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Paramo: Nicht nur schönes Beiwerk!

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 29. Juni 2016  |  23:11 Uhr
Hier ist der Name Programm. So setzt die britische Outdoorbekleidungsmarke Páramo insbesondere auf wetterfeste, funktionell hochwertige Produkte – perfekt für das gleichnamige Ökosystem in Kolumbien, das für seine hohen Niederschläge und extreme Luftfeuchtigkeit bekannt ist. Dass Jacken und Hosen zusätzlich ohne PFC klar kommen, ist für das Unternehmen selbstverständlich. Warum, das erklärt CEO Gareth Mottram.

Interview: Astrid Schlüchter

sportFachhandel: Gareth Mottram, bevor wir über das Thema Nachhaltigkeit sprechen, widmen wir uns erst einmal euren Wurzeln ...

Gareth Mottram: Páramo wurde 1992 von Nick Brown, Gründer des Reinigungs- & Imprägniermittelherstellers Nikwax, ins Leben gerufen. Er entwickelte das Konzept für die PFC-freie Material-Technologie Nikwax Analogy, die nach dem Prinzip eines Tierfells Wasser vom Körper weg „pumpt“ und somit sowohl von außen als auch von innen warm und trocken hält. Nick testete seine Erfindung erstmalig im kolumbianischen Páramo. Die Firma hat einen engen Bezug zu Kolumbien, da 80 Prozent der Kollektion dort in Zusammenarbeit mit einer Stiftung produziert wird, die sozial benachteiligten Frauen neue Zukunftsperspektiven bietet.

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Páramo-CEO Gareth Mottram am Fels in Action!
© Páramo

Im Hinblick auf die Greenpeace Vereinbarung, wie gehen Sie dabei vor und was haben Sie bis dato erreicht? In Deutschland verkaufen wir ausschließlich Ware, die strikten Fluortests unterlaufen ist, um den Einsatz von PFC in der gesamten Lieferkette auszuschließen. Diese Testmethode wurde 2013 eingeführt und wird seit April 2016 für die gesamte Kollektion angewendet.

Was ist das Schlimme an PFC? PFC verbreiten sich sehr schnell in der Natur. Sie sind so durchdringend, dass sie sogar in der Leber von Eisbären und sogar in den entlegensten Regionen unseres Planeten nachgewiesen wurden. Eine Analyse von Autopsien in Nordspanien ergab wesentliche Ansammlungen von PFC im menschlichen Gewebe (Perez et al, 2013, Environment International, vol 59 , pp354-362). Die einzelnen Stoffe innerhalb dieser Chemikaliengruppe haben zwar unterschiedlich starke Auswirkungen, aber jede Art PFC hat das Potenzial, hormonelle Veränderungen herbeizuführen. Weitere Studien belegen ein durch PFC unterdrücktes Immunsystem bei Menschen und Primaten. Es gibt jedenfalls ausreichend wissenschaftliche Ergebnisse, die darauf hinweisen, dass wir die Verbreitung dieser Chemikalien in unsere Umwelt weitestgehend verhindern müssen.

Kann man ohne PFC die gleichen Voraussetzungen bieten? Atmungsaktivität benötigt keine PFC und es gibt leistungsstarke DWR-Alternativen, das beweist Nikwax, Schwestermarke von Páramo, bereits seit mehr als 30 Jahren. Der Grundstein für unser Unternehmen ist die Liebe zur Natur, sonst wären wir nicht in dieser Branche. Dank der Material- und Pflegetechnologien von Nikwax ist es uns möglich, leistungsstarken Wetterschutz neu zu definieren. Wir haben eine Lösung gefunden, die nicht nur umweltverträglicher ist, sondern auch extrem hohe Atmungsaktivität und unvergleichbaren Feuchtigkeitstransport bietet. Eine Jacke ohne PFC-haltige DWR muss man wahrscheinlich öfter waschen und nachimprägnieren. Andererseits erhält man dadurch ein langlebigeres Produkt.

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Nick Brown, Gründer des Reinigungs- & Imprägniermittelherstellers Nikwax sowie von Páramo.
© Páramo

Was verbindet ihr mit Nachhaltigkeit? Für uns bedeutet Nachhaltigkeit Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und unseren Mitmenschen, denn ohne sie könnten wir nicht existieren. Wir betrachten diese Verantwortung nicht als Last, sondern als Chance, die Welt positiv zu verändern. Nur eine Verantwortung entfällt: gegenüber Aktionären. Als Familienunternehmen bestimmen ausschließlich wir selbst über unsere Handlungsweisen und lassen diese von unseren Unternehmenswerten leiten.

... und wie wollt ihr dieses Ziel langfristig erreichen? Unsere Bekleidung ist nicht nur besonders langlebig, wir bieten auch einen eigenen Reparatur- und Recyclingservice an. Mit dem Verkauf ausgewählter Produkte spenden wir an Naturforschungsprojekte. Wir sammeln Regenwasser, und auf unserem Firmendach findet man Solarzellen, die im Sommer unseren gesamten Energiebedarf abdecken. Seit Firmengründung produzieren wir in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Stiftung Miquelina in Bogotá, Kolumbien.

Nachhaltigkeit geht aber auch oft mit höheren Verkaufspreisen einher, wie viel ist ein Kunde am Ende bereit für eine Jacke zu bezahlen? Wir versuchen stets einen fairen Preis zu setzen, das ist oft eine Herausforderung. Denn nachhaltige Unternehmensführung setzt nicht nur einen verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Umwelt voraus, sondern man muss dabei auch wettbewerbsfähig bleiben.

Wie sehen eure zukünftigen Vertriebspläne in Europa aus? Wir haben im letzten Jahr unseren Umsatz im deutschen Fachhandel mehr als verdreifacht und planen über die nächsten Jahre so rasch weiter zu wachsen.

... und wie wollt ihr die Marke generell bekannter machen? Der wichtigste Schritt für uns ist es, unsere Markenpräsenz im Fachhandel zu stärken, denn hier kann sich der Endverbraucher mit den Produkten und unserer Technologie vertraut machen. Wir investieren stark in Online- und Offline-Marketingaktivitäten sowie in Events.

Plant ihr dazu auch spezielle Aktionen? Da sich unser Produkt von den bekannten Technologien unterscheidet, bieten wir Fachhändlern Testprodukte an, damit sie sich selbst von der Funktionalität überzeugen können. Wir werden auch in Kürze in Deutschland und Österreich ein „Händlerportal“ einrichten, auf dem online Sonderbestellungen mit der standardmäßigen Handelsspanne aufgegeben werden können. Unser Angebot an den Fachhändler ist sehr individuell. Außerdem legen wir Wert darauf, nicht nur mit großen Mengenrabatten zu locken, sondern auch durch Mitarbeiterschulungen und POS-Material eine fachgerechte Kundenberatung zum Kinderspiel zu machen.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2016