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Made in Europe – „Das Siegel gibt dem Produkt Wertigkeit und Identität.“

  • Ralf Kerkeling
  • Dienstag | 17. August 2021  |  10:48 Uhr
Die Firma Löffler hat sich mit funktioneller Sportbekleidung einen Namen in Europa und der Welt gemacht. Modernste Technologien, flexible Arbeitszeitmodelle und Transparenz in der Wertschöpfungskette gelten hierbei als Erfolgsfaktoren. Wir konnten mit Geschäftsführer Otto Leodolter über dieses Thema sprechen.
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Die Geschicke von Löffler leitet Otto Leodolter seit März 2012.
© Löffler

sportFACHHANDEL: Herr Leodolter, wie ist aus Ihrer Sicht das Siegel „Made in Austria“ einzusortieren?

Otto Leodolter: Innerhalb der Wertschöpfungskette eines Produktes müssen 50 Prozent in Österreich hergestellt werden, damit das Siegel verwendet werden darf. Aus Löffler-Sicht benutzen wir das Siegel gerne, da wir einige Produkte haben, die zu einhundert Prozent hierzulande hergestellt werden. Das ist u.a. möglich durch unsere hauseigene Strickerei in Ried im Innkreis, Oberösterreich. Alle Artikel, die wir am Hauptsitz hergestellt haben, bekommen von uns ein „Made in Austria“-Logo.

Wie ist die Wertschätzung im nahen und fernen Ausland zu bewerten?

Das ist jedes Mal eine interessante Diskussion. Ich stelle dazu eine Gegenfrage. Nach welchen Kriterien entscheidet ein Endverbraucher, ob er Made in… Austria, France, Switzerland oder Italy etc. auswählt? Jetzt behaupte ich als Österreicher, dass Made in Austria für Qualität steht, Italien steht für Design, die Schweiz für Präzision. Das Siegel gibt somit den Produkten eine gewisse Wertigkeit und Identität. Aus diesem Grund glaube ich daran, dass die Siegel interessant sind und speziell unser Austria-Logo für uns ein wichtiges Thema ist.

Gefühlt nimmt das allgemeine Bewusstsein für Siegel zu. So tauchen Siegel öfter in der Werbung auf. Nehmen Sie in den letzten Jahren eine Veränderung in Bezug auf die Wertschätzung wahr?

Der Trend ist von der Lebensmittelindustrie gepusht. Hier wird auch ab und an ein wenig Schindluder betrieben. Die wenigsten Menschen wissen, wo die einzelnen Produkte produziert werden. Es handelt sich hierbei um eine spitze Zielgruppe an Interessierten. Gleichwohl ist auf die Textilbranche bezogen ein großer Trend spürbar, weg von den extremen Billig-Produktionsländern, hin zu einer europäischen Produktion. Dieses verstärkte Bewusstsein wirkt sich indirekt auf die Kaufentscheidung am POS aus.

Wurde dieser Trend aus Ihrer Sicht durch die Pandemie beschleunigt?

Die Lieferketten sind durch die Pandemie sehr stark ins Schwanken geraten. Nahe Lieferketten haben dadurch eine neue Wertigkeit erhalten. Auch wir haben beispielsweise aktuell immer wieder mal Schwierigkeiten mit den Lieferketten. Wir stellen fest, dass schon Kleinigkeiten den Produktionsfluss stören können. Das sind z. B. YKK-Reissverschlüsse, die nicht ankommen oder Garne, die nicht mehr der Qualität von früher entsprechen, weil Zutaten nicht mehr die gewohnte Qualität haben.

Würde es sich auch Ihrer Sicht lohnen, ein Siegel „Made in EU“ zu stärken und sich so global stärker aufzustellen? In den USA ist das Siegel beispielsweise nicht anerkannt.

Löffler produziert seit rund 48 Jahren in und für Europa. Wir schielen nicht gerne nach den USA oder China. Das ergibt für uns keinen Sinn. Auf der einen Seite versuchen wir ,verantwortungsvoll zu produzieren und dann laden wir es in Container nach Colorado, belabeln dort neu mit Made in USA, um dann dort besser verkaufen zu können? Nein. Unsere Kernkompetenz ist in Europa. Wir bewerten das in jedem Jahr neu. Ich würde aber behaupten, das wird für uns für die nächsten 10 bis 15 Jahre weiterhin gut funktionieren.

Welche Rolle spielt für Löffler ein Netzwerk aus lokalen Zulieferbetrieben bzw. Kooperationsbetrieben im nahen europäischen Ausland?

Ein klarer Vorteil liegt in der Thematik des gegenseitigen Kennens. Wir können in Deutschland und Italien viel flexibler und schneller agieren, als wenn wir in Asien agieren müssten. Kurze Lieferweg sparen zudem Kosten. Aktuell sieht man gut, was durch die schiere Explosion der Preise bei Luftfracht und Containern aus Asien gerade passiert. Dennoch müssen wir uns eingestehen, bestimmte Produkte gibt es in Europa nicht mehr. Wenn wir nur auf die Laminate von Gore-Tex schauen, da können wir uns auf den Kopf stellen, diese werden aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr woanders hergestellt werden, als in Asien.

Zudem ist es sehr schwierig, den Weg zurück in die Heimat anzutreten. So ist extrem viel Know-How verloren gegangen. Produktionsstätten wieder in Österreich aufzustellen, ist aufgrunddessen nicht leicht, da entsprechendes Personal und Fachwissen benötigt wird. Dadurch, dass wir 70 Prozent der eingesetzten Stoffe selbst herstellen, konnten wir auch in der aktuellen Krise weiter produzieren.

In der Pandemie-Zeit konnten wir so recht schnell auch für die Mitarbeiter sinnvolle Produktionen wie Schutzmasken umsetzen. Hier haben wir z. B. innerhalb kürzester Zeit 150.000 Masken produziert, die u.a. auch für das Rote Kreuz hilfreich waren. Das war für die gesamte Region ein Erfolgskonzept.

Jetzt haben wir gerade von Berufen gehört, die in Europa nicht mehr vorhanden sind. Nun gibt es aber auch traditionelle Berufe, die immer noch benötigt werden. Wie sieht das in der Herstellung bei Löffler aus? Welche Berufe sind hinzugekommen?

Das die Digitalisierung auch bei uns nicht halt gemacht ist logisch. Dadurch sind auch neue Jobs entstanden, die sehr hochwertig sind. Traditionelle Handwerksberufe möchte ich das so bei uns nicht nennen. Das sind mittlerweile alles hochmoderne Arbeitsplätze, die vom Bekleidungsgestalter bis zum Medienfachmann reichen. Bei uns werden Sie keine klassischen Nähmaschinen mehr vorfinden.

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Am Hauptsitz in Ried werden viele der Produkte komplett hergestellt.
© Löffler

Es geht darum, sich kontinuierlich weiter zu entwickeln. Fünf Prozent unserer Gewinne investieren wir jährlich in Innovationen. Von diesen fünf sind es mittlerweile 25 Prozent, die in elektronische Hilfsmittel wie EDV fließen. Logistik und Elektronik rücken immer weiter in den Vordergrund. Durch diesen Wandel ist auch jeder Mitarbeiter aufgefordert, mitzugehen.

Dies streift auch das Thema Industrie 4.0, wie es so schön in der Digitalisierungssprache heißt. Wie ist die Wertschöpfungskette bei Löffler aufgebaut und welche Produktionsschritte finden tatsächlich in Ried statt?

Beim Thema Industrie 4.0 muss ich jedes Mal schmunzeln. Unser Strategie-Papier, welches wir in jedem Jahr präsentieren, beinhaltet genau diesen Punkt schon seit vielen Jahren. Wir schauen mittlerweile bis 2030 nach vorne. Das bedeutet, wir haben eine Vielzahl an EDV-Projekten laufen. Ob das jetzt der Order-Einholungsprozess, die Verwaltung oder die Logistik beinhaltet, wir haben hier bereits viel investiert. Das bindet viel Kapital.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Was machen wir in Ried? Kurzum, wir machen hier alles. Wir entwickeln und stricken vor Ort. Was wir nicht mehr können, ist färben und waschen. Die Ausrüstung unserer Stoffe findet ausnahmslos in Österreich, Deutschland oder Italien statt. Danach kommen die Waren wieder zu uns zurück. An unserem Standort haben wir zwei große Schneideanlagen. Sämtliche Produkte werden dort zugeschnitten und etwa 30 Prozent der Produkte wird vollständig in Ried fertig gestellt. Unser Tochterunternehmen Löffler Bulgarien sowie ausgewählte Lohnpartner in Tschechien und Ungarn übernehmen Näharbeiten aus Kapazitätsgründen. Wir reden also wirklich über eine europäische Produktion.

