiger als Orderzentren und Showrooms sind für uns Ordermessen wie die Ordertage-Nord, die Outdoor-Profi-Messe der Sport 2000 und die Fashion-Premiere in Neuss.

Gibt es Bereiche, die Scandic noch diversifizieren oder neu erobern will? Wenn bei Scandic eines sicher ist, dann ist es die Tatsache, dass es mit unserem Portfolio niemals langweilig wird und wir im Grunde ständig in vielen Märkten Potentiale sehen. Sollte man hier einen Bereich besonders hervorheben, so wäre das sicherlich der Workwear-Bereich, der momentan die größten Zuwächse verspricht. In dieser Richtung haben wir uns auch in Bezug auf den Außendienst in 2016 hervorragend aufgestellt.

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Scandinavian Style: funktioniert auch bei der Arbeit!

Wir bedanken uns für das Gespräch.

Die Scandic Outdoor GmbH

Scandic ist seit 1987 auf den Import und die Vermarktung skandinavischer Traditionsmarken spezialisiert. Geschäftsführer Jan Molander und sein zehnköpfiges Team betreuen Fachhandel und Industrie. Von dieser Marktkenntnis profitieren Marken wie SätilaBlå Band,Trangia, BuslettoNokian Footwear oder der kanadische Polarschuh-Spezialist Baffin. Die Vertriebsprofis von Scandic brachten zuletzt die traditionsreiche Marke Woolpower mit Steigerungsraten von knapp 40 Prozent auf Wachstumskurs. Jesper Rodig verfügt über eine kaufmännische Ausbildung und fünfjährige Berufserfahrung im Handel, studierte Skandinavistik und Wirtschaftswissenschaften, und ist seit 2008 bei der Scandic Outdoor GmbH.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2016