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Jack Wolskin: Draußen zu Hause

  • Astrid Schlüchter
  • Freitag | 02. Juni 2017  |  15:30 Uhr
Gerold Ringsdorf kennt Jack Wolfskin – fast so gut wie seine Westentasche. Denn der Produktmanager ist seit 1986 mit dabei und über 30 Jahre mit der Marke eng verbunden. Sein Spezialgebiet: Zelte und Rucksäcke.

Text: Astrid Schlüchter

Gerold Ringsdorf
Mal wieder draußen, Ringsdorf bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Wandern.
© Gerold Ringsdorf

Draußen zu Hause“ ist für Gerold Ringsdorf nicht nur ein Werbeslogan. Denn, tatsächlich findet man den langjährigen Mitarbeiter und ehemaligen Ausrüstungs-Chefentwickler von Jack Wolfskin am liebsten draußen in der Natur. Dass der heutige Produktmanager die Zeit gerne unter freiem Himmel verbringt, hat wohl auch mit seiner Leidenschaft für Zelte zu tun. So verbrachte er Anfang der 80er Jahre ein ganzes Jahr in einem Tipi-Zelt. Damals arbeitete Gerold noch als Kanu- und Outdoor-Verkäufer in Berlin, bevor er schließlich den Jack Wolfskin-Gründer Ulrich Dausien kennenlernte. „Er bot mir dann auch an, in seinem kleinen Frankfurter „SINE Imperium“ eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann zu beginnen. Das war letztendlich der Start meiner langjährigen Laufbahn.“ Jack Wolfskin war zu diesem Zeitpunkt noch Marke der Hobbyt Ausrüstung für Draußen GmbH in Frankfurt und schoss gleich mit der ersten Kollektion durch die Decke. Wahrscheinlich auch, weil man mit Texapore ein neues Material präsentierte, das so zuvor noch nicht breit bekannt war. Heute umfasst die Texapore-Familie um die 40 Variationen.

Mehr als 35 Jahre Jack Wolf­skin. Wie fühlt es sich an, die Entwicklung eines weltbekannten Outdoorunternehmens von Beginn an mit zu verfolgen? „Naja, wenn man bedenkt“, antwortet Ringsdorf, „dass wir zu Beginn meiner Ausbildung insgesamt nur neun Leute im Team waren, ich mit mehreren Firmen-Umzügen die gesamte Entfaltung des Outdoor-Booms direkt mitverfolgen durfte und letztendlich freie Hand bei der Entwicklung der ersten Zelt- und Rucksackgenerationen hatte, ist das schon ein sehr emotionaler Moment für mich.“ Nachdem Dausien 1981 die Marke Jack Wolfskin ins Leben gerufen hatte, begann man im gleichen Schritt mit dem Vertrieb von importierter Ware. „Der Markenname wurde übrigens am Lagerfeuer kreiert. Es gibt nämlich keinen realen „Jack Wolfskin“ und er wurde auch nicht von einer Werbeagentur erfunden, sondern ist firmenintern entstanden. Ins Leben gerufen wurde der Name bei einer Kanutour in Kanada und in Anlehnung an die Romanhelden von Jack London.“ Während der Lehre begann Gerold dem damaligen Produktentwickler bei der Zeltentwicklung über die Schulter zu blicken und fand letztendlich hier seine berufliche Bestimmung. „Damals haben wir richtig viel experimentiert, für die Umsetzung sind wir immer auf der Suche nach neuen, tollen Materialien gewesen, um letztendlich ein technisches Wunderwerk ins Leben zu rufen. Das waren dann z.B. Zelte, wie die beiden Klassiker „Time Tunnel“ oder „Worlds End“.“ UND, Gerold beginnt immer weiter, sein Wissen über Zelte auszubauen. Anfang der 90er Jahre bringt er schließlich mit dem „Flexibility“ sein erstes eigenes Zelt für Jack Wolfskin auf den Markt. „Nach meiner Lehre und einer langen Nordamerika-Reise hatte ich die tolle Chance fest in die Produktentwicklung einzusteigen und als verantwortlicher Entwickler für den Bereich Equipment endlich die Möglichkeit, mein Know-how im Bereich Zelte und Rucksäcke weiter auszubauen. Ich musste mir recht viel selbst aneignen, auch was die Produktion der einzelnen Modelle anging.“ Nach dem ersten Firmenverkauf Anfang der 90er Jahre ging die Geschäftsführung von Jack Wolfskin schließlich an Manfred Hell über. Er war dann auch maßgeblich am späteren Erfolg der Marke beteiligt.

Jack Wolfskin geht mit Porsche in den Windkanal. Dass der Outdoorausrüster es tatsächlich ernst meint, wenn es um neue Technologien geht, beweist man 1997 mit einer aufwändigen Grundlagen-Testserie im Windkanal beim Automobilexperten Porsche. Mit den daraus gewonnen Erkenntnissen wurde dann in Folge die „Real Tunnel“-Zelttechnologie entwickelt und patentiert. „Wir hatten in einem die Windstabilität, den nutzbaren Innenraum und die Handhabung beim Aufbau maßgeblich verbessert. Das hatte sich in jedem Fall gelohnt, die neuartige Konstruktion erhielt 2002 den „Red Dot Design Award“.“ So auch die patentierte „Exit Air Technology“, ein Ventilationssystem für Rücksäcke, die dann 2006 mit dem „Outdoor Industry Award“ ausgezeichnet wurde. Mit dem „Energy Balance“- Tragesystem wurde sogar der begehrte Designpreis „Red Dot Best of the Best Award“ nach Idstein geholt und gerade erst im letzten Jahr erhielt das Equipment-Team den „Deutschen Designpreis“ für das „Ergo Dynamic System“. Nach zahlreichen Produktinnovationen, Testtouren und wertvollen Entwicklungen, legte man im Laufe der Jahre auch immer stärker Wert auf das Thema CSR und Nachhaltigkeit. Heute gilt Jack Wolfskin mit seinen Projekten in diesem Bereich als einer der Pioniere. Seit 2010 ist man Mitglied in der Fair Wear Foundation und wurde von ihr dreimal in Folge mit dem Leader Status ausgezeichnet. Seit kurzem ist man offizieller Partner des Green Tec Awards, einer der renommiertesten Umweltpreise weltweit. Zum 10-jährigen Jubiläum präsentierte die Marke erstmals die in diesem Jahr die neu geschaffene Award-Kategorie Sport. „Wir sind sehr stolz, Partner der Green Tec Awards zu sein. Mit diesem Engagement unterstreichen wir, welche herausragende Bedeutung das Thema Nachhaltigkeit für uns hat“, so Kerstin Pooth, Director PR & Cooperations und Melanie Kuntnawitz, Head of Vendor Control, anlässlich der Award Vergabe.

Jack Wolfskin
Beim Green Tec Award in Berlin präsentierte Jack Wolfskin zum ersten Mal die neu geschaffene Kategorie Sport. Die Laudatio hielt Jack Wolfskin-CEO Melody Harris-Jensbach. Hier zusammen mit Rea Garvey.
© Jack Wolfskin

2011 wird Jack Wolfskin an einen US-amerikanischen Investor verkauft. Ringsdorf ist nun seit mehr als 20 Jahren beim Outdoor-Ausrüster in Idstein beschäftigt. „Es war für mich an der Zeit, an mich selbst und meine Familie zu denken, sprich, eine einjährige Auszeit zu nehmen. Ich habe sämtliche Aufgaben an meinen langjährigen, geschätzten Kollegen Dirk Hondrich übergeben, der den Bereich jetzt verantwortungsvoll leitet.“ Heute ist Gerold für den Bereich Produktschulungen und Testevents verantwortlich. „In meinen Augen eine sehr wichtige Aufgabe, schließlich muss am Ende des Tages, das Produkt an den Mann gebracht werden. Dafür muss man die Vorzüge an den Kunden weitergeben können.“ Wer könnte das entsprechende Know-how im Produktbereich wohl besser weitergeben. Dazu gehört auch die Vernetzung zwischen Kommunikation und Produktentwicklung, Marketing und Sales. Im Fokus stehen Produkt-Schulungen für Jack Wolfskin-Mitarbeiter, nationale wie internationale Händler-Events und Testivals. „Für mich hat sich nie die Frage gestellt, zu einem anderen Outdoor-Ausrüster zu wechseln. Denn, ich sehe eigentlich nur Vorteile, wenn man mit einer Marke groß geworden ist – dazu gehören natürlich auch kritische Momente. Ich möchte beides nicht missen. Jack Wolfskin ist für mich wie eine große Familie – ein Grund, warum wohl viele Mitarbeiter seit Beginn mit am Start sind.“ Aber auch das Reisen soll jetzt noch mehr in Gerolds Lebensmittelpunkt rücken. Die „Bucket List“ ist lang, vorn an steht der Wunsch zusammen mit seiner Frau Birgit in Kanada Wale vom Seekajak aus zu beobachten.

Schlüchter

Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2017