Gehen im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung bei Ihnen auch Arbeitsplätze verloren?

Der Trend geht zu eindeutig mehr Arbeitskräften in Ried. Allein im letzten halben Jahr haben wir 15 Personen aufgebaut. Das liegt darin begründet, dass wir erstens, Gott sei dank, sehr erfolgreich sind und zweitens, Flexibilität ein wesentlicher Erfolgsfaktor für uns ist. Dafür ist wichtig, dass genügend Personal vorhanden ist. Als Textilproduzent haben wir mit insgesamt 90 Prozent der Belegschaft einen hohen Anteil an Frauen beschäftigt. Wir haben somit viele Teilzeit- und Karenzkäfte, die z. B. nach der Mutterschaft zurückkehren. Unsere zahlreichen Arbeitsmodelle erlauben es uns, die erforderliche Flexibilität zu erhalten.

Ich würde gerne auf den Punkt des Färbens zurückkommen., eines sensiblen Themen, wenn es um Nachhaltigkeit und Transparenz geht. Wie achtet Löffler auf eine umweltbewusste, umweltschonende Produktionsweise?

Wir haben seit vielen Jahren die Prämisse ausgegeben, dass unsere Produkte Öko-Tex 100 zertifiziert sind. Uns ist es wichtig, und dies lässt sich auch in unserem Nachhaltigkeitsbericht nachlesen, einen verantwortungsvollen Betrieb zu haben. Dies führt automatisch zu den Themen Färben und Waschen. Unsere Färbereien sind namentlich in dem angesprochen Bericht benannt, allesamt renommierte deutsche und österreichische Betriebe, die sämtliche Umweltstandards nach den jeweils gängigen nationalen Rechtsformen erfüllen. Ein bewusstes Besuchen der Partnerbetriebe, auch zu diesen Punkten, ist natürlich in einer kurzen Lieferkette viel leichter.

Stichwort: kurze Wege. Wirkt sich diese Nähe auch in puncto Kundennähe, ob Endverbraucher oder Fachhandel, positiv aus?

Der Fachhandel ist ein wesentlicher Stakeholder in unserem Business. Das ist überhaupt keine Diskussion. Im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsreports haben wir auch den Fachhandel befragt, wie deren Meinung zu der Zusammenarbeit ist, was die Assets sind. Dabei kam heraus, dass Löffler viel Gutes tut, es jedoch zu wenig kommuniziert. Gerade Dinge wie unser Reparaturservice, zählen klar zu den Assets, die für uns sprechen. Auch der Vertrieb und das Produkt an sich sprechen den Fachhandel an, um nach den Ergebnissen der Umfrage zu gehen. Das Gesamtbild scheint zu passen.

Wir blicken auf ein sehr anstrengendes Jahr zurück. Gab es hier vonseiten Löfflers besondere Maßnahmen, um den Handel zu unterstützen?

Wir haben generell einen sehr guten Austausch mit den Händlern. Dazu muss aber auch gesagt werden – Löffler kann nicht die Weltt retten. Wenn ein Fachhändler auf sehr viel Ware sitzen geblieben ist, haben wir immer versucht, partnerschaftliche Lösungen zu finden. Diese mussten jedoch immer für beide Seiten verträglich sein. Es muss jedes Mal abgewogen werden, was ist die richtige Lösung für jeden einzelnen Händler. Es gab nie die pauschale Lösung, bringt uns die Ware zurück und wir kümmern uns darum. In Einzelgesprächen mit kleinen und großen Händlern haben wir versucht, die jeweils passende Lösung zu finden. Es gibt viele Möglichkeiten, die auch gut angenommen wurden. Unsere Kunden haben durch die kurzen Wege in Europa die Chance gehabt, sehr spät zu ordern und konnten somit schauen, so dass die ältere Ware möglichst abverkauft wurde, um dann zu schauen, was wird an neuen Produkten benötigt. Teilweise hat uns das selber in die Bredouille gebracht, aber im Nachhinei, war es genau die richtige Entscheidung, dies so anzubieten. Wichtig war uns, dass der Kunde immer einen Ansprechpartner hat, dass eine Kommunikation stattfindet. Insgesamt sind die Kontakte dadurch intensiver und enger geworden.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Leodolter.

Interview: Ralf Kerkeling

Das Interview stammt aus der Ausgabe 5/21 sportFACHHANDEL.

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Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur