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Rolf Reinschmidt, Senior Vice President Adidas Outdoor: „Kein Grund für Strategiewechsel“

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 09. Juli 2014  |  09:47 Uhr
Als finanzstarker Weltkonzern und Spätstarter werden die „Drei Streifen“ aus Herzogenaurach in der Outdoor-Branche immer noch besonders beäugt.

Im Gegensatz zu anderen Quereinsteigern hat sich Adidas Outdoor aber etabliert. Das Konzept und die Produktqualität stimmen, wie Senior Vice President Rolf Reinschmidt gegenüber sportFACHHANDEL bestätigt.

Interview: Andreas Mayer

sportFACHHANDEL: Herr Reinschmidt, in den vergangenen Jahren haben Sie sich sowohl im Marketing als auch mit ihren Produkten auf die athletische, also eher spitze Zielgruppe fokussiert. Hat sich die Strategie gelohnt? Haben Sie zum Beispiel Marktanteile gewinnen können, den Gesamtumsatz steigern können, an Reputation gewonnen etc.?

Rolf Reinschmidt: Adidas Outdoor ist die athletische Marke im Outdoor-Bereich. Unsere Produkte werden mit dem Fokus kreiert, Athleten am Berg bestmöglich zu unterstützen, sei es zum Beispiel durch leichtere und funktionellere Textilien oder durch außergewöhnlich guten Grip unserer Schuhe. Mit dieser Positionierung haben wir in den letzten fünf Jahren wir unseren weltweiten Umsatz mehr als verdoppeln können. Unsere Facebook-Community zählt über eine halbe Million Fans, wir rangieren in den Rankings zu den beliebtesten Outdoor-Marken stets unter den Top Ten und rücken immer weiter nach vorne. Unsere Produkte erhalten regelmäßig internationale Auszeichnungen, so dass sich unsere Strategie sowohl quantitativ als auch qualitativ mehr also gelohnt hat. Wir sind sehr zufrieden mit der globalen Entwicklung.

Gibt es hier mit der OutDoor 2014 einen Strategiewechsel? Nein, einen Grund für einen Strategiewechsel bei Adidas Outdoor gibt es nicht., denn unsere Positionierung ist die absolut richtige. Der Outdoor-Bereich hat sich aber verändert: Es geht nicht mehr nur darum, die Gipfel der Welt zu erklimmen, sondern schneller zu sein; mehr Gipfel an einem Tag zu besteigen, mehr Höhenmeter zurückzulegen oder mehrere Sportarten zu kombinieren. Eine Umfrage gab an, dass Outdoor-Sport-Interessierte durchschnittlich 5,4 Outdoor-Aktivitäten betreiben. Mit der neuen Terrex-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2015 schärfen wir unsere Position noch mehr und sind damit „mehr Adidas“ als je zuvor. Wir rücken unsere Herkunft als athletische Marke noch klarer in den Fokus um damit noch stärker zu zeigen, wofür wir stehen bzw. um uns von anderen abzugrenzen.

Die Regale der meisten Outdoor-Shops platzen aus allen Nähten. Was tun Sie, um Händler von Ihren Produkten zu überzeugen? Durch unsere Outdoor-Außendienstmitarbeiter arbeiten wir bereits seit langem sehr eng und gezielt mit dem Outdoor-Fachhandel zusammen. Dabei sind unsere Maßnahmen sehr vielfältig und individuell: Sie reichen von unseren „Terrex Training Tours“ über verkaufsunterstützende Materialen für unsere Fachhandelspartner bis hin zu einer individuellen Einbindung von Athleten. Darüber hinaus gibt es ein umfassendes Programm für Terrex-Spezialisten-Händler, das bei der Unterstützung uns wichtiger Produktkonzepte weitere individuelle Maßnahmen beinhaltet.

Im Schuhbereich haben Sie Kletterspezialist Five Ten zugekauft. Ist das eine Marschrichtung, durch Zukäufe weiter zu wachsen? Die Akquisition von Five Ten war eine strategische Entscheidung im Jahre 2011 und eine hervorragende Ergänzung für das Portfolio von Adidas Outdoor. Sie hat unser deutliches Engagement im Outdoor-Bereich unterstrichen sowie unseren Anspruch, künftig eine führende Rolle in der Outdoor-Branche einzunehmen. Weitere Zukäufe im Outdoor-Bereich sind nicht vorgesehen.

Als Weltmarke verkaufen Sie natürlich auch über’s Internet. Wie ist das Echo aus dem Fachhandel? Der Trend hin zum Online-Shopping ist nicht aufzuhalten. Nicht nur der Kunde kauft immer häufiger übers Internet auch der Handel wird im Online-Bereich immer aktiver und professioneller. Auch wir nutzen unsere eigenen Vertriebskanäle als Plattformen, um unsere Konzepte und Produkte im Outdoor-Bereich dem Konsumenten in ihrer ganzen Bandbreite zu präsentieren. Selbstverständlich suchen wir in diesem Bereich auch die enge Partnerschaft mit dem Outdoor-Fachhandel, denn gerade bei technischer Bekleidung und Schuhen sind Passform, Tragegefühl und die richtige Beratung wichtig. Dazu bieten wir zum Beispiel Tools wie unseren Retail-Finder auf unserer Internetseite an. Interessierte Kunden, die nicht online kaufen möchten, finden darüber das nächstgelegene Geschäft. So lenken wir die Kunden auch in den Fachhandel.

Bis 2017 wollen Sie PFC-frei sein. Wie liegen Sie da im Plan? Die Adidas-Gruppe führt seit Jahren wegbereitende Umweltprogramme im Bereich des Chemikalienmanagements durch. In diesem Rahmen hatte sich die Adidas-Gruppe bereits zu einem Verzicht der Nutzung langkettiger PFCs bis spätestens 1. Januar 2015 verpflichtet. Bereits ab dem 15. Juni 2014 setzen wir in 90 Prozent unserer Produkte keine PFCs mehr ein und werden ab spätestens 31. Dezember 2017 sogar bei 99 Prozent unserer Produkte auf PFCs zu verzichten. Erst im Juni diesen Jahres konnten wir einen weiteren Meilenstein bekannt geben: unsere strategische Partnerschaft mit Bluesign Technologies. Ziel ist es, nachhaltige Lösungen in der globalen Beschaffungskette des Unternehmens weiter voranzutreiben.

Wird das negative Auswirkungen auf die Funktion der Bekleidung haben? Nein, das Ziel, als Konzern nachhaltiger zu agieren und umweltschonendere Materialien zu verwenden, wird keine Auswirkungen auf die Funktion der Bekleidung bzw. der Schuhe haben. Ein Credo unseres Gründers Adi Dassler ist: „Nur das Beste für den Athleten“. Diesem Maßstab bleiben wir auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten treu, denn unsere Bemühungen um den Einsatz nachhaltiger Materialien sind vor allem durch eines gekennzeichnet: Innovation. Mit innovativen Produktkonzepten und Materialien verbessern wir die Methoden zur Herstellung unserer Produkte, ohne auf Funktion zu verzichten.

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Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2014