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Neuer Test-Schock für PTFE-Nutzer

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 28. Juni 2019  |  10:00 Uhr
Frankfurter Wissenschaftler haben die Auswirkungen der Verbrennung der Membranarten PTFE-, Polyurethan- und Polyester im offenen Feuer untersucht. Angesichts steigender Exporte von Gebrauchtbekleidung und Textilmüll in Entwicklungsländer, sind die Ergebnisse auch für Hersteller von PTFE-haltiger Outdoorbekleidung relevant.
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Der Müllexport in Drittländer, wie hier in die Philippinen, verlagert das Problem nur, löst es aber nicht.
© Pixabay/wickelbock9

Das Frankfurter Institut Warringtonfire hat bei einer Prüfung der Rauchgasdichte und Rauchgastoxizität eine nennenswerte Freisetzung von hochtoxischer Flusssäure sowie von Salzsäure beim Verbrennen von PTFE-Membranen festgestellt. Die im Labormaßstab ermittelten Werte entsprechen dem Verbrennen der in einer Outdoorjacke enthaltenen Membranmenge in einem Raum von ca. fünf Quadratmetern. Demnach müsse davon ausgegangen werden, dass bei der unkontrollierten Verbrennung einer handelsüblichen Funktionsjacke, in der eine PTFE-Membran verarbeitet wurde, allein schon die dabei entstehende Menge an Flusssäure für unmittelbar dem Rauch ausgesetzte Menschen nach 30 bis 60 Minuten tödlich sein kann, analysiert der Münchener Funktionstechnologieanbieter Sympatex, der selbst noch nie auf PTFE, sondern auf reine Polyether/ester-Membrane gesetzt hat. Die ebenfalls lediglich bei der Verbrennung von PTFE freigesetzte Salzsäure führe darüber hinaus beim Einatmen in der Lunge zu schweren Verätzungen; es könnten Reizungen und Verätzungen der Schleimhäute und der Atemwege auftreten, heißt es.

Problematisch seien diese Ergebnisse, da rund 50% der weltweit gesammelten Textilien (in Deutschland etwa 70% aller gebrauchten Bekleidung) über Altkleidersammlungen in einkommensschwächere Drittländer verkauft würden – in diesen Ländern sei der häufigste Entsorgungsweg für Abfälle die (oft unkontrollierte) Deponie oder das offene Feuer. "Wenn 40% des globalen Mülls unkontrolliert im offenen Feuer verbrennt , müssen wir sicher stellen, dass dies Menschen nicht unnötig gefährdet", fordert Dr. Rüdiger Fox, CEO von Sympatex Technologies daher. „Angesichts des zunehmenden globalen Mülltourismus, den China mit seinem Import-Stop für Plastik- und Textilabfälle vor etwa 18 Monaten erst richtig transparent gemacht hat, und den Bildern von brennenden wilden Deponien können wir nicht einfach die Augen verschließen."

Sein Unternehmen habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 eine vollständig zirkuläre Bilanz bei den genutzten Rohmaterialien umzusetzen. „Mit einer global gewordenen Wirtschaft müssen wir uns auch unserer systemischen Verantwortung stellen. Hierzu gehört, nicht nur im Entstehungsprozess unserer Produkte höchste Standards anzusetzen, sondern auch sicherzustellen, dass unsere Produkte am Ende ihres Lebens keine gefährlichen Spuren hinterlassen."

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN